5 Gründe, warum Snowboarder wieder carven

Sich die Kante zu geben, liegt voll im Trend
Snowboarder carven wieder © Naoyuki Shibata/Red Bull Content Pool
Von Philipp Ernst via Duckstance.com

1. Neuer alter Lifestyle

Noch nicht so lange ist’s her, da wurden Carver mit Hardboots, langen Bärten und Türkis-Neonjacke öffentlich ausgebuht, mit Eiern beworfen und auf Dorfplätzen erhängt. Heute sind sie die auferstandenen Helden. Niemand ist realer, niemand ist gelassener, niemand versteht das Handwerk «Snowboarden» besser als sie.

Carven erfasst das Snowboarden in seiner Essenz und streicht hervor, was zu Beginn eines jeden Snowboarders für die ersten Glücksgefühle sorgte: der Turn. Neben dem Powder sind Turns nun auch wieder auf der Piste in. Sie lassen das Shredden in der Gang neu aufblühen, erinnern ans Surfen und ermöglichen die Liebe zum Detail, die für Style-Sympathisanten so wichtig ist. Craig Kelly, Jake Burton, Terje und Tom Sims haben zu Beginn ihrer Tage übrigens ausschliesslich gecarvt. Ohne Kanten versteht sich.

2. Renaissance des Banked Slaloms

Kein Snowboard-Contest ist derzeit mehr «Back to the Roots» als der Banked Slalom. Laax hat ihn, Les Crosets hat ihn, ja sogar Melchsee-Frutt und Stoos haben ihn. Gemeinsam flitzt man um die Stangen als hätte man nie was anderes gemacht. Mutter aller Banked Slaloms ist jener des Mt. Baker. 1985 das erste Mal ausgetragen ist er im Vergleich zu den anderen keine Trenderscheinung, sondern seit mehr als 30 Jahren von der Kunst des Carvens überzeugt. Dieses Jahr waren u.a. wieder Altmeister wie Mike Basich, Tom Burt, Jamie Lynn oder Terje vor Ort.

Was einen Banked Slalom Event ausmacht? Der Wettbewerb steht nicht im Vordergrund, sondern das Zusammenkommen von jung und alt, das gemeinsame Grillen, die Bierkultur, der leuchtende Overall und die Bindungswinkel.

3. Take this, Quadruple!

Carven ist natürlich auch eine Gegenbewegung. So eindrücklich die technische Entwicklung im Contest-Snowboarden derzeit auch ist, nicht alle goutieren das Purzelbaum-Massaker. Das komplette Gegenteil davon ist nicht etwa der Backside Air, sondern der Turn. Und je mehr man ihn zelebriert, desto stärker ist das Zeichen gegen den Quadruple Cork. Keine Frage: Carven ist nicht nur Spass, sondern auch Statement.

Diese Boardshapes verleiten zu Carving-Sucht © Duckstance.com

4. Verführerische Boardshapes

Der Carving-Trend wird aber auch von den Snowboard-Herstellern unterstützt, wenn nicht sogar provoziert. Ob das Nitro «Quiver Mountain», das Burton «CK Nug», das K2 «Carve Air» beziehungsweise das K2 «Cool Bean» (Testbericht von TLF) oder alle Boards von Korua – sie verführen mit ihren exotischen Shapes zu hemmungslosen Carving-Orgien auf der Piste. Mit kurzen Tails und langen Noses soll das perfekte Board- und Surfgefühl ermöglicht werden. Rückwärtsfahren? Wozu?!

K2 geht sogar so weit, dem durch das Surfen und Skateboarden inspirierte Riding einen eigenen Namen zu widmen: «Down Chill». Für einmal kommt der Trend nicht aus Amerika, sondern aus Japan und blüht nun auch in Europa auf. Eventuell geht der Wunsch von Markus Keller nach einem Snowpark voller Banks in der Schweiz, wie man ihn aus Hakuba kennt, irgendwann ja doch noch in Erfüllung.

Der Allround Snowboarder, Carving-Fetischist und Korua-Ambassador Nicholas Wolken empfiehlt fürs Carven breite Boards zu verwenden, nicht nur wegen des Auftriebs, sondern auch damit die Zehen nicht den Boden berühren. Zudem carvt er vorne und hinten mit steilen, positiven Bindungswinkeln, weil er dann seinen Oberkörper flexibler einsetzen kann.

5. Du willst in die Halfpipe? Kannst du denn carven?

Carven kann doch jeder, mögen jetzt einige denken. Bullshit! Die Trainer in den Freestyle Snowboardverbänden sehen sogar dort die Voraussetzungen für Halfpipe-Talent und fordern deshalb ihre Schützlinge immer wieder zum Carven auf. Bevor’s in die Pipe geht, wird zuerst einmal geschaut, ob der Jungspund ordentlich kurven kann. Gleicht die Körperhaltung auf der Piste bereits jener einer buckligen Oma, muss die Transition gar nicht erst in Angriff genommen werden. Und sollte es dann doch soweit kommen, muss er zunächst beweisen, dass er die Pipe surfen, also carven kann. Erst dann können erste Backside Airs geübt werden. Transition-Weltmeister sind auch Carving-Weltmeister und übrigens nicht selten auch im Powder flinke Hasen. Fragt Christian Haller, fragt Nicolas Müller, fragt Terje!

Der vielleicht beste Carver der Welt: Terje. © Christian Pondella/Red Bull Content Pool
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