Christian Schiester Red Bull

Christian Schiester attackierte bei der vierten Etappe durch die Atacama-Wüste vom sechsten Platz aus die Spitze und überquerte am Ende in einer Zeit von 06:04:14 als Erster die Ziellinie. In seinem Blog spricht der Österreicher über Erinnerungen, Salz - und zwei Guanacos. 

Ursprünglich wollte ich mich heute für die lange Etappe schonen. Doch gleich zu Beginn lag ein weiter Anstieg vor uns. Die anspruchsvollen Passagen liegen mir deutlich besser als die eintönigen, weiten Ebenen. Daher habe ich sofort attackiert und mich an die zweite Stelle gekämpft. Über eine Sanddüne ging es danach hinab in eine Oase, wo wir lange durch einen Fluß und dichtes Buschwerk zum ersten Checkpoint liefen - Erinnerungen an den Jungle Marathon 2006 in Brasilien wurden wach. Im Anschluss habe ich mich zurückfallen lassen und bin auf Rang sechs hinter der Konkurrenz hergelaufen. Auf halber Strecke erreichten wir schließlich die erste große Salzfläche. Das heißt nichts anderes als extreme Hitze durch die reflektierten Sonnenstrahlen, scharfer und brüchiger Untergrund und großer Kraftaufwand. Bis zu den Knien bin ich teilweise eingebrochen, das Salz hat auf meinen offenen Füßen und Beinen gebrannt wie Feuer.

Während die anderen langsam vor sich hinstolperten, konnte ich meinen Lauf fortsetzen. Meter um Meter habe ich auf die spazierende Spitze aufgeholt und schließlich attackiert. So erreichte ich als Erster den letzten Checkpoint. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei Guanacos, eine hier heimische Lama-Art, angetroffen. "Was macht ihr denn hier in der Salzebene, wo es keinen einzigen Halm zu fressen gibt", ist mir durch den Kopf gegangen. Gleich danach musste ich kurz lachen, denn die beiden haben sicherlich Ähnliches gedacht. Kurz nach dieser Begegnung mit der Tierwelt ging es auf staubtrockener Erde noch sechs Kilometer bis ins Ziel.

Meine Verfolger fühlten sich darauf sichtlich wohler und begannen ihrerseits wieder mit einer Attacke. Den ersten Platz wollte ich mir nach den bitteren letzten Tagen aber nicht nehmen lassen und habe bis ins Ziel alles gegeben. Das ist ein Sieg für meinen Kopf, meine Freude war riesig. Ich habe heute bewiesen, dass ich es drauf habe und den Besten davonlaufen kann, diese positive Energie habe ich dringend gebraucht. Morgen steht aber die lange Etappe mit 73 Kilometern auf dem Programm. Da entscheiden für jeden Einzelnen die Reserven. Mal sehen, ob ich die noch habe.

Ich werde versuchen, durch viel Schlaf und meine Spezialnahrung aus Oberösterreich so viel Energie wie möglich zu generieren. Die Nahrung bewirkt in Hinsicht auf den Leistungszuwachs wahre Wunder. Dennoch habe ich eine gewisse Abneigung dagegen entwickelt. Seit Tagen ernähre ich mich von nichts anderem mehr und kann den Geschmack nicht mehr aushalten. Außerdem muss ich sie kiloweise im Rucksack quer durch die Wüste schleppen. Darum wird unsere Beziehung auf den letzten zwei Etappen eine zwiespältige bleiben.

Bis bald, run on, Christian Schiester


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