Brite bricht den Ärmelkanal-Rekord: Bei Nacht!

Howard James hat sich durch das 13 Grad kalte Wasser gekämpft, um einen neuen Rekord aufzustellen.
Howard James schwimmt im Ärmelkanal © Danny Burrows
Von Danny Burrows / Astrid Heinz

Wer hätte das gedacht: Auf dieser Welt haben sich schon mehr Leute auf den Mount Everst gewagt, als den Ärmelkanal durchschwommen. Einer dieser wenigen heißt Howard James und er hat diesen Meeresarm des Atlantiks nicht nur einmal durchschwommen, sondern schon zwei Mal. Und das bei eisigkalten Temperaturen.

Um ein Uhr morgens hat er sich auf den langen Weg gemacht, um von England nach Frankreich zu schwimmen. Der Grund, warum Howard sich das alles antut, ist ein trauriger: Er und seine Frau Esmari haben im Jahr 2015 ihre kleine Tochter verloren und Howard tut nun alles, um Geld für The Alexa Trust zu sammeln, ein Charity-Projekt, im Andenken an sein kleines Mädchen.

Das ist die Geschichte eines Rekordes.

Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen

Howard James unter ständiger Beobachtung © Danny Burrows

Am 3. November 2016 hat Howard James den Ärmelkanal in 11 Stunden und 38 Minuten durchschwommen. Damit hat er den Rekord gebrochen, den Mike Reed 1979 aufgestellt hat.

Die Wiederholung

Letzte Vorbereitungen auf dem Boot © Danny Burrows

Howard James ist den Ärmelkanal an diesem Tag nicht zum ersten Mal durchschwommen. Am 16. Mai hat er bereits den Weltrekord für die zeitigste Durchquerung gebrochen: In 13 Stunden und 13 Minuten im neun Grad kalten Wasser.

Ohne Schutzanzug überlebt ein Mensch bei diesen Temperaturen maximal sechs Stunden. Innerhalb von zehn Minuten stellen sich motorische Störungen ein und nach ein bis zwei Stunden kämpft man gegen Erschöpfung und Bewusstlosigkeit.

Kein Wetsuit erlaubt

Howard darf nur Badehose tragen, keinen Wetsuit © Danny Burrows

Sich mit Gänsefett einzucremen schützt – entgegen der landläufigen Meinung – nicht dauerhaft vor Kälte. Die Schwimmer dürfen, wenn sie einen Rekord aufstellen wollen, nur eine Badehose, eine Schwimmbrille und eine Badehaube tragen.

Ziemlich zeitig, ziemlich kühl

Howard schwimmt im Sonnenaufgang © Danny Burrows

Als sich Howard um ein Uhr morgens bei Shakespeare Beach (Dover) in die Fluten geworfen hat, war es die kälteste Nacht in diesem Herbst. „Die ersten beiden Stunden waren die schlimmsten“, sagt er. „In dieser Zeit hat sich mein Körper akklimatisiert und ich musste mich erst an die Bedingungen im Meer und mit dem Boot neben mir gewöhnen. Außerdem spürte ich ständig den kalten Wind auf meinem Rücken.“

Essen … Unmengen an Essen

Howard James macht eine kleine Snack-Pause © Danny Burrows

Während ein Schwimmer den Ärmelkanal durchschwimmt, verbraucht er bis zu 1.000 Kalorien pro Stunde. Also muss die Crew stets bereits sein, um dem Athleten Essen und Trinkflaschen zuzuwerfen. Zu fangen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man kein Gefühl mehr in den Händen hat.

Howard hat alle 50 Minuten gegessen und alle 25 Minuten einen einminütigen Sprint hingelegt. „Das hat die Monotonie durchbrochen und das Blut in Wallung gehalten“, sagt er.

Eiskaltes Training

Auch der Kapitän hat ein Auge auf Howard © Danny Burrows

Das richtige Training ist eine der wichtigsten Komponenten und Howard hat sich einem harten Programm unterzogen, während er weiter seinem Brotjob als Gerüstbauer nachgegangen ist. „Anfangs hab ich bei der Arbeit keine Pullover mehr angezogen. Dann bin ich nachts öfter für ein oder zwei Stunden schwimmen gegangen, um mich an den Temperaturunterschied zu gewöhnen. An Sonntagen bin ich um fünf Uhr morgens aufgestanden, um vier Stunden schwimmen zu gehen, nachdem ich Samstag schon sechs bis sieben Stunden geschwommen bin. Ich wollte mein ganzes System mit den zeitigen und kalten Starts schocken.“

Lange 33,3 Kilometer

Eine Karte mit den Gezeiten © Danny Burrows

Die kürzeste Distanz zwischen Dover und dem felsigen Cap Griz Nez in Frankreich beträgt 33,3 Kilometer. Bloß kann man den Ärmelkanal wegen der starken Gezeiten nicht auf direktem Weg durchschwimmen. Wenn es um Ebbe und Flut geht ist vor allem das Wissen des Kapitäns gefragt.

Der ganze Verkehr …

Howard nähert sich den Schiffswegen © Danny Burrows

Der Ärmelkanal ist die meistbefahrene Seestraße der Welt, mehr als 500 Schiffe fahren hier jeden Tag durch. Als Howard sich den Schiffswegen näherte, hatte er bereits das Gefühl in den Extremitäten verloren, aber er kämpfte weiter.

So nah und doch so fern

Auf dem Weg zu neuen Ufern © Danny Burrows

Howard war gut in der Zeit, bis sich kurz nach der letzten Bake vor Cap Griz Nez die Strömung änderte und er in nördliche Richtung vom geplanten Landepunkt abgetrieben wurde. „Ich hoffte, dass ich dadurch schneller ans Ziel komme“, erinnert er sich.

Erledigt und geschafft

Die Crew hilft Howard an Bord © Danny Burrows

Howard James – der 1,90 Meter große Hüne mit Händen so groß wie Bratpfannen, hat es geschafft! 11 Stunden und 38 Minuten nachdem er in Dover ins Wasser gegangen ist, ist er in Fankreich wieder an Land gegangen.

Nur noch drei

Howard James erreicht die französische Küste © Danny Burrows

„Ich denke, dass ich noch drei Marathons vor mir habe“, sagte Howard, als er bei einer Gala der Ärmelkanal-Swimming-Association in Dover geehrt wurde. „Ich bin aber nicht hinter den Ocean’s Seven her, sondern hinter meinen persönlichen sieben.“

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