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Red Bulletin: Wie man in einer Bombe lebt

1208_AT_Bomb_DanielGebhartDeKoekkoek.jpg ©Daniel Gebhart de Koekkoek

Wenn Eric einen Fehler macht, ist er tot, bevor er den Fehler bemerkt. Das ist der angenehme Teil des Jobs.

Eric lebt in einem nordeuropäischen Land. Verhei­ratet, Vater einer zweijährigen Tochter, Garten mit Schwimmteich, Mittelklasseauto mit Kindersitz im Fond. Eric und seine Familie werden vom Geheimdienst seines Heimatlandes überwacht, das ganze Programm, persönlich, Telefon, E-Mails, Internet. Eric weiß, dass er unter Beobachtung lebt, seit kurzem weiß es auch seine Frau. „Die Jungs passen auf uns auf“, sagte er, als sie ihn ein wenig beunruhigt auf die unauffälligen Herren ansprach, die ihr beim Einkaufen zuletzt dann doch aufgefallen waren.

Erics Frau weiß, welchen Beruf ihr Mann ausübt. Seine Freunde, die Kollegen im Fußballverein, mit denen er zweimal wöchentlich trainiert, die Nachbarn und die meisten Mitglieder seiner Familie wissen es nicht. Erics Schwester denkt, er habe einen Organisationsjob beim Militär, der so langweilig ist, dass es nicht lohnt, darüber zu sprechen. Tatsächlich war Eric in seiner Berufslaufbahn bisher „ungefähr dreißig, vierzig Mal“ nur einen kleinen Fehler vom Tod entfernt, sagt er, „wir arbeiten eigentlich selten mit mehr Spielraum als ein paar Millimetern oder einer falschen Entscheidung“.

Sie arbeiten mit bloßen Händen, ohne Schutzanzug und Helm: Es gibt ohnehin keinen Schutz, wenn die Bombe hochgeht.

Weltweit sind rund tausend Spezialisten in der Lage, Bomben zu entschärfen, Minen in Kriegs- oder Krisengebieten – ­Afghanistan, Irak, Afrika – oder Blind­gänger oder nicht explodierte Bomben, die Jahre oder Jahrzehnte nach dem Ende eines Kriegs beim Anlegen eines Gemüsebeets oder Ausheben eines Kellers wieder auftauchen. In der Regel werden solche Minen oder Kriegsrelikte kontrolliert gesprengt oder, Fachbegriff, „konventionell entschärft“: mit Hilfe eines fernsteuer­baren Roboters mit hochpräzisen Greif­armen und Röntgenaugen, der Entschärfer in Deckung, in sicherer Entfernung, in einem vierzig Kilogramm schweren Schutzanzug und mit Schutzhelm.

Aber es gibt Situationen, in denen nicht gesprengt werden kann und die den Roboter überfordern. Etwa wenn eine Bombe unversehrt bleiben muss, weil sie Spuren enthalten könnte, die auf den ­Täter hinweisen. Oder weil eine Bombe chemische, biologische oder nukleare Stoffe enthält, die durch eine Explosion freigesetzt würden, Giftgas, Killerviren, Radioaktivität. Wenn Bomben in unzugänglichem Gebiet zu entschärfen sind, auf einem Felsvorsprung über einem Dorf in Afghanistan oder in einem verwinkelten Stiegenhaus im Rathaus einer mitteleuropäischen Kleinstadt. Oder wenn Geiselnehmer Sprengstoffe an den Körpern von Geiseln befestigt haben, „necklace bombs“ sind die gebräuchlichste Variante, Halsketten aus Sprengstoff.

In solchen Fällen werden sogenannte Handentschärfer gerufen, Eric ist einer von weltweit etwa siebzig. Sie arbeiten im T-Shirt und mit bloßen Händen, ohne Schutzanzug und Helm: Es gibt ohnehin keinen Schutz, wenn die Bombe hochgeht, in der du gerade bis zum Ellbogen steckst.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der August-Ausgabe des Red Bulletin.

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