Afrikas andere Seite: kreativ, innovativ, stark!

Das ist Afrika: Ein Kontinent voller Kreativität versammelt in einem Buch voller Inspirationen.
In die Zukunft entwickeln: Nlè’s Wasserarchitektur © Kunlé Adeyemi NLÈ / Gestalten Verlag 2016
Von Sissi Pärsch

Die Nachrichten zeigen eine Seite Afrikas, der Gestalten-Verlag mit Africa Rising eine andere. Das frisch erschienene Werk präsentiert auf 336 bildgewaltigen Seiten die Arbeiten von Künstlern, Architekten und Designern von Marokko bis nach Südafrika. Pulsierend, kraftvoll, innovativ – wir zeigen ein Best Of...

Die Zukunft der Architektur

Unausweichlich: Leben mit dem (und im) Wasser. © Kunlé Adeyemi NLÈ / Gestalten Verlag 2016

Architektur im Angesicht des Klimawandels und der Urbanisierung. Kunlé Adeyemi ist in Nigeria geboren, studierte in Lagos (der bevölkerungsreichsten Stadt Afrikas) und arbeitete über ein Jahrzehnt mit Star-Architekt Rem Kohlhaas. Das Eis schmilzt, die Bevölkerung wandert – und Nlé sucht nach funktionellen Lösungen. Makoko School in der Lagune von Lagos ist eine „Floating School“, die sich mit Flut und Ebbe mitbewegt und vielseitig nutzbar ist.

Wiederbelebender Markt

Welcome tot he Neighbourgood! © Nikki Zakkas / Gestalten Verlag 2016 Seite 115

Jeden Samstag findet in Braamfontein, einem einst verfallenen Stadtteil von Johannesburg, der Neighbourgoods Market statt. Und jeden Samstag kommen über 5.000 Menschen. In dem Gebäude finden sie Kulinarisches, Kunst, Handwerk und Mode. Primär geht es aber nicht um Shopping, sondern vielmehr um den Austausch und das Zusammenkommen. Immer wieder gibt es spezielle Events sowie Night Markets.

Kasbah am höchsten Berg

Thronendes Kasbah im Atlasgebirge. © Alan Keohane / Gestalten Verlag 2016

Inmitten des marokkanischen Atlasgebirges, nahe des Toubkal Nationalparks liegt das kleine Dorf Imlil auf 1.740 m. Ganz oben thront das ursprüngliche Kasbah du Toubkal, das in den 1990ern von Einheimischen – von den Ornamenten über die Steinwege bis zum Hammam –aufwendig renoviert und hergerichtet wurde. In dem besonderen Hotel kommen heute primär Trekking-Touristen unter oder dient als „Basislager“ für Bergsteiger, die auf den Jbel Toubkal (4.167 m), den höchsten Berg Nordafrikas, wollen. Das Hotel engagiert sich zudem für die Dorfgemeinschaft und finanzierte u.a. eine Krankenstation und eine funktionierende Müllentsorgung.

Tütenkunst

Einheitswohnraum mit Tüten-Botschaft. © Nobukho Nqaba / Gestalten Verlag 2016 170/172

Alles aus einer Sache: Die Künstlerin Nobukho Nqaba arbeitet mit den gemusterten Plastiktaschen, die so viele Menschen in Afrika (und rund um die Welt) mit Migration, Heimatlosigkeit, Armut und Menschen am Rande der Gesellschaft in Verbindung bringen. In der Sprache der Xhosa, einem südafrikanischem Volk, werden sie Umaskhenkethe genannt – so lautet auch der Name ihrer Serie. In Nobukhos Arbeit sind sie allgegenwärtig als Symbol des Kampfes, aber auch der Hoffnung.

Augenöffner

Aus Alt mach Cool © SMAC Gallery, South Africa / Gestalten Verlag 2016 189

Cyrus Kabiru stammt aus Nairobi und hat für seine C-Stunners Serie Sonnenbrillen aus alter Verpackung und Müll designt. Eine Demonstration, welche neue, futuristische Ästhetik aus scheinbar Verbrauchtem, Altem, Entsorgtem entstehen kann. Die Brillen als Augenöffner...

Afrika und das All

Photo-Inszenierung wahrer Wissenschaftshistorie. © Christina de Middel, Institute / Gestalten Verlag 2016 Seite 234

Die Fotografin Christina de Middel inszenierte in ihrem Projekt Afronauts die Geschichte des sambischen Wissenschaftler Edward Makuka. Er war ein Vorreiter in vielen Bereichen und gründete 1960 die Zambia National Academy of Science, Space Research and Philosophy. Sein großer Plan war es jedoch, eine Rakete ins All zu entlassen. Die 17-jährige Matha Mwambwa sollte mit zwei Katzen auf dem Mond landen – einen Trip zum Mars hatte er ebenfalls geplant. Die Fotos zeigen einen Afronaut umgeben von stereotypisch afrikanischen Objekten wie auch wissenschaftlichen Apparaten.

Junge Mode

African Style: selbstbewusst und lässig. © Adebayo Oke-Lawal Tope Horpload / Gestalten Verlag 2016

Orange Culture ist ein Fashion-Label aus Nigeria, das inzwischen weltweit auf den Laufstegen und den Medien zu sehen ist, von der Vogue bis zur New York Times. Der Kreativdirektor Adebayo Oke-Lawal ist gerade einmal 26 Jahre, hat schon als 10-Jähriger Mode entworfen und Orange Culture 2011 gegründet. Für ihn ist sein Label nicht nur Bekleidung, er sieht es vielmehr als Bewegung des selbstbewussten, kreativen, modernen Nomaden, der stets auf Entdeckungsreise ist. Er kombiniert afrikanische Einflüsse mit westlichen Klassikern.

Africa Rising

Beeindruckendes Buch, beeindruckender Kontinent! © Gestalten Verlag 2016

Auf 336 Seiten stellt der Berliner Gestalten Verlag in Zusammenarbeit mit Design Indaba (auf Englisch) zig spannende Projekte vor. Das Buch umspannt den gesamten Kontinent, zeigt die künstlerische, kreative Vielfalt und somit auch eine kraftvolle, selbstbewusste Seite Afrikas, die in der Medienberichterstattung vollkommen unterzugehen droht. Das Hardcover-Werk ist frisch erschienen und kostet 39,90 Euro.

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