Back on Bike: Matthias Walkner gibt wieder Gas!

Video & Interview zum Comeback: Der Weltmeister jodelt vor Vergnügen und freut sich auf den Staub
© Video: Mike Grössinger / Foto: Astrid Heinz
Von Eugen Waidhofer

Der Traum vom Sieg bei der Rallye Dakar 2016 endet für Matthias Walkner am 9. Jänner mit einem gebrochenen linken Oberschenkel. 192 Tage später sitzt der der Weltmeister wieder im Sattel, fährt erstmals Motocross und strahlt in der XBOWL Arena Stegenwald mit der Sonne um die Wette. Es läuft gut. So gut, dass er sogar über einen Sieg bei der Dakar 2017 nachdenkt. Ja warum denn nicht...? Hiasi is "back on bike" – ein Interview in drei Akten. Die Highlights gibt's im Video oben.

Akt 1: Die Party kann beginnen

Pünktlich um 11.00 Uhr fährt der weiße Kastenwagen vor. Auf der Seite ist ganz dezent die Startnummer 52 zu sehen. Am Steuer: MX3- und Rallye Raid-Weltmeister Matthias Walkner. Sollen wir ausladen helfen? "Wenn ich das nicht alleine schaffe, brauche ich erst gar nicht aufs Bike zu steigen..." Ok, do it yourself: Motorrad raus, Druck in der Federgabel messen, Luft in den Reifen kontrollieren, Benzin tanken und dazwischen die ersten Fragen:


Rund ein halbes Jahr nach deinem Unfall ist heute Tag 1 deines sportlichen Comebacks. Wie schaut die werte Befindlichkeit aus?

Wenn's mir jetzt nicht gut gehen täte, dann weiß ich auch nicht... Heute ist der erste Tag, an dem ich wieder auf einer Motocross-Strecke fahren darf. Ok, schauen wir mal wie es in zwei Stunden ausschaut, aber im Moment freue ich mich extrem darauf und bin guter Dinge, weil in den vergangenen Wochen bei der Rehab ziemlich viel weitergegangen ist und der Fuß immer weniger weh tut. Jetzt wird es spannend.

Worauf freust du dich am meisten?

Einfach nur darauf, dass ich wieder am Motorrad sitzen kann. Ich bin ziemlich gespannt, wie es mir dabei gehen wird. Ich habe in den vergangenen Monaten zwar intensiv trainiert – körperlich und mental –, aber das ist nicht das gleiche, wie fahren. Ich bin gespannt, ob sich irgendetwas anders anfühlt, wie vor einem halben Jahr.

Was glaubst du wie es wird?

Extrem geil und anstrengend. Es wird passen, weil ich die Hausaufgaben gemacht habe. Es wäre schon eine große Enttäuschung, wenn ich nach fünf Runden sagen sollte: Ich muss es in einem Monat noch einmal probieren.
 

Akt 2: Die ersten 10 Runden

5 Minuten hält sich der Comebacker an seine eigene Vorgabe: dosiert fahren, langsam herantasten. Dann siegt der Spaß über die Vernunft und man hört den Salzburger bei den Sprüngen plötzlich vor Vergnügen jodeln. Die Zeiten liegen bei 1 Minute und 17 Sekunden, rund 5 Sekunden über dem, was möglich wäre. Der Puls ist mit 170 Schlägen auch relativ hoch. Aber: Alles egal – Hauptsache das Gefühl stimmt.


Wie waren die ersten 15 Minuten "back on bike"?

Extrem cool, extrem lässig. Eigentlich wollte ich langsamer anfangen und dafür länger fahren. Aber jetzt habe ich doch ein gleich mehr Gas gegeben und mache dafür früher Pause. Das war leider nicht zu verhindern...

Deine erste Bilanz?

Es funktioniert richtig gut und das ist richtig geil. Ich kann das, was ich von früher im Kopf abgespeichert habe, schon wieder sauber umsetzen. Ich merke aber, dass ich mein Körber mit dem Kopf noch nicht mithalten kann. Ich will und könnte mental schneller, aber das mit der Feinmotorik braucht noch Zeit. Vom Beinbruch merke ich gar nichts. Allerdings bin ich beim Fußsetzen ein bisschen zögerlich. Aber es fühlt sich einfach geil an, wieder am Motorrad zu sitzen. Jetzt habe ich den Punkt erreicht, an dem ich das Motocross- und Rallye-Training in meine Aufbauphase integrieren kann.

Du hattest vorab Respekt vor den Sprüngen. Wie ist es dir dabei gegangen?

Stimmt, weil ich unsicher war, wie meine Knie auf die Belastung und die Erschütterungen reagieren. Aber meine Knie sind einigermaßen stabil und halten. Das war vor dem Start das großes Fragezeichen. Ich bin extrem happy, dass es jetzt so passt.

