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Red Bulletin: Der Traditionsanzug

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Seit über fünfzig Jahren ist die David Clark Company Inc. ein Herrenausstatter für ­besondere Anlässe. Das Unternehmen hat die Raumanzüge für Generationen von Astronauten und Piloten geschneidert. Für das Projekt Red Bull Stratos liefert es nun die entscheidende Schutzschicht zwischen Felix Baumgartner und dem ­eisigen Weltraum.

Worcester, 50 Meilen westlich von Boston, ist mit Sicherheit jene US-Stadt, die am häufigsten falsch ausgesprochen wird. (Das liegt an Worcester in den englischen Midlands, der Heimat der gleichnamigen Sauce.) Verwirrend auch, obwohl Worcester nur 200.000 Einwohner hat: Egal aus welcher Richtung der Reisende ankommt, er verheddert sich im Weichbild aus Parkplätzen, ­Supermärkten, Wohnblocks und Fabriken. Letztgenannte verstecken sich gerne hinter anonymen Ziegelfassaden, auch die David Clark Company Inc. in der Franklin Street.
Das Hauptgeschäft von DCCI ist der Bau von Kopfhörern und Sprechanlagen für Fliegerei und Raumfahrt – etwa für ­Apollo 11, das 1969 die ersten Amerikaner auf den Mond transportierte. Clarks Einstieg in dieses Business ergab sich 1941, als Firmengründer David M. Clark, ein Strickwarenfabrikant, sich auf Anti-Schwerkraft-Anzüge (anti-g suits) für Piloten spezialisierte. Daraus wurden die erwähnten Kopfhörer sowie Druckanzüge und Helme für Piloten und Astronauten der U.S. Air Force bzw. der NASA.

Die Angebotspalette fällt vorbehaltlos in die Kategorie Hightech, doch von ­außen wirkt DCCI so unscheinbar wie eine Fabrik, die Holzspielzeug herstellt. Der Eindruck hält sich auch noch hinter der schmalen Eingangstür. Einzige Sicherheitsschleuse ist der Portier, der offensichtlich alle 300 Mitarbeiter persönlich kennt. Doch mit jedem weiteren Moment wird spürbar, dass sich diese Company mit etwas Speziellem befasst. Besucher kriegen einen Assistenten zur Seite gestellt, in dessen Schlepptau es in einem kahlen Stiegenhaus nach oben geht. Es ist so still wie in einer Schule während der Ferien, man erschrickt vor den eigenen Schritten. Man folgt dem Lotsen durch Büros mit von halbhohen Holzwänden getrennten Kojen für die Techniker und Aquarien für die höheren Chargen, vorbei an schlichten Metallschränken und Schreibtischen, hinter denen freundlich grüßende Menschen sitzen.

David Clark wies den Weg bei der Herstellung von Anti-g-Anzügen: ­Jeder Astronaut im Space Shuttle trug ein Modell von DCCI.

Tür um Tür öffnet sich, dann steht man im Allerheiligsten, einem zehn mal zehn Meter großen, fensterlosen Raum, mit dunklem Holz getäfelt, Linoleumboden. Wer jetzt ein Aha-Erlebnis erwartet, das einen in grellem Neonlicht in die Zukunft stößt, der ist überrascht. Das Herzstück der David Clark Company Inc., welche die Anzüge für ­Shuttle-Astronauten geschneidert hat, einer Firma, die alle Spezialpiloten eingekleidet hat, die als Aufklärer und Testpiloten in ultraschnellen, geheimen Jets unterwegs waren, dieses innerste Universum ist ein Zimmer, in dem das einzig Digitale das Mobiltelefon in der Hosen­tasche unseres Reiseführers ist.

Doch der Besucher lässt sich längst nicht mehr täuschen. Auch wenn die schrankgroßen Gerätschaften, gewandet in olivgrünes Blech, allesamt analog mit chromglänzenden Zeigern, Skalen, Mano­metern und Messgläsern bestückt sind. Auch wenn ein simpler Flaschenzug von der Decke baumelt – zum Simulieren eines Fallschirmabsprungs – und auf einer Ablage eine Küchenwaage steht, Inventar­nummer DC1452. Man spürt, dass hier Genie und Geschick, Erfahrung und Aufbruchsstimmung koexistieren – wie in traditionsreichen Uhrenmanufakturen, nur dass es in Worcester nicht um das Zerhacken von Minuten in Sekunden geht, sondern um die Reise in den Weltraum.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der Mai-Ausgabe des Red Bulletin.

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