Hannes Arch GEPA

Angst? Was ist das? Red Bull Air-Race-Hero Hannes Arch (42) hat pünktlich zum Saisonauftakt eine neue Propellermaschine bekommen. Erster Einsatzort: 26. und 27. März, Abu Dhabi.

Wir sprachen mit dem Weltmeister 2008 über Flugangst und Frauen.

Was zeichnet einen typischen Steirer aus?
Steirer wissen, was sie wollen. Ich glaube, dass sie auch sehr innovativ sind. Die Steirer stehen nicht so im Rampenlicht wie die Salzburger oder Tiroler. Wir haben mehr Ruhe und aus der Ruhe heraus können wir Gas geben. Wir sind sehr naturverbunden.

Bist du ein typischer Steirer?
Ich bin ein waschechter Steirer.

Was ist im Zweifelsfall wichtiger, um ans Ziel zu kommen: Fleiß oder Talent?
Wenn du erfolgreich sein willst, musst du zuerst herausfinden, was deine Stärken sind. Alles, was du gerne machst, machst du gut. Fleiß stellt sich ein, wenn du motiviert bist. Talent ist Voraussetzung und ohne Fleiß geht sicherlich nichts. Talent überlasse ich anderen. Ich weiß, dass ich gewisses Talent habe, aber ich tue auch viel dafür, um erfolgreich zu sein. Von nichts kommt nichts. Ich bin extrem fleißig.

Auf wen hörst du im Zweifelsfall: auf deinen Kopf oder auf deinen Bauch?
Ich höre vorwiegend auf meinen Bauch und das hat mir bis jetzt im Leben immer Recht gegeben. Dieses Bauchgefühl sagt mir, ob das, was ich mache, passt. Ob die Strategie passt, das Zusammenarbeiten mit meinen Mitmenschen. Wenn das Bauchgefühl passt, geht’s im Kopf weiter. Erfahrung spielt natürlich auch eine wichtige Rolle.

Was ist die wichtigste Eigenschaft bei einer Frau?
Eine Frau sollte trotz Konkurrenzkampfes weiblich bleiben. Die Bonuspunkte, die Frauen haben, sollten sie nicht verschenken. Meiner Meinung nach haben Frauen einen besonderen Sinn für Ästhetik, Schönheit und die phänomenale Multitasking-Fähigkeit. Die Frau bringt die ganze Schönheit in unser Leben.

Was ist die wichtigste Eigenschaft bei einem Mann?
Männer sind bekannt für ihre Abenteuerlust, Risikobereitschaft, ihren Willen, Verantwortung zu tragen, sich einer Sache hinzugeben, ohne vorher abzuwägen, welche Auswirkungen es haben könnte. Und vor allem sind Männer dazu da, um Grenzen zu überwinden.

Welcher Mensch hat dich am stärksten geprägt und was zeichnet diesen Menschen aus?
Meine Eltern haben mich sehr geprägt. Ich bin in einer extrem schönen Umgebung aufgewachsen, wo es harmonisch war. Ich hatte eine super Kindheit mit extremen Freiheiten. Dieses Freiheitsdenken spiegelt sich im Beruf, Sport und Privat wider. Was mir aus dem Elternhaus mitgegeben wurde, ist der Sinn für Bodenständigkeit, die Liebe zur Natur und die Freude am Einfachen.

Was ist mit Freunden?
Mein Kletterpartner, mit dem ich zehn Jahre auf der Jagd nach Abenteuern war, hat mich auch sehr geprägt. Wir haben gemeinsam extreme Situationen durchgemacht und dadurch wächst man zusammen. Generell finde ich jede Art von Beziehung wichtig und möchte keine einzige davon missen. Beziehungen sind wichtiger als alles andere. Es gibt kein Ranking. Es gibt Personen, die dich mal mehr und mal weniger prägen.

Wenn du im Hotel eincheckst, was schreibst du auf den Anmeldezettel als Berufsbezeichnung?
Um es allen leicht zu machen, schreibe ich Pilot auf den Zettel. Ich finde, dass Lebenskünstler besser passen würde, aber dann würden mich alle erstaunt anschauen und fragen, was das für ein Beruf ist.

