Was bringt die Zukunft des Freestyle-Motocross?

Wir haben Top-Stars der Szene gefragt, was sie sich für die nächsten FMX-Jahre wünschen.
Tom Pagès landet seinen Front Flair © Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool
Von Oliver Schran / Astrid Heinz

Die Red Bull X-Fighters in Madrid läuteten in diesem Jahr eine neue Ära des Freestyle-Motocross ein: Tom Pàges holte sich in der legendären Stier-Arena Las Ventas seinen historischen vierten Sieg in Folge und setzte auch die erste Landung eines Front Flair innerhalb eines Wettbewerbes in den Dirt.

Das neue Eventformat und die Premiere einer mechanischen Rampe verfehlten ihre Wirkung nicht. Nun gibt es aber viele unbeantwortete Fragen, in welche Richtung sich dieser Sport in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Im Video siehst du noch einmal die besten Momente der Red Bull X-Fighters in Madrid.

© Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool


Wir haben Persönlichkeiten aus der Szene zur FMX-Zukunft befragt.

Thomas Pages im Fahrerbereich während der Qualifikation zum fünften Stopp der Red Bull X-Fighters World Tour in Pretoria, Südafrika.
Thomas Pages im Fahrerbereich © Joerg Mitter / Red Bull Content Pool

Der FMX-Innovator

Für Madrid-Gewinner Tom Pagès hängt die Prognose stark von technischen Innovationen und Entwicklungen ab.

„Ich denke die Evolution des FMX wird durch Motorräder und Rampen bestimmt“, so Tom. „Die Fahrer werden sich intensiver mit ihren Maschinen beschäftigen, um noch besser zu performen. Ich glaube auch, dass die Landezonen noch ausbaufähig sind. In Zukunft sehen wir möglicherweise mehr Softlandings in den Bewerben.“

Wenn die Landungen sanfter werden, zum Beispiel durch Airbags, dann können die Fahrer noch höher springen und gewagtere Tricks probieren.

Tom Pagès

„Je größer die Sicherheit bei den Landungen ist, umso mehr Risiko kann man auf sich nehmen. Dann werden vielleicht auch die Rampen höher, wodurch die Fahrer höher springen können. Dadurch wären auch mehr Rotationen möglich. Nach vorne, zur Seite oder als 720er. Ich bin aber froh, dass ich nicht mehr Teil dieser Zukunft sein werde, denn dann wird dieser Sport noch verrückter sein, als er das jetzt schon ist. Wenn ich die Antwort auf Zukunftsfragen hätte, dann hätte ich das aber nicht für mich behalten, sondern alles sofort umgesetzt.“

Martin Koren macht einen Backflip für die Menge © Juan Luis De Heeckeren/Red Bull Content Pool

Der zuverlässige Könner

Martin Koren ist – mit Red Bull X-Fighter-Jams in mehr als 25 Ländern – der „alte“ Hase und das sind seine Gedanken:

„FMX hat zwei Seiten, Unterhaltung und Wettkampf. Und beide haben sich stetig weiterentwickelt. Der Nitro-Circus hat Türen in eine neue Zukunft im Freestyle Motocross geöffnet. Und hier finden wir das höchste Level überhaupt. Man hat sich hier aber vom Sport distanziert und es geht rein um Unterhaltung. Neue Rampen kommen hier zum Einsatz, um immer bessere Tricks zu zeigen. Und die Menge kümmert es nicht, ob ein Fron Flip tadellos ausgeführt ist. Die Menge will nur unterhalten werden und das passt auch so. Da dürfen wir auch in Zukunft noch mehr verrückte Ideen erwarten, um die Hallen zu füllen.“

„Auf der Wettkampf-Seite wollen die Medien wiederum Resultate sehen. Ein Fan will am Ende der Saison einen Champion. Was die Kurse betrifft, darf man dabei nicht die Wurzeln des FMX vergessen, das bedeutet standardisierte Rampen. Natürlich mit Dirtjumps. Das klingt vielleicht langweilig, aber das ist der Grundgedanke, der auch die Olympischen Spiele in ihrer Form bewahrt hat.“

Über das Bewertungssystem bei allen Events kann man streiten. Das muss definitiv verändert werden, damit die Resultate klarer werden für Fahrer und Fans.

Martin Koren

„Die neuen Intel-Prozessoren, die bei den Red Bull X-Fighters in Madrid erstmals getestet wurden, könnten der Schlüssel sein für eine neue Bewertung.“

Red Bull X-Fighters-Champ Clinton Moore © Jörg Mitter/Red Bull Content Pool

Der Welttour-Champion

Jumps werden größer und die Tricks komplexer, sagt Champion Clinton Moore. Innovationen wie Mogelrampen und schwer modifizierte Bikes werden die Skills der besten Fahrer untergraben.

„Wir werden mehr Erfindungen sehen wie den Foot Hook oder den Flip Lever. Die Bikes werden für bestimmte Tricks immer mehr modifiziert und auch immer leichter. Ich glaube auch, dass der Sport immer riskanter wird mit den ‚Do or Die’-Tricks die jedes Jahr neu gelandet werden. Vielleicht braucht es Turnmatten, um das Risiko zu minimieren.“

FMX hat ein großes Potential, um noch besser zu werden. Dafür müssen Fahrer und Organisatoren den Sport aber in die richtige Richtung lenken.

