5 Gründe, weshalb du diesen Winter Powsurfen wirst

Wer braucht schon eine Bindung?!
Salee-Gründer Lee Gautschi auf dem Titlis.
Salee-Gründer Lee Gautschi auf dem Titlis. © Adrian Niederberger
Von Philipp Ernst via Duckstance.com

51 Jahre ist es her, als Shermann Poppens Töchter an Weihnachten auf einem verlassenen Hügel in Michigan Schlitten fuhren und ihr Vater ihnen was Neues bieten wollte. Er nahm ein paar Ski, band sie zu einem dicken Ski zusammen, befestigte an der Nose eine Schnur und sagte ihnen: «Von jetzt an stehend! Festhalten und Steuern könnt ihr mit Hilfe der Schnur.» Der Snurfer war geboren. Und er funktionierte. Bereits ein Jahr später konnte man ihn in den Läden der Skiresorts kaufen. Weitere zehn Jahre später gesellten sich Shape-Pioniere wie Jake Burton oder Tom Sims hinzu und ersetzten die Schnur durch Bindungen – der Rest ist Snowboardgeschichte.

Heute gibt’s eine Gruppe Snowboarder, die sich nach dem Ursprungsgefühl ihrer Leidenschaft zurücksehnt: Die Powsurfer. Als Shermann Poppen die Idee für den Snurfer kam, wollte er vor allem eines: Das Surfen und das Skateboarden in den Schnee holen. Genau das ist auch Ziel der Powsurfer, egal ob Jeremy Jensen von Grassroots in Utah, Wolle Nyvelt von Äsmo im Zillertal oder Lee Gautschi von Salee in Hoch-Ybrig.

Sie alle arbeiten hart am perfekten Powsurfboard-Shape, der dir vor allem abseits der Piste neue Glücksgefühle bescheren soll. Höchste Eisenbahn also, hier fünf Gründe aufzulisten, weshalb auch du diesen Winter vom Powsurfen erfasst wirst.

Salee-Teamrider Adrian Niederberger testet die Lips der Frutt.
Salee-Teamrider Adrian Niederberger © Lee Gautschi

1. Back to Freiheitsgefühl!

«Powsurfing makes the hills more fun again» 

Terje Haakonsen, Pro-Snowboarder

… Und wenns Terje sagt, muss was dran sein. Trumpsche Ausdrucksweise hin oder her. Das Wichtigste zuerst: Die Bindungen sind weg. Zwar hast du nun eine Schnur, die ist aber am Fuss befestigt. Wie eine Leash am Surfboard also. Was das heisst? Zunächst fühlst du dich wie ein Käfer auf dem Rücken. Wenn du dann aber den Kopf nicht gleich in den Schnee steckst, ist das gelöste Fahren bald so natürlich wie nacktschwimmen. Die Turns werden noch intensiver, der Kontakt zum Schnee noch direkter und das Schwebegefühl noch feiner. Durchhalten!

2. Die neue Herausforderung

Hast du das Nacktschwimm-Stadium erreicht, öffnet sich der Berg als komplett neuer Spielplatz.

«Du siehst den Hang mit neuen Augen. Pillows, Drops und Windlips, die mit dem Snowboard keine Beachtung bekommen haben, werden zur neuen Herausforderung.»

Adrian Niederberger, Salee-Teamrider

Powsurfen ist im Vergleich zum Snowboarden einiges schwieriger. Das hat auch seine Vorteile. Es braucht viel weniger und du bist gefordert. Die Sprünge müssen nicht mehr dreissig Meter weit sein, die Felsen keine zehn Meter hoch, die Hänge nicht mehr 60 Grad steil und statt Couloirs reichen auch ein paar Bäume für die Kribbelparty im Bauch. Allein Kurven ohne das Powsurfboard unter den Füssen zu verlieren, ist Kunst genug. Und sollte dich das zu schnell langweilen, warten zig Möglichkeiten, um sich im eigenen Dorf zu verewigen.