Was war dein Lieblingsfach in der Schule? Und warum?
Meine Lieblingsfächer waren Sport und Geographie. Im Sportunterricht war ich immer der beste. Die Schule habe ich aber nie ernst genommen. Ich wollte mit minimalem Aufwand alles meistern.

Womit verdienst du dein Geld?
Neben Red Bull Air Race habe ich auch noch das X-Alps-Projekt, für das ich verantwortlich bin. Ich bin staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Helikopter- und Flugzeugpilot. Ich habe auch als Filmproduzent gearbeitet. Wie man sieht, bin ich sehr vielseitig.

Was macht dir in deinem Job am meisten Spaß?
Ich liebe eben diese Vielseitigkeit. Ich kann meine Träume verwirklichen, reisen. Ich gehe nur in die Richtung, die mir auch Spaß macht.

Wie viele Stunden am Tag arbeitest du?
Ich arbeite den ganzen Tag, mit ein paar Auszeiten. Ich stehe so zwischen acht und neun Uhr auf und vor eins in der Nacht schlafe ich nicht. Ich bin ein Nachtmensch. Ich habe sehr viel Energie.

Wenn du ganz was anderes machen müsstest – für welchen Job würdest du dich entscheiden?
Ich habe einen Sinn für Musik. Ich wäre Bass-Gitarrist.

Was fährst du für ein Auto?
Ich fahre momentan einen Seat, der mir zur Verfügung gestellt wurde, sonst würde ich einen Audi A6 fahren.

Wann bist du das letzte Mal ins Radar gefahren?
Zum Glück gibt’s keinen Punkteführerschein in Österreich. Wenn ich Auto fahre, dann schalte ich ab, telefoniere oder bin in Gedanken versunken. Autofahren ist das Langweiligste auf der ganzen Welt. Ich wurde schon 17. Mal vom selben Radar geblitzt.

Was machst du in zehn Jahren?
Ich denke maximal ein Jahr voraus. Aber ich weiß natürlich, wo ich nicht hin will: In eine Office-Management-Welt.

Willst du irgendwann selbst Kinder haben?
Klar, aber zuerst muss ich die richtige Frau dazu finden.

Wovor hast du Angst?
Ich habe keine Angst. Ich kenne es nur aus der Theorie. Ich habe es noch nie erlebt. Ich weiß, dass es eine gewisse Spannung ist, die bis zum Zerreißen gehen kann. Dann macht es plötzlich „bumm“ und es passiert etwas. Das Herz fängt an zu rasen. Man fürchtet sich. Ich habe diese Spannung und Respekt, aber ich begebe mich erst gar nicht in so eine Situation. Ich bin sehr kontrolliert.

Hast du schon einmal geweint – und wann, bei welcher Gelegenheit?
Ja, ich bin ein emotionaler Mensch. Im Kino zum Beispiel.

Wird dir beim Fliegen manchmal schlecht?
Grundsätzlich nicht. Nur, als ich mit meinem Kunstfluglehrer mitgeflogen bin, da wurde mir richtig übel. Er ist damals aber auch ziemlich komisch geflogen.

Wie beruhigst du ein Kind, das unter Flugangst leidet?
Ich versuche, dem Kind Vertrauen zu geben, in dem ich mich in diese Person hineinversetze und 100 Prozent ernst nehme.

Was kannst du gar nicht?
Ich kann nicht Kochen, Abwaschen und Putzen.

Wo gehst du Skifahren? Und mit wem?
Ich gehe meistens in Obertauern mit Axel Naglich und Gerhard Lürzer Ski fahren und mache Ski-Touren mit Bergführer-Freunden.

Wie viele Stunden warst du in deinem Leben bisher in der Luft?
Einige 1000 Stunden, denke ich. Paragliding und Drachenfliegen lasse ich mal raus.

Die schönste Vogelperspektive deines Lebens?
In Steiermark auf einem Berg zu sitzen und runterzuschauen. Es ist so schön, wenn es still ist.

Welchen Sound hörst du in der Luft und am Boden?
In der Luft höre ich den Motor und auf dem Boden die Musik. Am liebsten Klassik von Beethoven, Mozart und Jack Johnson. 

www.redbullairrace.com
www.hannesarch.com
 


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