Christian Schiester

Christian Schiester - Crossing Sinai

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Christian Schiester - Crossing Sinai

Christian Schiester ist ein Mann der Extreme. Das war schon immer so. Mittlerweile ist er Extremläufer und legt bis zu 300 Kilometer in der Woche zurück. Das war nicht immer so. Früher standen beim Steirer 40 Zigaretten und sechs Bier auf dem täglichen Menüplan. Am Wochenende konnte es schon mal mehr sein. Die Konsequenzen waren schwerwiegend: Mit 20 Jahren brachte Schiester 100,7 Kilogramm auf die Waage, konnte sich im Stehen nicht mehr selbst die Socken anziehen und nur mit Mühe um einen Stift bücken. Ein Ruhepuls von 93 und alarmierende Blutwerte trieben ihn nach einem weiteren durchzechten Wochenende zum Arzt. „Wenn du so weiter machst, bist du mit 30 tot“, lautete die vernichtende Diagnose.

Bisher war Schiester nur in der abendlichen Zechrunde wer, brachte ansonsten nur wenig auf die Reihe. An diesem Tag sollte sich sein Leben aber radikal ändern. Schritt für Schritt wandelte er sich vom Wirtshausathleten zum Profisportler. Es war ein harter Weg, den der Steirer ebenso eisern beschritt. Zuerst mussten das Rauchen und die ungesunde Ernährung dran glauben. Dann kam die Bewegung dazu. Sein Nachbar hatte beim Laufen 20 Kilogramm abgenommen. Das wollte das junge „Dickerl“ auch versuchen. Auf die ersten zaghaften Versuche folgten Rückschläge. In den ersten Wochen musste Schiester alle drei Minuten eine Gehpause einlegen. Der erste 10-Kilometer-Lauf endete bei Kilometer acht vollkommen erschöpft am Straßenrand. Doch der von seinen vormaligen Kneipenbrüdern belächelte Ehrgeizler gab nicht auf. Bei einem 7-Kilometer-Bewerb kam er erstmals ins Ziel, wurde im Zielsprint aber von einem 72-Jährigen überholt. Genügend Grund um noch härter zu trainieren. Die Rennen wurden schließlich länger, die Ergebnisse besser. Was folgt klingt wie im Märchen: Zuerst Plätze unter den Besten 100, dann unter den Top 20 und schließlich am Podest. Eineinhalb Jahre nach seinem radikalen Wandel absolvierte der ehemalige Risikopatient den New York Marathon in knapp drei Stunden.

Danach geht es mit der Karriere als Läufer steil bergauf. Es folgen unzählige Titel bei Halbmarathons, Marathons, Berg- und Crossläufen. Schließlich wird der „Volkslauf“, wie er es nennt, für Schiester zu langweilig. Der Marathon des Sables, der bekannteste Ultramarathon der Welt, sollte den Abschluss der Sportlerkarriere bilden. Doch es kommt anders. In sechs Tagen kämpft sich der Steirer durch 243 Kilometer der gleißenden marokkanischen Sahara und überquert die Ziellinie als sensationeller Zwölfter. Obwohl er die bis dato härteste Herausforderung soeben erst hinter sich gebracht hatte, hatte der Österreicher eine Lust verspürt. „Die Anstrengung war unglaublich, aber die Erfahrung ebenso. Der Körper funktioniert auf Hochtouren, die Sinne schärfen sich, die Wahrnehmung wird unglaublich tief und der Geist entwickelt eine Art der Freiheit wie nie zuvor“, beschreibt er den Reiz am Ultramarathon.

Was folgt liest sich wie die Abenteuer aus 1001 Nacht. Mit dem Motto „Quäle deinen Körper, sonst quält er dich!“ durchläuft Schiester in den kommenden Jahren die unwirtlichsten und gleichzeitig atemberaubendsten Gegenden der Welt: das Gebirgsmassiv des Himalaya 2004 (162km / 1. Platz), den Dschungel am Amazonas 2006 (202km / 3. Platz), die eisigen Weiten der Antarktis (100km / 1. Platz), die Halbinsel Sinai als Trainingseinheit (501km), den Desert Cup in der trockenen Atacama-Wüste 2009 (250km / 6. Platz) und das Sahara Race 2009 in Ägypten (250km / 2. Platz). Dazu gesellten sich nach und nach Vorträge, Seminare und Medienauftritte. Dort erzählt er über Fleischwunden auf den Sohlen, Halluzinationen, unvorstellbare Qualen, hungernde Kinder, im Wasser lauernde Krokodile und sture Kamele. 2004 schließlich hängt Schiester seine Karriere bei der Post an den Nagel und schnürt sich seither beruflich die Schnürsenkel seiner Laufschuhe. 2008 folgt die Gründung seiner eigenen Firma „Extreme Sportsmanagement“, 2009 sein autobiografisches Buch namens „Lauf ins Leben“.

Auch in der Zukunft will der zweifache Familienvater die Beine nicht still halten. Bis Sommer 2010 stehen zwei weitere Desert Cups (Gobi, Outback) zu je 250 Kilometern auf der unglaublichen To-Do-Liste. Dazwischen werden unzählige Meter an Trainingseinheiten liegen, im Tiefschnee, in der Sauna, auf den heimischen Bergen und Waldwegen. Die Pläne für die fernere Zukunft klingen nicht minder exotisch: „Ich möchte mit dem Schiff die Welt umsegeln. Bei Flaute soll die Schiffsschraube per Laufband angetrieben werden, auf dem ich wie ein Hamster strampeln werde. Mein großer Traum ist es außerdem, als erster Mensch einen Marathon auf dem Mond zu laufen.“ Und wenn die Beine irgendwann den Geist aufgeben? „Dann mache ich mit den Armen weiter“, lässt Schiester verlauten.

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