Sue Austin (c) Norman Lomax

Sue Austin geht auf Tauchstation. Das Besondere daran: Sie sitzt im ersten düsenbetriebenen Unterwasser-Rollstuhl der Welt und ist damit schneller als ein Taucher und beweglicher als ein U-Boot. Die querschnittgelähmte Britin spricht im Interview über Loopings und das ekstatische Gefühl, völlig ausbalanciert zu sein.


Wie kamst du auf die Idee, einen Unterwasser-Rollstuhl zu konstruieren?

Ich sitze seit 1996 im Rollstuhl. Trotz meiner Behinderung liebte ich das Tauchen, wenn es auch nur eingeschränkt möglich war. Irgendwann fiel mir auf, dass eine Tauchausrüstung die Möglichkeiten der Fortbewegung in einem menschenfeindlichen Terrain erweitert – genauso wie es ein Rollstuhl für Menschen mit Behinderung tut. Der Unterschied ist, dass Tauchen als etwas Spektakuläres und Abenteuerliches gesehen wird, während Menschen im Rollstuhl eher mitleidsvoll betrachtet werden. Ich wollte diese beiden technischen Geräte kombinieren. Deshalb entwarf ich diesen Rollstuhl, der ein Sportgerät für gehandicapte Leute ist und nicht bloßes Fortbewegungsmittel für Behinderte.

Was war die größte technische Herausforderung?
Am Anfang meinten die Ingenieue,. dass meine Idee nicht umsetzbar sei. Für mich war das genau die richtige Motivation, um diese Herausforderung anzugehen. Ich fand dann selbst heraus, dass ich Höhenruder auf den Fußplatten des Rollstuhls benötige, um ihn zu stabilisieren – und ein Antriebssystem auf der Unterseite der Sitzfläche.

Inwieweit ist der Rollstuhl unter Wasser wirklich beweglich?
Viel mehr, als ich es selbst je erträumt habe. Ich kann sogar Loopings machen und Spiralen, in dem ich das Auftriebs-Kontrollsystem einsetze. Manche Leute meinten, meine Bewegungen sähen aus wie Unterwasser-Ballett. Das Lustige ist, dass mir andere Taucher gar nicht folgen können – ich habe zwar ein Handicap, dafür aber zwei Motoren.

Also passt dein Projekt in die Kategorie „Pimp my wheelchair“.
Diese Beschreibung höre ich nicht gerne. Irgendjemand nannte mich „Die Meerjungfrau im aufgemotzten Rollstuhl“, vor allem wegen meinen langen Haaren. Natürlich wollen wir Aufsehen erregen, deshalb trage ich unter Wasser bei meinen Performances ein Kleid. Aber es gibt nichts Schöneres als Leute ohne Handicap, die sagen: „So ein Ding muss ich haben.“

 

null  

 

Wie fühlt es sich an, den Rollstuhl durchs Wasser zu steuern?
Fast ekstatisch, vor allem, wenn man völlig ausbalanciert ist. Mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, ohne meinen schwebenden Untersatz zu tauchen (Lacht.). Es ist fast so, als ob man in eine andere Dimension transzendiert.

Warst du immer ein abenteuerlustiger Mensch oder hat dich erst dein Handicap verändert?
Ich bezeichne meinen Rollstuhl als Portal, weil er mein Bewusstsein erweitert hat. Er hat mich völlig verändert, zu einer Person gemacht, die für jedes Problem eine kreative Lösung sucht. Ob er mir meine Körperlichkeit zurückgab? Auf jeden Fall.

Hast du vor, weitere Rollstühle für den Verkauf anzufertigen?
Es stehen noch einige Patente aus und wir würden gerne noch einen Sponsor an Land ziehen, der uns hilft, die Finanzierung für die Massenproduktion aufzustellen. Mithilfe der Gelder könnten wir eine komplette Gesichtsmaske zur Atmung entwickeln – und einen Joystick zur Steuerung.


Holy Shit - diese Storys könnten dich interessieren:

Mehr Infos zu Sue Austin:

 


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Es sind nur 2000 Zeichen erlaubt :
    Gib das Wort auf der linken Seite ein und klicke auf "Kommentar abschicken".

    Artikel Details