Wenn Stürze ganze Titel kosten

Die Gefahr fährt immer mit im SuperCross – und manchmal erstickt sie die Titelchancen im Keim.
Von Aaron Hansel

2016, Anaheim. Saisonauftakt der AMA SuperCross. James Stewart kollidiert mit Ryan Dungey und wird bewusstlos. Seine Saison ist fast schon zu Ende, bevor sie überhaupt richtig los gegangen ist.

Aber Stewart ist nicht der einzige Rennfahrer, dem solcherlei Pech schon passiert ist. Hier kommen sechs andere Cracks, deren Titelhoffnungen frühzeitig in den Mülleimer gewandert sind.

Ryan Villopoto – St. Louis SuperCross, 2010

Die SuperCross Saison ging in die scharfe Phase und es waren Villopoto und Dungey, die sich in einem hitzigen Kampf um die 450SX Krone balgten. Wenn sich einer der beiden einen kleinen Vorteil erarbeiten konnte, hatte er im Anschluss Pech – oder der wiederrum andere schlug Wochenends darauf zurück. Jeden Samstagabend ging es hart zu, doch St. Louis legte eine Schippe drauf, als Villopoto einen heftigen Abflug wegzustecken hatte und er sich sein rechtes Bein dabei regelrecht zerstörte. Seine Saison und seine Titelhoffnungen – alles unter einem Sturz begraben.

Das Video vom Crash gibt es hier:

Christophe Pourcel – Pala Motocross, 2010

Es ging in das letzte Rennen des Jahres und Christophe Pourcel hatte einen satten Vorsprung auf Trey Canard. Eigentlich galt er schon als sicherer Champion der 250ccm Nationals. Dann kam es im ersten Rennen zu einem Desaster, als der Franzose einen mehr als merkwürdigen und unerklärbaren Sturz zu verzeichnen hatte – auf einer Geraden. Er verletzte sich dabei die Schulter. Damit war auch der sicher geglaubte Titel weg. Seither ist Pourcel nie wieder annähernd nahe an einem Titel dran gewesen.

Eli Tomac – Thunder Valley MotoCross, 2015

Auch wenn sein Sturz relativ zu Saisonbeginn passierte, kann man dennoch sagen, dass er Eli Tomac den 450 National Championship Titel gekostet hat. Tomac hatte die Konkurrenz bei den ersten beiden Rennen mit abstand dominiert – und genau so ging es für ihn im Thunder Valley auch im ersten Lauf wieder los. Im zweiten Lauf machte sich Tomac erneut auf und davon, ehe er eigenverschuldet stürzte und sich beide Schultern verletzte. Für ihn waren Tag, Saison – und Meisterschaft zu Ende.

Tomacs schmerzhafter Sturz:

© Getty Images

James Stewart – St. Louis SuperCross, 2006

Etwas länger zurück in der Geschichte, aber trotzdem ein Punkt auf dieser Liste: James Stewart und Ricky Carmichael steckten Mitten in einem harten Fight um die Punkte, Chad Reeed lag auf Rang drei. Aber in St. Louis sollte sich alles ändern. Stewart blieb an einer Streckenbegrenzung hängen und musste von der Strecke. Es war kein schwerer Sturz, aber er schlug sich den Kupplungshebel an und es dauerte, ehe seine Kawasaki wieder startete. In jener Nacht wurde er 17. – und verlor den Titel um gerade einmal zwei Punkte.

Chad Reed – Spring Creek MotoCross, 2011

Der Australier Chad Reed führte die AMA MotoCross-Serie 2011 an, doch dann kam es zu seinem unglücklichen, und heftigen, Abflug im Spring Creek Raceway in Minnesota. Reed führte das erste Rennen an, bekam aber vor dem ersten Sprung (der jetzt Chada-Pult heißt) einen Kick und wurde – ohne Motorrad – in die Luft geschleudert. Kaum zu glauben, aber wahr: er war nicht einmal verletzt und konnte sogar das Rennen wiederaufnehmen. Ab da war er aber für den Rest der Saison nicht mehr der gleiche Fahrer – und hat seither auch nie wieder ein MotoCross Rennen gewonnen.

Der unglaubliche Abflug hier im Video:

Eli Tomac – Oakland SuperCross, 2013

Tomac war 2013 auf dem Weg zu seinem zweiten 250SX Titel in Folge, dominierte, wo es nur zu dominieren ging und gewann die ersten drei Saisonrennen. In Oakland aber wendete sich das Blatt komplett. Tomac stürzte früh im Rennen und wollte sich gerade durch das Feld zurück kämpfen, stürzte aber in den Whoops erneut und dieses Mal konnte er nicht zurück schlagen. Profiteur? Ken Roczen – der sich den Titel holen sollte.

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