Clinton Moore

„Und wer weiß, so wie sich die Technologien entwickeln, gibt es bald vielleicht auch Fahrer auf Elektro-Motocrossbikes.“

Sebastian Wolter in seiner Garage © bustywolter.com

Der Ex-Pro und Medien-Macher

Früher war Busty Wolter u.a. bei den Red Bull Romaniacs aktiv unterwegs, heute ist er Chefredakteur beim Dirtbiker Magazin. Er ist der Meinung, dass es im FMX noch viel Platz nach oben gibt.

„Die Zukunft wird aufregend. Ich bin Teil der Szene seit es sie gibt und die Leute haben sich immer gefragt, ob der Zenit nicht schon erreicht ist und was wohl als nächstes kommen kann. Aber wie bei allen Action-Sportarten gibt es auch hier kreative Köpfe und Fahrer, die willens sind, hart zu arbeiten, um ihre Visionen wahr zu machen.“

„Zuerst gab es den Backflip. Dann die Backflip-Combos, Bodyvarials und Leute wie Tom Pagès haben dann Quarterpipe-Ramp-Tricks ins Leben gerufen. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie die Zukunft ausschaut, so weiß ich, dass es Fahrer gibt, die den Sport weiterentwickeln werden.“

„Heutzutage ist der Grad, auf dem sich die Fahrer bewegen, schon sehr schmal. Die Gefahr wird immer größer, die Technik der Tricks wird immer ausgefeilter und der Fortschritt hat sich deshalb vielleicht verlangsamt. Aber derzeit haben wir das höchste Level aller Zeiten.“

In der Mogelrampen-Diskussion hab ich eine klare Meinung: Ich mag sie nicht und ich hoffe, dass wir sie niemals in Bewerben zu sehen bekommen.

Busty Wolter

„Von allen Fahrer, die ihr Glück mit dem Frontflip probiert haben, hat es nur einer wirklich geschafft, nämlich Jacko Strong. Jetzt bringst du eine mechanische Rampe ins Spiel und plötzlich schaut es so aus, als könnte das jeder und sogar noch große Combos. Ich möchte, dass die Fähigkeiten und die Kreativität der Fahrer einen Wettkampf entscheiden und nicht ein kluger Ramp-Ingenieur.“

„Neue Rampen, die neue Tricks ermöglichen, sind für mich okay. Aber um sie in Bewerben zu verwenden, müssen sie auch für alle Fahrer zugänglich sein. Diese Rampen sollten aber auch keine mechanischen Elemente haben.“

Brian McCarty auf dem Pala Quarter © schran.net

Der Selbermacher

Brian McCarty nennt sich selbst einen Budget-FMXer und er repräsentiert eine Gruppe, die sich #NoNamers nennt. Seine Wurzeln liegen im MX-Racing und er ist bereit fürs nächste Level – und zwar ohne Sponsoren.

„Alles wird immer größer und größer auf einem riesigen Level. In den letzten fünf Jahren haben wir Bodyvarials und andere ganz neue Sachen gesehen. Die Entwicklung ist konstant, aber auch das Risiko nimmt zu.“

„Es gibt immer noch genug Neues, das man mit dem Bike machen kann und Rampen, die das ermöglichen. Ich denke, dass FMX dieselbe Entwicklung machen wird wie BMX. Du hast drei Typen von Fahrern: Die Techniker, die Big-Flow-Fahrer und die Trick-Fahrer, die überall hoch hinaus fliegen. Ich selbst sehe mich zwischen Big-Flow und Tricks. Beides liegt mir und so fahre ich. Ich arbeite gerade noch ein paar Dingen, um mich zukunftsfit zu machen.“

Matt McCall, Danny Way und Brian McCarty © schran.net

Der spezialisierte Rampen-Bauer

Mate McCall von Trick Factory Ramps hat die meisten der Rampen gebaut, die es bei großen Events zu sehen gibt und war in fast alle großen Projekte der letzten zwei Jahrzehnte involviert. Er weiß, wovon er spricht.

„Ich habe jede Menge Rampen in normaler Größe gebaut, einige seltsame, experimentelle und sogar ein paar einmalige. Zuletzt sind die mechanischen Rampen, die Frontflips einfacher machen, dazugekommen und die Frage nach der Zukunft ist schwierig. Fokusieren wir auf die mechanischen Rampen und was sie mit sich bringen. Events, bei denen sie zum Einsatz kommen, sind für mich Showevents. Ein Track mit klassischen Rampen und ohne mechanische Elemente ist für mich ein echter Bewerb.“

Auch wenn es seltsam klingt, wenn ein Rampenbauer das sagt. Mein Herz gehört dem Freeriding und der Idee, Tricks in den Bergen oder der Wüste auf ein neues Level zu bringen.

Matt McCall

„Ich mag die Show und wie die Fahrer mit ihren fast einstudierten Moves die Menge unterhalten. Aber ich würde die Entwicklung gerne dort sehen, wo dieser Sport eigentlich seine Wurzeln hat. Manche würden es große Stunts nennen, andere Freeriding, aber wie auch immer … Ich würde die Fahrer gerne mehr in ihrem natürlichen Element sehen.“

„Ich möchte sie da draußen sehen, wie sie sich selbst antreiben, Spaß mit ihren Freunden haben und ihren Sport auf ein neues Level heben. Das würde ich mir für die Zukunft wünschen.“

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