Lo & Leduc kommentieren “Ingwer & Ewig”

Was denken Lo & Leduc über ihr neues Album? Was steckt hinter den einzelnen Songs? Hier erzählen sie
Lo & Leduc
Lo & Leduc
Von Ugur Gültekin

Track 1: Karussell

“ Wüu es drääit nur im Kreis, da chasch no so mängisch ds Rössli wächsle. Aber o ds Nächschte bringt di nid ufe, es drääit nume wyter äne ”

 

Der Beat ist wahrscheinlich nicht unbedingt einer, den man gleich mit uns verbinden würde. Wir haben ihn vor einem Jahr das erste Mal gehört und wussten: Da wollen wir was daraus machen. Inhaltlich dreht sich der Song um die Metapher des Karussels, das hier für die Illusion der Karriereleiter steht.

Track 2: Mis Huus Dis Huus

 

“Mis Härz isch es Hotel Mis Huus dis Huus o we mir üs sit Jahre nid ghört hei Mis Huus dis Huus”

Es gibt ja bekanntlich ganz viele Liebeslieder, die sich auf die romantische Liebe eines Paares beziehen. Was es hingegen viel weniger gibt, sind Lieder über die Freundschaft. In diesem Lied besingen wir genau diese. Oder wie es Voltaire einmal singemäss gesagt hat: “Am Ende bleibt nur die Freundschaft.”

Track 3: Für Ingwer und Ewig

“Es Würfeli Blybwidebisch Und es paar zupfti Blettli Machallesangers“

 

Wir wollten für diesen Text eigentlich Wörtschöpfungen finden, die eine bestimmte Gefühlslage treffender beschreiben. Schlussendlich haben wir uns aber dazu entschieden, Emotionen und Verhaltensweisen mit Wörtern zu verknüpfen, die sonst in Verbindung mit Zutaten gebraucht werden. Darum sagen wir zum Bespiel nicht “ich bin traurig”, sondern “eine Hand voll traurig” und versuchen diese zwei Welten stimmig zu kombinieren und kommen auf “geraspelte Eifersucht”.

Track 4: Vampir

“U nur a dene drüü Täg im Februar chunnt är unger d Lüt Nimmt ds volle Rotwyglas scho mit u tuet, als wäri nüt.”

 

Die Szenerie dieses Liedes ist der Karneval. In der Fasnacht steckt ja eine gewisse Tragik: An diesen Tagen lassen sich die Menschen richtig gehen. Vielleicht auch damit sie während den restlichen Tagen des Jahres nicht aufmüpfig, nicht unangenehm und nicht subversiv sind.

Track 5: Henker

“ Bern, du bisch mi Henker U glich hang i a dir“

 

Hier geht es um unsere ambivalente Beziehung zu unserer Heimatstadt Bern. Diese Beziehung ist einerseits unfassbar vertraut, aber andererseits auch sehr beengend. Die Figur des Henkers dient als Metapher um dieser Ambivalenz ein Gesicht zu geben.

Track 6: Liber

“ öpper mues immer dra gloube Wosch gar nid wüsse wie”

 

Dieses Lied versucht die Verbindungen und die Parallelen zwischen Geld und Religion aufzuzeigen. Diese beiden Systeme haben unserer Meinung nach Ähnlichkeiten, die im ersten Augenblick nicht so ganz offensichtlich sind.

Track 7: Damevelo

“ Mys Härz nid Teflon Im Läbe ke Chefchoch I ha so viu bbrämset, es schmöckt verbrönnt.”

 

Damevelo sollte eigentlich eine Ballade sein. In einer ersten Version waren Form und Inhalt sehr nahe beieinander. Erst später haben wir uns dazu entschieden, einen Kontrast zu schaffen, indem wir uns für einen eher fröhlichen Klangteppich entschieden haben.

Track 8: Versorget

“ Sie folgt kem Gspräch me, folgt nur no dere Melodie”

 

Dieser Text behandelt eine Krankheit: Demenz. Die Schwierigkeit dabei war es, den Text so zu schreiben, dass immer klar bleibt, dass es nur eine Aussenwahrnehmung eben dieser Krankheit ist.

Track 9: Walter

“i weiss nid, was dir vo mir weit I ha scho denn müesse dr Gring häreha, bi dere Sach mit däm Öpfel”

 

An diesem Lied haben wir richtig lange gefeilt. Es geht um die Instrumentalisierung von Figuren, Bildern, Wörtern und Sachverhalten. Und auch um die Frage, wie ebendiese reagieren würden, wenn sie könnten.

Track 10: Mond

“schön, dass du alles überluegsch, o wenn di alli überluege”

 

Der Refrain für diesen Song entstand vor 5-6 Jahren, als wir in Bern in einer Nacht zusammen draussen unterwegs waren. Wir hatten ihn nirgends aufgeschrieben und schon längst vergessen. Als wir dann den Beat gehört haben, kam er wie aus dem Nichts wieder hoch und daraus entstand dieses Lied.

Track 11: Erfunde

“ Chumm, mir machen üs e Dechi us dene Wörter u decke der Abgrund dermit zue”

 

Wir wussten schon bei der Produktion, dass dieser Song der letzte auf dem Album sein wird. Er passt musikalisch perfekt als Schlusspunkt, aber auch inhaltlich war es uns wichtig, mit diesem Song aufzuhören, der sich darum dreht, dass Sprache der Grundbaustein der Gesellschaft ist und wir ins Bodenlose fallen würden, wenn wir nicht alle Dinge benennen könnten..

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