Alter Hase - da ich ja mittlerweile einer der ältesten Fahrer bin. Kurvenspezialist – denn meistens bin ich beim Start hinten, aber schieße dann in den Kurven vor. Locker und lustig – Vor den Rennen bin nicht so nervös oder angespannt wie andere.
Und wie deine Freunde?
Sie würden sagen, dass ich immer irgendwas zu tun brauche, damit kein Leerlauf reinkommt, damit ich ja nichts verpasse. Außerdem glaube ich, dass sie schon Respekt vor dem habe, was ich mache - zum Beispiel meine Teilnahme bei Red Bull Rampage
Welchen Berufswunsch hatten deine Eltern für dich?
Heizungsbauer, da mein Vater auch 45 Jahre Heizungsbauer war. Da hab ich in der gleichen Firma auch die Lehre gemacht, bin dann aber zur Bundeswehr – das haben sie erstmal nicht so verstanden.
Und mit welchen Worten hast du sie überzeugt, dass du Profisportler werden musst?
Mein Vater ist eher einer vom alten Schlag mit dem Motto: „Lern was Gscheits, dann hast was Gscheits.“ Er hätte gern gehabt, dass ich so wie er Heizungsbauer werde. Aber als ich dann das erste Mal mit einem neuen VW-Bus nach hause gekommen bin, hat er eingesehen, dass mein Sport ein seriöser Job ist, mit dem sich auch Geld verdienen lässt
Als du deinen Freunden gesagt hast, dass du jetzt Profisportler wirst – was haben sie geantwortet?
Es gab schon ein paar, die gesagt haben, damit kannst du doch nichts verdienen. Aber das hat mich nur noch zusätzlich angespornt, meinen Traum zu verwirklichen.
Wenn du nicht Sportler geworden wärest, welchen Beruf hättest du dann gemacht?
Wahrscheinlich Heizungsbauer. Oder Flugbetriebsspezialist bei der Bundeswehr. Da war ich vier Jahre lang Zeitsoldat und habe die Ausbildung gemacht. Fast hätte ich mich auch für 12 Jahre verpflichtet und wäre Hubschrauberpilot geworden.
Was war der bewegendste Moment deiner Karriere, von dem du noch deinen Enkelkindern erzählen wirst?
Die Teilnahme bei Red Bull Rampage. Das war wirklich krass. Da darf man keine Fehler machen, muss genau überlegen und schauen, dass man sauber fährt – sonst ist Krankenhaus angesagt. Das war eine wahnsinnige Erfahrung, die ich nie vergessen werde und die meinen Bekanntheitsgrad extrem gesteigert hat.
Sport ist harte Arbeit und Disziplin. Was ist die härteste Übung in deinem Trainingsplan?
Das sind definitiv die Sprints. Da fahre ich aus dem Stand los, trete 6-8 Sekunden voll in die Pedale, dann gibt es eine 3-5 Minuten Pause. Das Ganze 8 Mal hintereinander. Die ersten drei Mal gehen eigentlich, aber danach wird es extrem hart. Da fühlen sich die Pausen immer kürzer an und sie reichen kaum zur Erholung, bis der nächste Sprint kommt. Da ist es ratsam, wenn man vorher nicht isst. Es kann nämlich leicht passieren kann, dass man sich übergeben muss.
Was isst und trinkst du am Tag des Wettkampfs?
Da achte ich nicht so sehr drauf. Ich esse einfach gern und esse, was mir schmeckt. Wenn mich mal ein Eis anmacht, dann esse ich das auch. Ich schaue nur, dass ich 3-4 Tage vor dem Wettkampf viel Nudeln und Kartoffeln esse, um die Kohlenhydrat-Speicher aufzufüllen.
Und was direkt danach?
Eigentlich auch nichts Spezielles. Ich esse gern und gut. Besonders, was meine Freundin und meine Mama kochen. Auch italienisch mag ich sehr gerne.
Wenn du dein Ziel nicht erreicht hast, dann denkst du?
