Desert Wings 2016

Die geheimen Taktiken für die Rallye Dakar

13 Etappen, 14 Geschichten: Cross Country-Profis verraten ihr Insider-Wissen über die Dakar
Jordi Viladoms Rennen während der 6. Etappe der Rallye Dakar 2015 von Antofagasta nach Iquique, Chile am 9. Januar 2015.
Jordi Viladoms landet auf einer Düne © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool
Von Tim Sturtridge

Die Rallye Dakar ist die ultimative Herausforderung wenn es um Langstreckenrennen geht. Fix ist: Auch bei der Ausgabe 2016, die über 9.000 Kilometer durch Argentinien und Bolivien führt, müssen die Teilnehmer wieder an ihr Limit gehen. Die Route ist eine Mischung aus 4.500 Meter hohen, eisigen Bergpässen und heißen Wüstendünen. Anders formuliert: Bei dieser Rallye ist gar nichts einfach! Wir haben bei unserem Team von Red Bull Desert Wings nachgefragt, was es über die einzelenen Etappen Wissenwertes zu erfahren gibt. Damit ihr der Rallye besser folgen könnt und nicht vom Weg abkommt…
 

Samstag, 2. Januar
Prolog: Buenos Aires – Rosario

Marcos Patronelli (Zweifacher Quad Bike Weltmeister): Wir hoffen, dass wir von der Menge wieder einmal herzlich in Empfang genommen werden, wenn wir Buenos Aires verlassen. Wir repräsentieren Argentinien bei der Dakar und versuchen natürlich alles, um wieder zu gewinnen. Während dieses kurzen Prologs liegt mein Fokus auf all den Herausforderungen, die mir in den folgenden zwei Wochen bevorstehen.
 

Sonntag, 3. Januar
1. Etappe: Rosario – Villa Carlos Paz

Carlos Sainz (Rennauto Weltmeister 2010): Ich habe viele Freunde in Villa Carlos Paz, weil ich dort während der Rallye Weltmeisterschaft sehr oft zu Besuch war. Die Motorsport-Fans hier gehören zu den besten der Welt und schaffen eine großartige Atmosphäre rund ums Rennen. Die Etappen bei der Dakar sind länger als bei der WRC, aber vielleicht erkenne ich 10 oder 15 Kilometer aus früheren Zeiten wieder – bei einer Route über 250 km ist das allerdings nicht besonders hilfreich. Ich erwarte eine sehr anspruchsvolle Etappe für unsere zweiradgetriebenen Autos.


Montag, 4. Januar
2. Etappe: Villa Carlos Paz – Termas de Río Hondo

Ayrat Mardeev (Truck Race Weltmeister 2015): Vorsicht ist unser zweiter Name. Trotzdem werden wir diese extrem lange Etappe über 858 Kilometer nicht anders angehen als andere Etappen. Speziell an Tagen, die nicht zu enden scheinen, will man seinen Truck mit Samthandschuhen anfassen, da ein kritischer Defekt unser Rennen jederzeit beenden könnte. Aber natürlich dürfen wir nicht zu vorsichtig sein, wir wollen schließlich gewinnen. Es kommt also auf die richtige Mischung an, und das am besten während der gesamten Dakar.
 

Dienstag, 5. Januar
3. Etappe: Termas de Río Hondo – San Salvador de Jujuy

Jordi Viladoms (Zweiter beim Bike-Rennen 2014): Die Situation hat sich für mich verändert, weil ich dieses Mal der Veteran im Team bin. Es ist meine 10. Dakar und in all den Jahren habe ich viele Dinge erlebt, die mir jetzt die nötige Erfahrung bringen. Bei einer Etappe wie dieser weiß ich, dass sich Wetter und Gelände sehr schnell ändern können. Teil meines Jobs ist es, diese Erfahrungen mit den jüngeren Ridern meines Teams zu teilen. Hoffentlich hilft uns das, gute Ergebnisse zu erzielen.


