"Man denkt unwillkürlich an depperte Steine"

Matthias Walkner im Interview nach der Atacama Rally (Chile) – ein Rückblick mit Ausblick
Von Eugen Waidhofer

Aus dem Jubel ist harte Arbeit geworden. Zuerst hat Matthias Walkner in Chile sein Comeback bei der Rallye Raid-Weltmeisterschaft gefeiert – dann hat er viele Hausübungen aus der Atacama Wüste mit nach Österreich genommen.

"Der Rückstand war zu groß", so die überraschend nachdenkliche Bilanz des KTM-Piloten. Jetzt, knapp eine Woche später zurück in Österreich, wirkt der Hiasi wie runderneuert: Sein Training hat er umgestellt und sein nächstes großes Ziel hat er klar vor Augen – ein Podiumsplatz bei der Rallye Dakar.
 

Deine Stimmung bei der Atacama Rallye schwankte – aus der Ferne betrachtet – zwischen Euphorie und Unsicherheit. Was ist dir beim Comeback wirklich durch den Kopf gegangen?

Dass das Tempo gewaltig hoch ist. Es war immer eine Gratwanderung, wie viel Risiko ich nehmen will. Ich habe gemerkt, dass ich bei manchen Gefahrenstellen bewusst zurückhaltender gefahren bin. Und ich bin draufgekommen, dass mir die Schnellkraft in den Beinen fehlt. Ich habe immer gedacht, dass ich diese Leistung nicht wirklich brauche. Aber das ist nicht so, denn bei einer Rallye muss du immer bereit sein, extrem spontan zu reagieren. Beim Motocross hingegen weißt du eigentlich jede Runde, was auf dich zukommt.

Wie war dein Vertrauen in das Bike?

Das hat eigentlich gepasst. Aber an zwei Tagen sind wir einen Durchschnitt von rund 130 km/h gefahren – da ist mir schon ein bisschen die Dose gegangen.

Du hast nach der Rallye gesagt: Der Rückstand ist zu groß. Wie lässt sich das erklären?

Wenn es perfekt läuft, dann hast du das Gefühl, du bist unkaputtbar. Toby Price fährt derzeit auf dieser Welle. Ich habe diesmal an 2 Stellen gebremst, wo ich im Vorjahr vermutlich nicht vom Gas gegangen wäre. Man denkt unwillkürlich an Tiere oder depperte Steine, die unbeeinflussbar im Weg stehen oder liegen – und das wirkt sich natürlich auf die Zeit aus.

Was waren die positiven Erfahrungswerte?

Ich habe zumindest über Teilstrecken schon mit der Spitze mithalten können, z.B. rund 100 Kilometer weit mit Pablo Quintanilla.

Was hat besser zu dir gepasst: Die schnellen oder die technischen Passagen?

Unbedingt die schnellen Passagen – dort habe ich wegen meines gesunden Respekts zwar mehr Zeit verloren, aber es auch mehr Spaß gemacht. Bei den technischen Stellen musste ich immer wieder den Fuß runterstellen zum Korrigieren und da bin ich noch nicht flink genug. Das hat mir weniger getaugt.

Was war die wichtigste Erkenntnis bei den team-internen Analysen?

Ich habe keinen Scheiß gebaut und bin gesund geblieben.

Du hast während des Rennen dein Setup geändert? Was genau hast du umgestellt?

Wir haben die Federgabel getestet. Die anderen Fahrer hatten positive Wüsten-Erfahrungen mit der weichen Einstellung, aber bei mir hat das überhaupt nicht funktioniert. Zuerst habe ich noch geglaubt, es liegt an mir, aber am zweiten Tag, während einer alten Rallye Dakar-Passage, war klar: Das geht gar nicht. Wir haben die Federgabel dann wieder deutlich härter gestellt.

Es gibt also keine Geheimnisse unter den KTM-Fahrern, wenn es um das Setup geht?

Wenn einer Geheimnisse hätte, wäre ich das – weil ich mir über das Setup viel mehr Gedanken mache wie die anderen. Mir taugt das Tüfteln und es kann der entscheidende Vorteil sein, wenn alle gleich gut fahren.

Hast du dein Training nach den Erfahrungen in Chile umgestellt?

Ja. Ich fahre jetzt eigentlich nur mehr mit dem Rallye-Motorrad – auch auf den Motocross-Strecken. Ich trainiere natürlich mehr Schnellkraft und mein Latissimus braucht auch besondere Zuwendung.

Wenn du eine Woche nach der Rallye Bilanz ziehst: Was ist dein nächstes großes Ziel?

Längerfristig ist es natürlich die Rallye Dakar – durchkommen und aufs Podium fahren. Kurzfristig ist es die Rallye in Marokko Anfang Oktober. Dort will ich, dass sich das Fahren zumindest an 1 oder 2 Tagen so anfühlt wie vor einem Jahr...

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