Line & Loopings: Kunstflug um Highline-Rekord!

Alex Schulz läuft eine 250 m Highline – und Air Racer Kirby Chambliss umkreist ihn mit Loopings!
Mann auf der Line, Mann im Flieger um die Line! © One Inch Dreams / Clemens Augustin
Von Sissi Pärsch

Ein mexikanischer Berg namens Ziegentitten, einer der weltbesten Highliner und einer der weltbesten Kunstflieger: Ausreichend Material für ein Luft-Spektakel de Luxe! Am wunderschönen Cerro Tetakawi lief Weltrekordler Alexander Schulz von der OneInchDreams-Crew eine 250 Meter lange Highline in 100 Meter Höhe. Unter ihm durch (und um ihn herum) flog dabei Red Bull Air Racer Kirby Chambliss. Gewaltig! Wir haben Alex zu seinem Gang mit Flugbegleitung ausgefragt:

Sensationell schön: Der Tetakawi in Mexiko. © One Inch Dreams / Johannes Olszewski

Alex, was habt Ihr (schon wieder) getan?
Zusammen mit meinen Teamkollegen Johannes und Clemens von One Inch Dreams habe ich am Cerro Tetakawi (mexikanisch für Ziegentitten) in Sonora (grenzt an Kalifornien) eine 250 m lange und knapp 100 m hohe Highline gespannt. Dann ist Kirby Chambliss – ein ungemein krasser Kunstflieger aus den USA – drunter durchgeflogen, während ich darauf stand.

Nur einmal drunter durch und das war’s?
Nicht ganz! Nach den ersten Eingewöhnungsflügen ging’s richtig rund: Neben Drehungen und Kopfüberflügen hat er dann seine Loopings um mich herum gezogen – und hatte noch einen Heli dabei...

Kirby kam auch in Begleitung eines Helis. © One Inch Dreams / Clemens Augustin

Woher kennt Ihr Kirby und wie kamt Ihr auf die Idee?
Kirby kannte ich bisher nur durch seine legendären Manöver beim Red Bull Air Race. Das Projekt kam so: Die mexikanische Filmagentur Altius hat mir ein Bild von dem Spot geschickt und gefragt, ob ich Lust auf diese Line hätte. Ähm, jawoll bitte! Diese Line ist sensationell schön!
Kurz vor Abflug kam plötzlich der Gedanke mit Kirby auf den Tisch. Wir haben schon öfter darüber nachgedacht, wie man Slacklinen mit anderen Sportarten verbinden könnte. Die Idee war schlichtweg genial

So sieht Kirby die Welt. © Armin Walcher / Red Bull Content Pool

Was war die große Herausforderung dieses Mal?
Für Johannes und Clemens der Aufbau der Line mit viel Schlepperei und Kletterei durch wildes Gebüsch. Für mich beim Laufen war die größte Herausforderung, mich nicht vom Flugzeug einschüchtern zu lassen und zu fallen. Das erste Mal flog Kirby richtig schnell durch, das wirkt schon etwas beängstigend...

Auch ein wenig eine Ablenkung, kann man sich vorstellen...
Und wie! So ein laut röhrendes Objekt, das nah an dir vorbeifliegt... Bei einer Line dieses Kalibers (vor einem Jahr war das noch Weltrekordlänge) hast du eigentlich schon genug damit zu tun, dich auf deine Bewegungen und die der Line zu konzentrieren. Aber ich hab mich an die Line gewöhnt und konnte mich sogar seitlich drehen, um Kirby ganz bewusst dabei zuzuschauen, wie er auf mich zurast.

Alex (oben) und Kirby (unten). © One Inch Dreams / Clemens Augustin

Angst?
Einmal um ihn! Bei einem Manöver war ich überzeugt davon, dass er abstürzt! Er ließ sich ewig weit mit ausgeschaltetem Motor nach unten fallen. Gerade als ich dachte „Jetzt zerschellt er auf dem Meer“, hat er dann doch noch hochgezogen...

Wie habt Ihr miteinander kommuniziert?
Klingt komisch, aber wir haben uns überhaupt nicht persönlich getroffen. Dafür war keine Zeit. Und die Kommunikation über Funk war tricky. Ich hatte zwar ein WalkieTalkie in der Tasche, aber keinen direkten Funkkontakt zu ihm. Das lief über Umwege, so dass ich nicht immer wusste, wann genau er das nächste Mal vorbeifliegt. Dadurch war ich für gut eine Stunde ununterbrochen auf der Line.

Nochmal im Sonnenuntergang ohne Motoren. © One Inch Dreams / Johannes Olszewski

Klingt brutal anstrengend!
War es auch – aber auch gutes Training für meine nächstes Vorhaben. Ich will mir den Highline- und Waterline-Weltrekord zurückholen. Und als Erster eine 1 Kilometer lange Slackline durchlaufen.
Übrigens: Ich bin die Line hier in Mexiko in beide Richtungen durchgelaufen, aber zufällig nur mit Rucksack. Damit ist diese Line am Tetakawi nicht nur die längste Highline Lateinamerikas, sondern auch noch die längste mit einem Rucksack gelaufene Highline.

Was man in Mexiko macht: Abhängen mit Freunden. © One Inch Dreams / Johannes Olszewski

Verrückter Rekord an einem wunderschönen Ort. Zum Schluss noch was für uns zum Träumen bitte:
Wir haben zu 99% Sonnenschein bei perfekten Temperaturen. Während es daheim in Deutschland gerade angefangen hat zu schneien, sind wir bei 20° ins Meer gesprungen. Die Landschaft ist traumhaft. Das Beste sind aber die Leute hier. Die sind tiefenentspannt und extrem nett. Das gilt nicht nur für die Mexikaner, sondern auch die amerikanischen und kanadischen Emigranten, die hier leben. Das könnte ich mir auch echt gut vorstellen... Wiederkommen werde ich auf jeden Fall möglichst bald, ich bin in diesen paar Tagen Mexiko-Fan geworden!

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