Mittwoch, 6. Januar
4. Etappe: San Salvador de Jujuy – San Salvador de Jujuy

Toby Price (Bike Rennen Rookie of the Year und Dritter in der Gesamtwertung 2015): Auf uns wartet Teil 1 der ersten Marathon-Etappe und das bedeutet, dass bis zum Ende der nächsten Stage keine technische Unterstützung erlaubt ist. Du musst auf dein Bike und deine Reifen aufpassen, da du nichts ändern kannst. Es sind die Tage, an denen man es locker angehen und nicht attackieren sollte. Letztes Jahr lief es für mich während der Marathon-Etappe richtig gut, das gleiche Ergebnis dieses Jahr wäre hervorragend. Es ist ein riesen Vorteil, dass KTM so verlässliche Bikes bautt.


Donnerstag, 7. Januar
5. Etappe: San Salvador de Jujuy – Uyuni

Nasser Al-Attiyah (Zweifacher Sieger im Rennauto und amtierender Weltmeister): Diese Etappe hat über 4.500 Höhenmeter. Letztes Jahr hatte ich bei dieser Höhe große Kopfschmerzen. Deshalb habe ich sehr viel trainiert, um mit diesen Bedingungen klar zu kommen. Ich nutzte dafür die Einrichtung der Aspire Academy in Katar. Neben dem körperlichen Training, lasse ich auch meine Sauerstoff- und Blutdruckwerte analysieren, um diesmal gegen die Höhenkrankheit gewappnet zu sein.


Freitag, 8. Januar
6. Etappe: Uyuni – Uyuni

Hélder Rodrigues (Zweifacher Bike-Rennen Podium Platzierter): Wenn das Rennen zurück nach Bolivien geht, müssen die Techniker und Ingenieure sicher schon viele Problem gelöst haben. Wenn ich dort fahre, mache ich mir ständig Gedanken darüber, wie ich mein Bike schonen kann, ohne viel Zeit zu verlieren. Für mich ist es oberste Priorität, das Bike nicht zu überordern, schließlich dauert die Dakar extrem lange. Mir geht es nicht um Spitzenzeiten während der einzelnen Etappen. Es geht nur darum, eine hohe Geschwindigkeit, eine perfekte Navigation und eine zuverlässige Technik während der gesamten Rallye zu halten.


Samstag, 9. Januar
7. Etappe: Uyuni – Salta

Kuba Przygonski (Autorennen-Rookie): Dieses Jahr werden wir mehr in Bolivien fahren. Vergangenes Jahr gab es in der Region rund um Salar de Uyuni viele technische Schwierigkeiten. Das ist ein Teil des Rennens, wo Glück eine große Rolle spielt. Ich sitze dieses Jahr zum ersten Mal in einem Auto und obwohl ich das Gebiet von meiner Bike-Teilnahme kenne, wird es nicht das gleiche sein. Ich konzentriere mich zu 100 Prozent darauf, das Ziel zu erreichen.


Sonntag, 10. Januar
Ruhetag in Salta

Matthias Walkner (Cross Country Weltmeister 2015): Letztes Jahr hatte ich in der Nacht vor dem Ruhetag einen entspannenden Schlaf in einem richtigen Bett, weil wir in ein Hotel gehen konnten. Im Biwak hingegen war es ein ziemlich hektischer Tag. Ich musste meine komplette Ausrüstung reinigen und das Roadbook für die nächste Etappe vorbereiten. Es gab auch einige Presseanfragen. Für dieses Jahr habe ich einen besseren Plan, um meine Zeit am Ruhetag schlauer einzuteilen. Die ganze Arbeit, die ich erledigen muss, sollte ich in zwei Stunden schaffen – und den restlichen Tag will ich entspannen.


Montag, 11. Januar
8. Etappe: Salta – Belén

Mohamed Abu Issa (Zweitplatzierter Quads Cross Country Rallyes 2015): Es gibt unglaublich viele Dinge, die man während einer Etappe auf Sand – wie dieser – vor allem beim Renn-Stil berücksichtigen muss. Da ist es schon Mal hilfreich, dass ich auf diesem Terrain geboren bin. Seit meiner Jugend kenne ich mich damit aus. Es ist etwas einfacher, jemanden im Sand zu folgen, weil man sich an den Fahrspuren orientieren kann. Die größere Herausforderung ist es sicherlich, die Führungsrolle zu übernehmen, besonders wenn man als erster in eine offene Wüste einfährt. Hier trennt sich der Spreu vom Weizen: Entweder du kannst die Dünen zu lesen oder eben nicht. Der schnellste Weg ist dabei nicht immer der kürzeste. Die Dünen verbergen viele Gefahren, wie zum Beispiel krasse Drops oder andere Überraschungen!