Ich schaue, woran es gelegen hat: am Material oder an mir selber. Beim 4-Cross gibt es darüber hinaus aber noch viele andere Faktoren. Da ist man ja nicht alleine auf der Strecke und da kann es schon mal passieren, dass ein anderer Fahrer einen ausbremst oder einem von Hinten reinfährt. Da braucht es auch ein bisschen Glück.
Wenn du dein Ziel erreicht hast, dann denkst du?
Wenn ich gewinne, zum Beispiel beim Weltcup oder einer WM, dann denke ich mir: das ist ein Meilenstein, der mir keiner mehr nehmen kann.
Was musstest du aufgeben, um deine Sportkarriere gehen zu können?
Ich bin viel am Wochenende unterwegs. Da kann man halt nicht immer mitgehen, wenn die Freunde Party feiern. Oder Skifahren – ab März kann ich das nicht mehr, da ich ab dem Frühjahr wieder auf dem Rad sitze.
Was machst du in den letzten 10 Sekunden, bevor du an den Start gehst?
Da erinnere ich mich an die schönen Momente des Sports, an meine Erfolge, an jubelnde Zuschauer. Dadurch bekomme ich die Kraft, die Motivation und die Lockerheit, um ein gutes Rennen zu fahren.
Hast du einen Glücksbringer oder ein Ritual?
Nein, daran glaube ich gar nicht. Ich hole mir die Kraft aus mir selbst.
Welche drei Sportler sind für dich die wichtigsten Sportler auf der Welt?
Da ich ja Motocross-Fan bin, finde ich den Ken Roczen richtig gut, da er jung, erfolgreich und extrem locker ist. Das mag ich bei Sportlern. Travis Pastrana finde ich cool, da er einfach total verrückt ist und neben seiner Sportart noch viele andere Sachen macht, zum Beispiel auch Rallye fährt. Und dann noch Robby Naish. Ich finde es faszinierend, wie lange er in seiner Sportart schon ganz vorne mit dabei ist und konstant top Leistung bringt.
Mit welchem Sportler würdest du um keinen Preis der Welt tauschen und warum?
Mit allen Sportlern, die zu prominent sind, wie zum Beispiel Fußballer. Ich möchte noch auf die Straße gehen und mich ganz normal bewegen können, ohne dass ständig Kameras auf mich gerichtet sind.
Mit welchem Spruch hat dich dein Trainer mal so richtig frustriert? Mit welchem motiviert?
Ich hab keinen Trainier. Aus meiner langjährigen Erfahrung stelle ich mir meinen Trainingsplan selbst zusammen. Für mich ist am wichtigsten, dass ich viel auf dem Rad sitze. Dann bin ich automatisch bei den Rennen gut. Und das ist eigentlich kein Training, das macht mir einfach ganz viel Spaß!
Mit welcher Headline würdest du dich gerne auf dem Titel der Bildzeitung sehen?
"Tschugg wird 2012 Weltmeister auf der eigens gebauten Strecke"
Was wäre der Titel für einen Film über deine Sportlerkarriere?
Tschuggs Höhen und Tiefen – über Verletzungen, Erfolge und rasante Überholmanöver
Vielleicht „Ein Mountainbiker auf dem Motocross-Rad“ oder „Tschuggs Bagger-Action auf dem Bauernhof“
Wem würdest du zuerst danken, wenn man dir einen Oscar verleihen würde?
Auf jeden Fall meinen Eltern. Wenn sie mich nicht in jungen Jahren so gefördert hätten, wäre ich nie dort hingekommen, wo ich jetzt bin. Ich habe großen Respekt vor ihnen – jetzt, da ich eine eigene Tochter habe, noch mehr. Sie hatte nicht so besonders viel Geld und sind trotzdem Hunderte von Kilometer gefahren und haben viel Geld in mich investiert. Ich kann mich an viele Momente erinnern, an denen meine Eltern gestritten haben, weil das Geld für ein Rennen gefehlt hat. Doch irgendwie haben sie es immer geschafft. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Was ist Dein größter Spleen?
Ich bin Maschinen-, Auto- und Motorradfanatiker. Ich hab inzwischen eine Harley und drei V8-Trucks – einer davon ist babyblau.
Welches Motto beschreibt dich am allerbesten?
