Corinna Schwiegershausen.jpg (c) Red Bull Photofiles/ Samo Vidic

Corinna Schwiegershausen ist fürs Drachenfliegen eigentlich gänzlich ungeeignet. Sie ist zu klein und zu leicht. Mittlerweile zweifelt aber niemand mehr an ihren Fähigkeiten...

Wenn Corinna Schwiegershausen von ihrem Sport erzählt, dann klingt das anders, als wenn das ein Fußballer tut. Ihre Stimme bekommt dann diesen federleichten Singsang, so als würden ihre Worte anfangen zu schweben – wie sonst nur sie selbst. „Fliegen ist für mich wie eine Meditation: höchste Entspannung und größte Konzentration. Das fühlt sich an wie im Karussell.“ Ihre Lust in die Luft zu gehen, nennt sie ihr „Vogel-Gen“. Ihr Limit ist der Himmel. Meteorologisch korrekt: die Wolkenuntergrenze. Auf bis zu 3500 Meter steigt Corinna mit ihrem Drachen, in den USA oder Mexiko, dort wo es die Thermik zulässt, gar auf bis zu 5000 Meter, dann aber nur mit Sauerstoffflasche.

Das wirklich Erstaunliche an der Karriere der nur 1,68 m großen und 50 Kilo schweren Extremsportlerin, die in ihrem eigentlichen Leben als Flugbegleiterin bei Lufthansa arbeitet: Sie ist eigentlich viel zu klein und viel zu leicht für ihren Sport. Und noch schlimmer: Sie leidet unter Höhenangst. Wenn das stimmt, was macht sie dann da oben? Corinna: „Ich will mich meinen eigenen Schwächen stellen. So bin ich nun mal. Wenn nichts mehr geht, dann lege ich los. Und sobald ich fliege, habe ich keine Angst mehr. Ich habe gerne viel Platz und Luft um mich herum.“ Corinna und die Elemente. Wasser macht ihr Angst, über Stock und Stein zu wandern war ihr zu langweilig, da blieb nur die dritte Dimension.

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Die Abenteurerin. Mit 16 Jahren nahm sie ihr Vater, selbst ein begeisterter Drachenflieger, zum ersten Mal mit zu einer Flugschule auf der Wasserkuppe bei Bremen, wo sie geboren und aufgewachsen ist. „Abenteuer in der ganzen Welt zu erleben“, schrieb sie als Kind in ihr Tagebuch. Klar, dass sie von da an die Füße unter dem Boden verlieren wollte. Zwei Jahre später durfte sie, endlich volljährig, ihren ersten eigenen Drachen lenken, weitere drei Jahre später flog Corinna ihren ersten Wettbewerb.

 

Seitdem sind 17 Jahre vergangenen, in denen sie zum größten Star des Drachenfliegens in Deutschland aufgestiegen ist. Aber was heißt schon Star, in einer Sportart, die nicht im Fernsehen zu sehen ist. Viele Bewunderer sehen in ihr trotzdem eine Art Steffi Graf und Jeanne’ Arc der Lüfte, weil sie durch ihre Erfolge die Geschlechterklischees durcheinander wirbelt und inzwischen so gut fliegt wie die weltbesten Männer. Vor vierJahren belegte sie bei den offenen bayerischen Meisterschaften den zweiten Platz. Weil die männlichen Piloten sich brüskiert sahen, ordnete der Veranstalter kurzerhand eine gesonderte Siegerehrung für Männer und Frauen an. Bei den offenen Hessenmeisterschaften gewann sie dann und keiner wagte es mehr, der Siegerin ihren wohlverdienten Respekt mit einer gemeinsamen Ehrung zu verweigern.

 

 

 


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