Salee-Teamrider Adrian Niederberger.
Salee-Teamrider Adrian Niederberger. © Lee Gautschi

3. Endlich wieder Pionier!

Powsurfing ist zwar keine neue Sportart, sie ist aber nach wie vor unpopulär genug, um ihre Möglichkeiten als unerforscht zu bezeichnen. Kurz: Es warten tausend Tricks auf ihre Entdeckung beziehungsweise Erstausführung. Sei der erste, der einen Backflip übers Pillow stompt, der one-foot sprayt oder entwickle ganz einfach deinen eigenen Signature-Trick. Während im Snowboarden die Scripts zu Triplecorks in alle Himmelsrichtungen bereits archiviert sind, muss die Trickgeschichte im Powsurfing erst noch geschrieben werden. Inspiration gefällig? Was mit losen Brettern alles angestellt werden kann, siehst du bei den zwei Sportarten, aus denen heraus Powsurfing entstanden ist: beim Surfen und beim Skateboarden. Jeremy Jensen, Gründer von Grassroots und einer der besten Powsurfern der Welt, zeigt, wie’s aussehen könnte:

4. Boardshapes zum Verlieben

Ein weiterer Grund, sich dem Powsurfen hinzugeben, sind die verschiedenen Boardshapes, die’s inzwischen zu kaufen gibt. Klar ist: Ein Powsurfboard ist heute weit mehr als nur ein Stück Holz mit einer Schnur dran. Im Gegenteil: Das Fehlen einer Bindung hat gar zur Folge, dass der Shape des Boards noch wichtiger ist.

Salee bietet ganze 13 verschiedene Shapes an, bei Grassroots sind es sogar noch mehr. Von Twin Shapes, über Directionals bis hin zu Deep Powder Boards ist alles zu haben. Mal ist der Schwanz ein Fish (für mehr Kontrolle), mal ein Kicktail (für ein loses Fahrgefühl). Was zu dir passt, ist abhängig von deinem Niveau und deinen Vorlieben. Lass dich also beraten! Das Gute an Sportarten, die den Mainstream noch nicht erreicht haben, ist, dass du direkt in Kontakt mit den Herstellern treten kannst. Der gelernte Schreiner Lee Gautschi von Salee beispielsweise shapet seine Boards höchstpersönlich und könnte über jeden einzelnen Shape ein Buch schreiben. Dieses Know-how solltest du nutzen. Sein Teamrider Adrian Niederberger rät beim Kauf des ersten Powsurfboards darauf zu achten, dass die Breite des Boards auf deine Schuhgrösse abgestimmt ist. So kriegst du auch bei schwierigen Verhältnissen genug Druck auf die Kante.

In der heimeligen Salee-Werkstatt.
In der heimeligen Salee-Werkstatt. © Adrian Niederberger

5. Zurück zur Unabhängigkeit

«It just makes everything more challenging and with a greater challenge there’s a greater reward.»

Jeremy Jensen, Grassroots Gründer

Zwar bewegen sich die Preise der Powsurfboards ungefähr in jenen Sphären der Snowboards. Ist das Brett aber einmal finanziert, kann’s mit dem Powsurfen wesentlich schneller losgehen. Die reduzierte und günstige Ausrüstung ist das eine. Die Herausforderungen, die das Powsurfen bietet das andere. Für einmal kann die Tageskarte mit gutem Gewissen am Schalter bleiben, zumindest im Anfängerstadium wird mit dem Powsurfboard nämlich gehiket. Um sich an das lose Fahrgefühl zu gewöhnen, brauchst du zudem zunächst weder viel Schnee noch eine grosse Hangneigung. Und siehe da, plötzlich hat auch der Dorfhügel wieder seinen Reiz. Das ist befreiend, nicht nur fürs Portemonnaie, sondern auch für den eigenen Unabhängigkeitsdrang. Die Spontaneität, die beim Snowboarden ab und zu auf der Strecke bleibt und beim Surfen und Skaten so elementar ist, kehrt mit dem Powsurfen wieder zurück. Auf was also wartest du?

Salee-Teamrider Adrian Niederberger beim Duschen.
Salee-Teamrider Adrian Niederberger beim Duschen. © Lee Gautschi
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