Ken Roczen: Ups & Downs 2015

Das ereignisreiche Jahr im Schnelldurchlauf plus ein Ausblick: Darum wird Ken 2016 rocken!
Ken Roczen trainiert auf der Castillo Ranch in Los Alamos, California, USA, on November 20, 2015.
Ken Roczen wird in ‘16 noch stärker zurückkommen © Garth Milan/Red Bull Content Pool
Von Oliver Schran

Als vor rund einem Jahr bekannt wurde, dass Ken Roczen, das Red Bull KTM Team in den USA verlassen wird, schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Für das deutsche Ausnahme-Talent gab es mehrere Gründe, wieder auf die Gelbe zu wechseln, und das neue RCH Team, das von Suzuki Factory Unterstützung bekommt, schien für Ken der richtige Weg zu sein, sich von seinem Mentor DeCoster ein wenig zu lösen. Kenny wollte seinen eigenen neuen Weg bestreiten und wieder eine Susi unter dem Hintern haben.

Das neue Team machte mit Besitzern wie Ricky Carmichael – dem G(reatest)O(f)A(ll)T(imes) –, FMX-Ikone Carey Hart und dessen Frau Pink den Eindruck, als ob für den Deutschen dort mehr Spass und Freiheit zu erwarten ist, als in der KTM-Talentschmiede, welche komplett auf Leistung und im Vergleich zu RCH auf fast militärischen Drill setzt, um Champions quasi am Fließband zu produzieren.

Das Team um Roger DeCoster macht einen fabelhaften Job und Ken fuhr mit KTM unzählige Erfolge ein. Er wurde in seiner Rookie-Outdoor-Saison 2014 in der AMA 450 Klasse direkt Champion mit KTM, die großen Erfolge sind auf der Suzuki hingegen bis dato ausgeblieben. Der Deutsche blitzte hier und da immer wieder auf und zeigte unglaubliche Klasse mit der Gelben, hatte aber auch mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn es gut lief für Ken, lief es richtig gut, aber es gab auch öfter mal Probleme, die gegebenfalls bei KTM in dieser Art und Weise nicht aufgetreten wären, da das Team dort komplett eingespielt ist und jahrelange Erfahrung hat.

Zur Halbzeit seines 2-Jahres-Deals mit RCH macht es natürlich Sinn, sich das vergangene Jahr mal genau anzuschauen und einen Ausblick auf das kommende Jahr zu wagen.

Das aktuelle Video hier vom Training mit Ryan Villopoto sollte schon einmal einen guten Ausblick geben, was von Kenny in der anstehenden AMA Supercross Saison zu erwarten ist:

© Garth Milan/Red Bull Content Pool


Die Outdoors und die Medien

Die Outdoor Saison startete für das deutsche Ausnahmetalent komplett anders als seine Supercross Saison im Herbst zuvor. Roczen trat beim ersten Rennen mit einer nicht komplett ausgeheilten Rückenverletzung an und erreichte nur 2 Punkte am ersten Wochenende. Sicher nicht das, was Ken und seine Fans von der #1 auf er Nummerntafel erwartet hatten.

Es ging dann eigentlich bergauf und Roczen konnte das Blatt mit fünf gewonnen Rennen drehen, bis der nächste Ärger gegen Mitte der Saison anstand. Ken's Vater Heiko hatte sich im deutschen Cross Magazin nicht umbedingt positiv über RHC geäußert und Ken musste selber reagieren. Nach seinem Dementi brach dann natürlich die Welle in den sozialen Medien über ihm und auch in anderen Bereichen stieg nun der Druck sich zu rechtfertigen. Die Story in der Transworld MX fasst das ganze aus US-Sicht zusammen, wobei es je nach der Seite des großen Teichs andere Stimmen gibt.
 

Ken Roczen gibt alles bei Round 4 of der AMA Pro Motocross Championships auf dem Muddy Creek Raceway in Blountville, Tennessee, USA, am Juni 7, 2015.
Speed ist sein Markenzeichen im Dirt © Garth Milan/Red Bull Content Pool


Wie auch immer... Ken hat mit dem Team hart gearbeitet und es über die Saison hinbekommen. Am letzten Wochenende der Outdoor Saison 2015 stand der Suzuki-Pilot ganz oben auf dem Podium und wurde Nummer 2 in der Gesamtwertung. Sicher war das Jahr – ohne Titelverteidigung – hart für Ken und er musste den Sieg seinem Erz-Rivalen Dungey überlassen. Aber alles in allem hat der Deutsche bewiesen, dass er "freaky fast" ist und zu den besten Ridern der Welt gehört.

In wenigen Wochen startet in den USA die neue Supercross-Saison und Roczen wird sicher versuchen, an seine Erfolge von den Outdoors anzuknüpfen. Sein 12. Platz in der letzten SX Saison ist defintiv nicht das, was sich Roczen für 2016 erwartet. Wie immer wird Ken auf Sieg fahren und versuchen, Dungey die Krone abzujagen. Nachdem er bei den Outdoors den Titel an Amerikaner abgeben musste, wird er sicher versuchen das gleiche im Supercross mit Dungey zu machen.
 

Ken Roczen beim Red Bull Straight Rhythm auf dem Fairplex in Pomona on 9. Oktober, 2015 in Kalifornien USA.
In 2015 hatte Roczen einige Ups & Downs © Chris Tedesco/Red Bull Content Pool


Rücken-Op & Off-Season Rennerfolge

Nach der Outdoor-Saison hat sich der Deutsche einer Rückenoperation unterzogen, um für die kommenden Serien komplett "in shape" zu sein. Nach einer kurzen Reha ging es dann für Ken direkt wieder aufs Bike, um beim Red Bull Straight Rhythm zu zeigen, dass nur James Stewart schneller ist als er. Der 2. Platz bei diesem innovativen Vollgas-Event hat allen gezeigt, dass mit Ken beim SX 2016 massiv zu rechnen ist. Beim MEC Event setzte der Red Bull-Rider noch einen drauf und fuhr das Ding nach Hause. Mit 100.000 Dollar Cash als Siegprämie sollte der Deutsche wohl gut fürs Weihnachts-Shopping gerüstet sein.

Hier noch eine GoPro-View von Ken beim Red Bull Straight Rhythm:


Ausblick 2016 für den deutschen Freigeist

2016 kann für Kenny kommen und es wird sicher mehr als interessant zu sehen, was er im zweiten Jahr auf RHC einfährt. Schnell genug ist er und trotz der ganzen Probleme hat er in 2015 eigentlich abgeliefert. Weniger als er selber und die Fans von Ihm erwartet haben, aber die Kritiker sollten es selbst mit einem neuen Team und einer komplett neuen Einstellung versuchen und ihn erst dann für sein Handeln kritisieren bzw. unter gleichen widrigen Umständen ihn auf dem Bike schlagen.

Ken ist Anfang 20 und hat sich für seinen Weg entschieden. Er hätte sicher weiter bei KTM mit dem Team einen Erfolg nach dem anderen einfahren können, aber ich finde sein mutiger Weg und die rebellische Art bereichern Motocross und machen Ihn zu einer Persönlichkeit die sich nicht in die Reihe der "Clean-Cut Racer Kidz" stellt. Die Zeit wird zeigen, was dieser Lebensabschnitt für seine gesamte Karriere bedeutet. Alles spricht aber 2016 dafür, dass Roczen die Konkurrenz durch seine unglaublichen Bike-Skills, sowohl in der Halle als auch draußen in den Griff bekommt.

Related
Ken Roczen
read more about
Zur nächsten Story