Jeden Tag so leben, als wäre es der letzte.
3 Dinge, die man in seinem Leben gemacht haben sollte? Welche davon hast du schon gemacht?
Also einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind bekommen – das hab ich schon (lacht). Darüber hinaus sollte einfach jeder einmal Bagger fahren. Das ist extrem entspannend. Basejumpen will ich in jedem Fall Mal ausprobieren. Da muss ich aber erstmal checken, ob das mit meinen Sprunggelenken noch geht. Und einen Ultralight-Flieger möchte ich mal fliegen.
Welcher Streich hat dich in der Schule berühmt gemacht?
Ich kann mich an eine Situation erinnern, da hat mich der Werklehrer total aufgeregt. Da habe ich mit einem Stemmeisen lauter Löcher in den Werktisch gebohrt. Das gab ziemlichen Ärger.
Was sind deine 3 Top-Locations: Wo chillst du, wo isst du, wo feierst du am liebsten?
Vor ein paar Jahren waren wir bei einem guten Freund in Thailand in der Nähe von Bangkok. Er hat uns Thailand gezeigt, wie man es als Tourist nie kennenlernen würde. Das war wirklich faszinierend und extrem entspannend. Da gab es auch das beste Essen, das ich jemals probiert habe. Die besten Partys gibt’s immer nach den Weltcups. Da ist jeder gut drauf und man kennt viele Leute. Da geht’s dann immer ganz schön ab. Wenn die T-Shirts zerrissen werden weiß man: das war eine gute Party!
Wann war dein letzter Lachflash und warum?
Mit meinem Teamkollegen habe ich so einen kleinen Contest gemacht. Wir sind mit alten Autos über einen Hügel gesprungen. Eine Disziplin bestand darin, von einem mit Red Bull gefülltem Glas möglichst wenig zu verschütten, währen der andere fahren darf, wie er will. Da ist mein Kollege über den Hügel zu kurz gesprungen und voll mit dem Heck in den Hang eingestochen. Da war natürlich alles auf einmal verschüttet und er hatte in 5 Sekunden den Contest gewonnen. Da haben wir ziemlich gelacht, da das eigentlich eine völlig blöde Idee war und das Verschütten vorprogrammiert.
Das schlimmste Weihnachtsgeschenk, das du je erhalten hast?
Das erste Jahr, in dem ich mit meiner Freundin zusammen war, hat sie mir einen 20 Liter Benzinkanister aus Metall geschenkt fürs Motocrossen. Das war lieb von ihr gemeint, aber eigentlich benutze ich immer nur so einen stylischen Schnelltanker und hatte auch schon drei aus Metall. Irgendwann habe ich ihn dann für meinen Bagger zum Diesel-Tanken genommen.
Dein Lieblings-Song beim Training?
Bei hartem Training gern harten Heavy Metal und Rock.
Bob der Baumeister. Der baggert und baut viel - der passt einfach am besten zu mir.
In welcher TV-Serie würdest du gerne mitspielen?
Am liebsten beim A-Team. Da wäre ich dann der Fahrer, denn so einen Truck wie die fahre ich privat auch.
Welcher Facebook-Gruppe würdest du niemals beitreten?
Am Anfang bin ich ganz blauäugig allen Gruppen beigetreten. Das mach ich jetzt nicht mehr, da man da überhaupt keinen Überblick mehr hat. Inzwischen wähle ich sie besser aus. Aber eine bestimmte Seite, der ich in keinem Fall beitreten würde, fällt mir jetzt spontan nicht ein.
Wenn du 20 Jahre voraus schauen könntest: Was machst du da?
Da werde ich wahrscheinlich ziemliche Sorgen haben, da meine Tochter mit meinen V8 rum fährt und der Sprit bis dahin unbezahlbar ist.
Und wo bist du?
Am liebsten auf meinem Bauernhof, vielleicht mit ein paar Kühen. Oder auf meiner eigenen Pferderanch.
Was ist dein No. 1-Video auf YouTube?
Bei Filmen, die auf schwäbisch übersetzt werden, könnte ich mich kringeln, z.B. Stirb Langsam 4.0 auf schwäbisch – zum totlachen!
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