Dann steht dem Comeback eigentlich nichts mehr im Weg...

Genau. Seit 20. Juli 2016 gilt: Matthias Walkner ist zurück auf dem Motorrad. Es funktioniert alles wieder so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Du scheinst im Moment der glücklichste Hiasi seit Monaten zu sein.

Unbedingt. Mein ganzes Leben ist jetzt wieder anders. Weil nur Radl- oder Handkurbel-Fahren wird auf Dauer ziemlich mühsam für den Kopf. Aber ich habe immer gewusst: Ich mache das für diesen einen Moment, den ich heute erleben darf. Das gibt mir jetzt alles zurück und die letzten 6 Monate sind fast vergessen.

In den nächsten Wochen braucht man dich zu Hause wohl nicht suchen?

Suchen kannst du mich schon, aber finden wirst du mich dort nicht...
 

Akt 3: der Comeback-Plan

Letzter Boxenstopp vor dem Getränke-Automaten. Matthias Walkner bastelt aus seiner neuen Motivation gleich die Pläne für die nächsten Monate. Ergometer und Handkurbel spielen dabei keine Rollen mehr. Jetzt geht es darum, die 200 fehlenden Praxisstunden aufzuholen und sich bereit für den Dreck zu machen. Seine erste Racing-Experience in einem Monat wird sein: So schmeckt der Staub in Chile.


Wie schaut dein Comeback-Plan konkret aus?

Ich muss mich wieder an den Motorrad-Alltag gewöhnen. Normalerweise habe ich im August schon 200 Stunden auf dem Motorrad verbracht. In diesem Jahr sind es 60 Minuten. Ich habe heute gesehen: Ich bin zwar fit, aber am Motorrad ist es trotzdem ziemlich zäh. Ich bin 5 Sekunden langsamer gefahren, als es gehen könnte, und hab schon einen Puls von 180 – da ist nicht mehr so viel Luft nach oben.

Du willst in einem Monat bei der Atacama Rallye in Chile starten. Kann sich das ausgehen?

Das geht sich sicher aus. Die Frage ist nur, wie es sich ausgeht. Ich werde vermutlich nicht um die ersten 3 Plätze mitkämpfen. Aber das ist mir in diesem Fall nicht so wichtig. Ich will wieder in den Rallye-Rhythmus reinfinden – das heißt, 5 Tage lang viel Motorrad fahren, wenig schlafen und ziemlich viel Dreck und Staub schlucken. Irgendwann muss ich damit wieder anfangen und Chile war im letzten Jahr meine Lieblingsrallye. Es ist dort relativ sandig und ich habe die Strecke als nicht so gefährlich empfunden.

Wie ist jetzt dein Grundgefühl: eigentlich unkaputtbar oder doch verletzlich?

Dass ich kaputtbar habe ich bei der Dakar gesehen. Ich muss zugeben, dass ich im letzten Jahr wirklich geglaubt habe, dass mir nicht mir viel passieren kann. Dann ist vielleicht noch ein bisschen zu viel Routine dazu gekommen, weil alles perfekt funktioniert hat. Der Unfall hat mir dann die Augen geöffnet.

Ich glaube, dass die Ausgangssituation jetzt ideal ist. Die WM ist für mich gelaufen, die Rennen dienen nur mehr zur Vorbereitung, ich habe keinen Druck. Ich kann mich jetzt voll auf die Dakar 2017 konzentrieren. Das war letztes Jahr ganz anders. Ich war voll im Titelkampf und dementsprechend zwiegespalten: Worauf lege ich den Fokus – auf die WM oder die Dakar?

Gibt es ein "Learning" aus deinen Unfall?

Ja. Ich muss noch konzentrierter sein. Wenn ich über eine längere Zeit monoton dahinfahre, darf ich das System nicht so weit herunterfahren, dass mich eine gefährliche Situation überrascht. Ich muss mehr Feingefühl dafür entwickeln, wo etwas passieren könnte.

Ist es realistisch, dass du bei der Rallye Dakar 2017 um den Sieg mitfahren kannst?

Sicher. Warum nicht...? Ich habe letztes Jahr um den Sieg mitfighten können und habe in der Rehab einiges Neues gelernt – viel Gehirnschmalz-Training, was ich früher nicht gemacht habe. Vom Kopf her bin ich stärker wie im Vorjahr, körperlich bin fitter, nur fahrerisch bin ich ein bissi schlechter. So gesehen bewege ich mich 2017 wahrscheinlich auf einem sehr ähnlichen Gesamtniveau wie 2016.


Sprach's und verschwindet für fast eine Stunde noch einmal in der XBOWL Arena. Somit fehlen nur mehr 198 Praxisstunden...

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