Lawinenkunde 5/9: die richtige Tourenplanung

Gute Tourenplanung minimiert das Risiko eines Lawinenabgangs. Hier sind ein paar nützliche Tipps!
Red Bull Ultra Natural 2013 - Nelson Bryan Fox
Red Bull Ultra Natural 2013 - Nelson © Christian Pondella/Red Bull Content Pool
Von Andi Spies

Ein Tag im Backcountry verspricht viel Spass und Freude inmitten der Natur. Dennoch ist er auch mit gewissen Gefahren verbunden. Vor allem in steilem Gelände steigt das Lawinenrisiko. Um die eigene Sicherheit zu erhöhen, musst du vor der Tour einige Vorkehrungen treffen und wichtige Informationen und Hinweise beachten. Eine genaue Tourenplanung unter Berücksichtigung des Zeitpunktes, des Geländes sowie allgemeiner Standards und Limits ist die Grundvoraussetzung für einen ungetrübten Tag in den Bergen.

Die wichtigsten Punkte der Tourenplanung

Deinen Hike in den Backcountry solltest du ein oder mehrere Tage im Voraus planen und organisieren. Die Zeit ist gut investiert, denn mit einer gründlichen Planung lässt sich das Risiko erheblich reduzieren. Wichtige Hinweise liefern topografische Karten im Massstab 1:25.000 sowie Gebiets- oder Auswahlführer. Auch Mitarbeiter in Bergführerbüros oder Hüttenwirte können hilfreiche Tipps geben.

  • Tourenziel festlegen!
  • Gelände beurteilen: hierfür sind Hangneigung, -form und -exposition ausschlaggebend!
  • Checkpunkte von möglichen kritischen Stellen auf der Karte festlegen und diese auch während der Tour immer wieder kontrollieren und beachten!
  • Zeitplan aufstellen: Uhrzeiten für Start und Rückkehr festlegen, Zeitaufwand für Aufstieg und Abfahrt inklusive Pausen realistisch kalkulieren. In einer Gruppe bestimmt immer der Langsamste das Tempo!
  • Lawinenlagebericht lesen, auswerten und in die Tourenplanung mit einbeziehen: welche Gefahrenstufe herrscht? Wie ist der Schneedeckenaufbau beschrieben? Welche Gefahrenstellen werden benannt?
  • Vor dem Tourentag genauen Wetterbericht einholen und Angaben zu Wind, Niederschlag und Temperatur beachten!
  • Festlegen, wen man über die geplante Tour, die Teilnehmer, das Ziel und die späteste Rückkehrzeit informiert. Geht etwas schief, kommt es so schneller zu einer Vermisstenmeldung!

Nach diesen Vorbereitungen daheim bist du schon mal gut auf die bevorstehende Tour vorbereitet. Am Tourentag selbst solltest du vor dem Start ins Gelände folgende Checkliste abarbeiten:

  • Den tagesaktuellen Lawinenlagebericht überprüfen: z.B. online oder per Telefon. Dann die aktuellen Gefahrenstellen gut einprägen.
  • Zeitplan der Tour nochmals überprüfen und ggf. an die aktuellen Verhältnisse anpassen.
  • Funktionstest aller LVS-Geräte machen: Einer stellt auf „empfangen“, im Abstand von 15 Metern gehen alle anderen mit angelegtem LVS an ihm vorbei. Achtung: Das LVS wird immer unter der Jacke möglichst nah am Köper getragen. Am Schluss auch das LVS des „Testers“ auf gleiche Weise checken!
  • Ausrüstungskontrolle: Haben alle ausser dem LVS auch Sonde, Schaufel und Erste-Hilfe-Pack dabei? Hat jeder ausreichend Getränke und Verpflegung dabei?
  • Bei mehreren Tourenteilnehmern müssen alle über die geplante Route und ihre Besonderheiten informiert werden. Jeder sollte auf die Gefahren, die entsprechende Risikovermeidung und das korrekte Verhalten am Berg hingewiesen werden.

Jetzt kann es also losgehen. Denk aber dran: Im Backcountry bist du dein eigener Risikomanager und entscheidest selbstständig und eigenverantwortlich. Es ist wichtig gewisse Standards und Limits weinzuhalten. Deine eigenen Beobachtungen sind deshalb zur Vermeidung von Lawinenunfällen enorm wichtig:

  • Schneeoberfläche beachten: Gibt es Wächten, Windgageln oder Triebschnee?
  • Alarmzeichen beachten: frische Triebschneeabgänge, „Wum“-Geräusche, Risse in der Schneedecke? – alles Anzeichen für höchste Gefahr!
  • Hangneigung und Obergrenzen je nach Gefahrenstufe beachten: Gefahrenstufe 3 = kein Hänge über 35° befahren
    Gefahrenstufe 4 = keine Hänge über 30° befahren
    Gefahrenstufe 5 = auf der Piste oder gleich daheim bleiben
  • Schneedecke entlasten um Lawinen zu vermeiden:
    Beim Aufsteigen: ab 30° Hangneigung Abstände von 15 m
    Beim Abfahren: ab 30° Abstände von 50 m, ab 35° einzeln abfahren

Nützliche Tools für unterwegs:

Es gibt eine Reihe von Checklisten und nützlichen Tools die in jeden Rucksack oder sogar in den Geldbeutel passen und die wichtigsten Punkte zum Lawinen-Risikomanagement in kleinem praktischem Format bereitstellen. Gerade für Touren-Neulinge sind diese Hilfsmittel sehr zu empfehlen:

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