Dienstag, 12. Januar
9. Etappe: Belén – Belén

Eduard Nikolaev (Track Race Weltmeister 2015): Wir brauchen Durchhaltevermögen, da es eine lange Etappe ist, und im Januar ist es in dieser Region normalerweise sehr heiß. Wir müssen wahrscheinlich unsere eigene Route finden, also müssen viele Beifahrer diese extra Verantwortungen tragen. Unser Mechaniker muss auch bereit sein, um schnell zu handeln, da man dort sehr oft einen Platten hat. Meine Aufgabe wird es sein, mich so schnell wie möglich fortzubewegen.


Mittwoch, 13. Januar
10. Etappe: Belén – La Rioja

Stéphane Peterhansel (11-fache Dakar-Sieger): Es ist niemals einfach zu fahren auf den Dünen in Fiambalá und ich kann mich an einige sehr komplizierte Etappen erinnern, an denen ich viel Zeit verloren habe. Wir werden wahrscheinlich 80 % der Etappe Offroad fahren, das macht das Navigieren zu einer echten Herausforderung. Es gibt lange Anstiege auf sehr weichem Sand und diie Abfahrt geschieht über weiße Dünen, die nicht einfach zu überqueren sind. Dann kommen wir an eine Schlucht, die entweder total trocken oder überflutet ist, das kommt ganz auf das Wetter an. Es ist eigentlich unglaublich, dass in einem so kleinen Gebiet so unterschiedliche Terrains zu finden sind.


Donnerstag, 14. Januar
11. Etappe: La Rioja – San Juan

Joan Barreda (13 Dakar Etappensiege): Dass Marc Coma in diesem Jahr der neue Sport-Direktor ist, macht die Dakar noch interessanter. Marc hat fünfmal mit seinem Bike gewonnen, er kennt den Wettkampf in- und auswendig. Diese Etappe während der zweiten Woche wird für die Rider eine echte Herausforderung was das Navigieren betrifft. Das ist typisch für alle Etappen, bei denen wir nah bei den anderen Serien fahren. Wir teilen uns die Strecke mit Trucks und Autos, da ist der Unterschied zwischen den einzelnen Fahrern deutlich zu sehen.


Freitag, 15. Januar
12. Etappe: San Juan – Villa Carlos Paz

Adam Małysz (Ehemaliger Skispringer, jetzt Rallyefahrer): Diese lange Etappe über 900 km insgesamt am Ende des Wettkampfs kann sehr schwierig werden. Einige Fahrer konzentrieren sich bereits auf die Ziellinie – obwohl sie zum Greifen nah ist, darf man sich keinen Moment der Schwäche erlauben. Man muss für die Dakar in exzellenter körperlicher Verfassung sein. Dafür arbeite ich mit dem Arzt Michal Wilk zusammen, der Trainingspläne für mich erstellt und die Vorbereitung überwacht. Für die letzte Etappe benötigt das Auto besondere Aufmerksamkeit, da es nach so vielen tausenden Kilometer ziemlich ramponiert ist. Ich versuche, so vorsichtig wie möglich zu fahren, da ein kleiner Fehler die Arbeit der letzten zwei Wochen zunichte machen kann.


Samstag, 16. Januar
13. Etappe: Villa Carlos Paz – Rosario

Cyril Despres (5-fache Dakar Sieger): Bei der Dakar ist es notwendig, während der gesamten zwei Wochen vollste Konzentration zu behalten. Deine Denkweise darf sich zwar nicht ändern, egal ob bei der ersten, fünften oder dreizehnten Etappe. Aber meiner Erfahrung nach, sollte man auf der letzten Etappe eher kein Risiko eingehen. Wie ich diese Etappe schlussendlich anlege, kommt darauf an, wie mein Rennen bis dahin gelaufen ist. Es gibt Tage während der Dakar an denen du Vollgas geben musst, weil du auf Sieg fährst und sich die Chance ergibt, Zeit gegenüber der Konkurrenz gut zu machen.

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