Sigi Grabner, Österreichs erfolgreichster Snowboard-Racer, trainiert gerade in Colorado. Im Wordrap spricht der 34-jährige Kärntner über seinen Zopf, das Älterwerden, Meditation und Superstar Shaun White.
Der Winter schleicht sich langsam in die Alpen. Dennoch zieht es den Mann mit dem längsten Zopf und der längsten Karriere im alpinen Snowboard-Universum dieser Tage über den großen Teich, genauer nach Copper Mountain, Colorado. Sigi Grabner, der Übervater des österreichischen Snowboard-Racings, dreifacher Weltcup-Gesamtsieger, fünffacher Europameister, Weltmeister und Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner, bereitet sich dort auf seine 16. Weltcup-Saison vor. Und das macht er motiviert wie ein Jungspund.
„Ich habe im Sommer und Herbst intensiv im Leistungs- und Diagnostikzentrum Thalgau meine Form aufgebaut. Zum Glück spüre ich noch keinerlei Abnutzung, ganz im Gegenteil: Ich bin jetzt im Moment sehr motiviert, mal am Stück im Schnee zu trainieren.“
Training im Schnee – das ist im europäischen Spätherbst gar nicht so einfach. Die Gletscher sind sehr wetteranfällig. „Da kann es richtig grausig sein. Einen Tag geht’s, den anderen nicht.“ In Copper Mountain findet Sigi perfekte Bedingungen: Basislager auf knapp 3000 Meter, Pisten bis auf 3750 Meter. Mit dabei hat er Riesenslalom-Boards, die Rennmaschinen seiner eigenen Marke SG Snowboards by Sigi Grabner. „In erster Linie werde ich viele Kilometer auf besten Pisten abspulen. Außerdem war ich noch nie in Colorado! Das ist eine Premiere.“
Vor seinem Abflug trafen wir Colorado-Sigi noch zum Wordrap.
A wie Alter: Ich möchte mit niemandem tauschen ... Älter zu werden, ist nichts Negatives. Ganz im Gegenteil: Alles wird besser.
B wie Benjamin Karl: Einer, der mit unseren SG Snowboards fährt.
C wie Coolness: Es ist oft ganz wichtig, cool zu bleiben, vor allem im Rennsport.
D wie Dylan, Bob: Einer meiner Big Favourites. Ich höre seine Songs tagtäglich, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, und war auch schon mal bei einem Konzert in Andorra.
E wie Elisabeth: Da denke ich natürlich sofort an meine Freundin. Sie steht mir immer zur Seite, und ihr verdanke ich auch meinen Erfolg.
F wie Fans: Sind so wichtig wie Freunde, die auch zu mir halten, wenn’s mal nicht so läuft.
G wie Goldmedaille: Von der WM 2003 ... habe ich zuhause liegen.
H wie Höhenmeter: Im Sommer bin ich wahnsinnig gerne mit dem Rad unterwegs, da sind mir Höhenmeter viel lieber als Kilometer auf der Ebene.
I wie Invitational: Ein Event, auf den ich sehr stolz bin. Hier kommen jährlich verschiedene Generationen zusammen, Profis von heute treffen dabei auf Legenden von einst.
J wie Josef: Mein zweiter Vorname, er stammt von meinem Urgroßvater. Er wird aber nur erwähnt, wenn’s mal ganz offiziell hergeht.
K wie Korea: WM 2009 und interessanter, wichtiger Markt für unsere SG Snowboards.
L wie La Massana: Mein jetziger Heimatort in Andorra mit ungefähr 5000 Einwohnern – ein tolles Skigebiet, und im Sommer super zum Mountainbike-Downhill geeignet.
M wie Meditation: Mache ich auf gewisse Art und Weise. Dabei versuche ich beim Sport in der Natur meine Gedanken zu ordnen, zum Beispiel beim Radfahren, Bergsteigen, aber auch beim Snowboarden.
N wie Niederlagen: Eine wichtige Erfahrung ... Ohne Niederlagen kann man keine Erfolge genießen.
O wie Oldtimer: Ich habe ein VW Cabrio, Baujahr 1974. Es diente bei der Hochzeit meines Snowboard-Kollegen Alex Maier letztes Jahr im April als Brautwagen. Ich liebe es, damit ohne Stress durch die Gegend zu cruisen.
P wie Paragleiten: Eine tolle Sportart, die einen mental sehr beansprucht – nicht ungefährlich, aber wunderschön und unkompliziert.
Q wie Qualität: Sehr wichtig, doch heutzutage leider viel zu selten zu sehen. Ich lege sehr viel Wert auf meine Lebensqualität: Was auch immer ich mache, ich versuche es immer ordentlich zu machen – ganz egal, in welchem Bereich.
R wie Red Bull Dolomitenmann: Ein cooler Event, bei dem ich schon zweimal mitgemacht habe.
S wie Straßenfahrrad: Seit ungefähr zehn Jahren bin ich sehr gerne mit dem Rad quer durch ganz Europa unterwegs – am liebsten dort, wo wenig Verkehr ist.
T wie Teamchef: Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe für mich. Mit meinem SG-Team, bei dem auch Weltcupsieger Benjamin Karl dabei ist, versuche ich, jungen Leuten den richtigen und hoffentlich auch erfolgreichen Weg zu zeigen.
U wie U2: Ich bin seit Jahren ein großer Fan ... Sie sind immer auf meiner Playlist zu finden.
V wie Vancouver 2010: Die Olympischen Spiele im nächsten Jahr sind noch ein großes Ziel von mir, die Teilnahme ist fix eingeplant.
W wie White, Shaun: Ich habe ihn kennengelernt, da war er noch ein kleiner Bub. Er ist ja bereits mit 13 bei einem Weltcuprennen gestartet. Für mich ist er derzeit der beste Freestyler, der absolute Star der Szene – unglaublich talentiert, dominant, einfach genial.
X wie X Games: Ein Mords-Spektakel, vor allem medial.
Y wie yellow jersey (Anm.: trägt der Gesamtweltcup-Führende): Das habe ich am liebsten an.
Z wie Zopf (selbstgeflochten): Seit 1990 habe ich lange Haare, also eigentlich schon während meiner gesamten Snowboard-Karriere. Das Zöpfeln macht das Ganze einfach pflegeleichter.
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