Hahnenkamm Rennen Red Bull

Am Samstag steigt das Hahnenkamm-Abfahrtsrennen in Kitzbühel. Extrem-Skifahrer Axel Naglich hat für alle Amateure, die einmal die Streif bezwingen wollen Tipps, wie man die halsbrecherische Abfahrt meistert.

Nach dem Abbau der Tribünen und der (meisten) Fangnetze heißt es auch für Skitouristen: „Alles Streif!“ Obwohl: Ein Vergnügen ist die pickelharte Piste nur für jene, die echt Ski fahren können, sagt Vize-Renndirektor Axel Naglich. In vollem Tempo können Passagen wie Mausefalle oder Oberhausberg nicht genommen werden, „außer du hast einen Vogel und vier, fünf Freunde, die dir an den Schlüsselstellen den Weg freihalten“. Liegt genügend Schnee, dürfen Hobbyläufer Teile der Streif bereits vor dem Rennen bewältigen: Publikumsverkehr ist die beste Präparierung. Wer Schneid hat und ein wenig Rennerfahrung, der tritt bei Naglich und Ernst Hinterseer jun. zum Vorläufercasting am Ganslernhang an. Wer besteht, kriegt zwei Tage Spezialvorbereitung und erlebt die Rennwoche als fix akkreditierter Vorläufer (und damit quasi als VIP). Naglich: „Das ist Spaß im knallroten Bereich.“ Start und Mausefalle

Der wichtigste Rat von Axel Naglich zu Beginn: die Strecke nicht unterschätzen. Da kommt die berühmte Mausefalle – hier springt Bode Miller – als erste Herausforderung gerade rechtzeitig. Der Sprung in die Tiefe ist kurioserweise nicht so wild, schwört Naglich. Man landet wegen der Steilheit des Hangs im Steilen, was die Übung besser beherrschbar macht.

Steilhang
„Auf der Ideallinie ist selbst diese Passage für Hobbyläufer gar nicht schlimm“, so Axel Naglich über die stets pickelharte Schlüsselstelle, „leider gerät man schnell neben die Piste.“ Wer trotz guter Kanten am Schuh abrutscht (weil der Hang so steil ist), hat den klassischen Innenskifehler begangen. Drum: alle Power auf den Talski!

Gschöss
Der Ziehweg bis zur alten Schneise hin ist der flachste Teil der Strecke: Hier können es sogar Anfänger so richtig tuschen lassen (vor allem, wenn die Piste in den ersten Tagen nach dem Rennen teppichglatt ist). Die Einfahrt ins Gschöss wurde heuer verbreitert und mit einem speziellen Netz gesichert: Ungeniert Schwung holen ist damit völlig ungefährlich.

Alte Schneise und Seidlalm
Ein guter Skifahrer ohne Rennvergangenheit verliert auf der Streif pro Kurve zwei bis drei Sekunden auf die Abfahrtsstars. Das summiert sich am Ende auf 40 bis 45 Sekunden – theoretisch, wenn die Strecke gesperrt wäre. Axel Naglich: „Da ist man schon knackig unterwegs.“ Noch mehr knackt es bei Didier Cuche (SUI ), dem Sieger von 2010 und 2008.

Lärchenschuss
Im Mittelteil der insgesamt 3,3 Kilometer langen Strecke vom Hahnenkamm hinunter ins Tal darf der Hobbyläufer nicht zu viel Kraft in seine Fahrt investieren: Sonst ist er „blau“, ehe die endgültigen Herausforderungen beginnen. Genau in diesem Mittelteil gewinnen austrainierte Rennläufer logischerweise die meiste Zeit.

Hausberg
Vom Skitechnischen her ist der Hausberg mit seinem Sprung eine der Herausforderungen. Wer es als Amateur in den erlauchten Kreis der Vorläufer gebracht hat, besichtigt diesen Streckenteil besonders intensiv: Hohes Tempo und bereits nachlassende Konzentration und Kondition sind eine gefährliche Melange.

Zielschuss
Nach einer wilden Querfahrt vom Hausberg herüber geht’s zur Einfahrt in den Zielhang. Mit jedem Tag nach dem Rennen werden diese Passagen rippiger und unbarmherziger. Einmal, erzählt Naglich, hat es hier einen Skifahrer aus den Schuhen gebeutelt. Dann stand er da, verloren in roten Socken, und die Skier sausten ohne ihn talwärts. Beim letzten Sprung sehen wir Kristian Ghedina (ITA).

Im Ziel
Ein talentierter Hobbyläufer sollte die Streif in 2:30 bis 2:40 Minuten zähmen – 1958 hätte er mit dieser Zeit noch um den Sieg mitfahren können. Am stilechtesten gefeiert wird dieser Erfolg im Pub „Londoner“, obwohl sich in Kitz viele Möglichkeiten bieten, so der Kitzbühler Axel Naglich: „Der ganze Ort ist eine schlecht getarnte Mausefalle.“
 
 

 

 


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