Christian Schiester Red Bull

Nach 250 Kilometern, zurückgelegt in über 35 Stunden, war für den heimischen Extremläufer Christian Schiester am 4. April das Abenteuer in der chilenischen Wüste zu Ende. Rechtzeitig zum Osterwochenende ist der Steirer zu seiner Familie in Mautern zurückgekehrt. 

An den Feiertagen hat Christian Schiester nicht nur mit seinen zwei Söhnen den Garten nach Osternestern durchstöbert, sondern auch Bilanz über sein Wüstenabenteuer beim Atacama Crossing in Chile gezogen. "Es war hart, wirklich hart", denkt Schiester auf seiner Terrasse im bereits grünen Mautern an die unwirtlichen Bedingungen in der Atacama zurück. 250 Kilometer ist er in sechs Tagesetappen durch die höchstgelegene Wüste der Welt gelaufen. "Auf bis zu 3.200 Metern Seehöhe waren wir unterwegs, das merkt man speziell am Anfang extrem. Es ist wie Laufen mit Socken im Mund, mit zwanzig Pulsschlägen mehr als normal. Hinzu kommen noch die enormen Temperaturschwankungen, die den Organismus zusätzlich auf Trab halten. Am Tag kommst du dir bei 40°C vor wie im Backofen, in der Nacht fallen die Temperaturen unter den Nullpunkt." Die gesamte Ausrüstung musste von den Teilnehmern selbst mitgetragen werden, nur Wasser und Zelte wurden vom Veranstalter gestellt.

Die Rahmenbedingungen allein machen schon Lust auf weniger, umso schmerzhafter klingt die sportliche Herausforderung des Ultralaufes. "Im Grunde ist es schnell erklärt: Du läufst einen Marathon. Nur ist es doppelt so heiß wie sonst. Und nicht auf Asphalt, sondern auf brüchiger Erde, tiefem Sand, messerscharfen Salzkrusten und brennheißem Geröll. Die UV-Einstrahlung ist enorm, der Sauerstoffgehalt gering. Die Lungen brennen ebenso wie der krebsrote Sonnenbrand auf der Haut und die beleidigten Fußsohlen. Der Rucksack zieht dich zu Boden wie ein Stein im Wasser. Nach Kilometer eins hast du dich bereits das erste Mal gefragt, warum du dir das überhaupt antust. Die Freude im Ziel ist nur von kurzer Dauer, denn du weißt: Fünf weitere Etappen warten."

Schiesters Schilderungen klingen wenig reizvoll. Doch trotz aller Strapazen überwiegen für den Steirer die positiven Seiten: "Ich habe mich am zweiten Tag verlaufen, musste zwanzig Kilometer umsonst und ohne Wasser zurücklegen. Ich war dehydriert, erschöpft und entmutigt. Meine Nieren haben rebelliert, meine Muskeln gezittert, meine Beine kapituliert. Ich hatte Wahrnehmungsstörungen und war mental am Ende. Alles in mir schrie "Aufgeben!", doch ich habe weitergekämpft, die vierte Etappe gewonnen, eine Aufholjagd gestartet und am Ende den sechsten Rang belegt. Das war eine sehr wichtige Erfahrung. Ich war so tief am Boden wie noch nie. Da spürst du alle Schmerzen gleich dreimal so intensiv. Am Ende habe ich mir selbst und der Wüste getrotzt und bin als Mensch gewachsen."

Außerdem hat der Extremläufer in Sachen Ausrüstung und Technik vieles dazugelernt: "Ich bewege mich zu kraftbetont, vor allem auf weiten Ebenen und hartem Untergrund fehlt es an Effektivität. Ob es mir lieb ist oder nicht, ich werde wohl wieder mehr auf der Straße trainieren müssen. Außerdem gibt es wieder einiges zu tüfteln, denn meine Spezialnahrung ist noch viel zu schwer und der Rucksack noch nicht optimal. Ich habe da schon einige Ideen." Teilweise musste der Steirer über elf Kilogramm am Rücken herumtragen, mit dabei die gesamte Ausrüstung, Nahrung und die tägliche Wasserration von neun Litern. Kaum verwunderlich also, dass der Verlust von sieben Kilogramm Körpergewicht Spuren hinterlassen hat. Beeindruckt war Schiester von den Kompressionsstrümpfen: "Die Wirkung ist gewaltig! Es drückt dir das Blut aus den Waden in die Oberschenkel, du hast einfach mehr Saft. Spätestens am dritten Tag bist du dankbar für jedes Quäntchen Energie, das du noch in dir finden kannst."

Das heiße Abenteuer geht für Christian Schiester bereits Ende Oktober weiter. In der Sahara stehen die nächsten 250 Kilometer auf dem Programm, die Herausforderung wird jedoch eine völlig andere: "Diesmal erwartet uns die klassische Wüste, mit zahllosen Sanddünen und bis zu 60°C Höchsttemperaturen. Meine Erfahrung aus der Sinai-Durchquerung wird mir bei diesem Desert Cup sicherlich zugutekommen", freut sich Schiester. Die Vorbereitungen für die Sahara haben bereits begonnen. In der Zwischenzeit wird der Steirer sein Buch "Lauf ins Leben" offiziell präsentieren, in dem er seine bisherigen Abenteuer und Erfahrungen auf spannende und humorvolle Weise aufarbeitet.


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