Nightlife

Club Nachtresidenz-DJ: „Schlagartig Gänsehaut”

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Daniel steht als DJ Daze regelmäßig in der Nachtresidenz hinter dem DJ-Pult – und hat so seine Tricks auf Lager, um die Leute so lange wie möglich im Laden zu halten.

Daniel, du legst seit diesem Jahr regelmäßig in der Nachtresidenz auf. Wo kann man dich musikalisch verorten?
Was das DJing angeht, komme ich eigentlich aus dem Underground-HipHop. Dort habe ich vor zehn Jahren angefangen aufzulegen. Mit den Jahren habe ich mich aber mehr zur House-Musik bewegt, was ich heute fast ausschließlich auflege. Innerhalb dieses Genres bediene ich aber eigentlich alles, ob jetzt eher die kommerziellere Schiene, Vocal House oder Techhouse. Das ist dann auch das, was man eigentlich jeden Samstag in der Nachtresidenz zu hören bekommt. Dancemusic. Zumindest im großen Saal, auf dem kleinen Floor läuft dann doch auch mal R&B oder Ähnliches.

Wie groß ist denn die Schere zwischen dem, was du gerne spielen wolltest, und dem, was das Publikum verlangt?
Ich gehöre auf jeden Fall zu den flexibleren DJs. Meine Spanne ist da schon ziemlich breit, und ich finde die kommerziellen, angesagten Clubtracks teilweise nicht mal schlecht. Es gibt da Lieder, die ich gut finde, und Lieder, die ich für das Publikum spiele. Aber unterm Strich verkaufe ich mich nicht. Es ist natürlich keine Prostitution, was ich hier mache. Ich versuche schon, meinen Sound mit einzubringen. Wenn man dann noch ab und zu bekanntere Songs spielt, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen, hat man schon vieles richtig gemacht, denke ich.

Wieso bist du so gerne DJ und warum wirst du es noch in zehn Jahren sein?
Das ist wohl einfach mit meiner Liebe zur Musik zu beantworten. Ich muss nur zehn Minuten an den Reglern gestanden haben und meine Laune ist super, egal wie mies sie vorher war. Wenn ich hier freitags stehe und die ersten zwei Überleitungen mache, habe ich allen Kummer vergessen.

Siehst du denn DJing auch als Kunstform an oder ist das für dich ein Job wie jeder andere auch?
Ich denke schon, dass es immer noch eine Kunst ist, zumindest das klassische Auflegen mit Schallplatten hat meiner Meinung nach etwas sehr kunstvolles. Ich selber habe jahrelang mit Platten aufgelegt und bin jetzt mittlerweile der Kompaktheit halber auf CDs umgestiegen. Allerdings gibt es mittlerweile DJs wie Sand am Meer und die Guten, also diejenigen, die wirklich Kunst betreiben und im klassischen Stil auflegen, bleiben oft auf der Strecke. Denn so ziemlich jeder denkt mittlerweile, er wäre DJ und könnte auflegen – was in Zeiten von DJ-Unterstützungsprogrammen und Laptops auch irgendwo stimmt. Aber Leute, die ein Gehör dafür haben, kriegen nach wie vor mit, wer was drauf hat und wer nicht.

Würdest du denn lieber mehr in Richtung Kunst gehen auf die Gefahr hin, dass du davon nicht mehr leben kannst, oder musst du diesen Kompromiss eingehen?
Schwierige Frage. Ich habe jetzt einen Status erreicht, an dem sich die Frage stellt, ob ich weiter als DJ arbeite oder nicht. Auch weil ich im nächsten Jahr mein Maschinenbaustudium beenden werde. Zurück zu gehen ist schwierig, denn man ist ja schon einmal in den Genuss gekommen, von diesem Traumjob leben zu können. Und dafür habe ich auch hart gearbeitet. Denn bei aller Liebe zum Beruf, sich die Nächte in Clubs rumzutreiben und das Richtige richtig zu spielen ist auch harte Arbeit.

Was der Außenstehende meistens nicht richtig mitkriegt.
Genau, man muss schon technisch fit sein, um zu bestehen. Aber vor allem braucht man ein Gespür dafür, welcher Song wann ins Set passt.

Was machst du denn, wenn dich dein Gespür mal verlässt? Du hast doch sicher so einige Back-Up-Songs in der Hinterhand, oder?
Natürlich. Es gibt genügend Songs, bei denen ich weiß, dass sie immer, egal wie der Abend läuft, funktionieren. Da ist dann sogar die Altersklasse egal, weil die Lieder einen so hohen Wiedererkennungswert besitzen. Auf derartige, tanzbare Songs greife ich so oder so gerne mal zurück, einfach, um den Aha-Effekt zu haben. Grundsätzlich weiß ich aber ganz genau, dass es in der Nachtresidenz früher oder später immer voll wird. Und daher halte ich mir die Tracks, die die Leute regelrecht auf die Tanzfläche ziehen, immer für etwas später zurück. Lieber versuche ich dann später mit den Songs, die Leute im Laden zu halten.

Mit wieviel Alkohol im Blut kannst du die Massen dennoch qualitativ hochwertig zum Tanzen bringen?
Das ist insofern eine gute Frage, weil ich nämlich gar keinen Alkohol trinke. Privat trinke ich vielleicht ein, zwei Mal im Jahr etwas. Und beim Auflegen habe ich mir das schon ziemlich früh abgewöhnt. Dafür bin ich abhängig von Red Bull, das ist eigentlich mein einziges Laster. Ich rauche nicht, trinke nicht, Drogen nehme ich sowieso keine – dadurch bin ich halt immer fit.

Dann bist du ja wahnsinnig fehl am Platz!
Das stimmt wohl. Gerade in der DJ-Szene, so sagt man sich ja gerne, sind Drogen weit verbreitet. Aber ich bin halt von Natur aus auch immer gut drauf. Wenn ich dann noch auflegen darf, blüht mir das Herz auf.

Apropos Aufblühen des Herzens: Was ist denn der schönste Moment für dich als DJ?
Wenn ich merke, dass die Leute ein Lied feiern, dass ich selber gerade total feiere, und beim Höhepunkt nach einem Break die Hände in der Luft sind und alles kreischt, bekomme ich schlagartig eine Gänsehaut. Das Feedback des Publikums pusht einen auch selber unglaublich, weil man genau weiß, dass man es richtig gemacht hat. Genau das ist auch die Bestätigung, die man am Abend haben möchte.

Wird man auch irgendwann etwas Selbstproduziertes von dir kaufen können?
Ich denke auf jeden Fall, dass ich auch aufgrund meiner musikalischen Ausbildung dazu in der Lage wäre, etwas Eigenes zu produzieren. Auch die Ideen sind da. Momentan stellt sich für mich nur die Frage, ob ich nach dem Studium direkt anfange zu arbeiten, oder ob ich mir erst mal Zeit für’s Produzieren nehme. Ich möchte aber früher oder später auf jeden Fall etwas Eigenes machen – allein für mich selbst.


Wir haben den Club Nachtresidenz besucht und mit vielen geredet, die den Club so einzigartig machen. Lest ihre Geschichten hier.


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