Interview mit Jason Paul zu Styles & More

Parkour & Fly: Jason sammelt keine Meilen, sondern Style-Punkte.
Von Henner Thies

„Wenn du was tust, tu es mit Style!“ Dieses Zitat mag das einzige sein, was Jason Paul mit Freddie Mercury verbindet und doch beschreibt es Deutschlands Freerunning-Ass treffend. Selbst Flüge verpasst der 25-Jährige mit einer gesunden Portion Style. Im Interview verrät er, wie viele Flieger bis dato ohne ihn gestartet sind, wie man sich die Wartezeit in Terminal und Flugzeug stilsicher vertreibt und wer ihn beim Dreh zu „Last Call for Mr Paul“ inspiriert hat.

Last Call For Mr. Paul: alle Clips und alle Stories

Jason, Vielflieger, der du bist: In wie vielen Flugzeugen wirst du bis Jahresende gesessen haben?

Puh, das müssen wir zählen... Emily, wie viele Flüge werden es dieses Jahr?
Emily (Anm. d. Red.: Jasons Freundin): 34.
Da hast du’s – 34. Keine Ahnung wie viele Meilen wir auf 34 Flügen zurückgelegt haben. Definitiv zu viele! (lacht)

Was war dein nervigstes Flughafen-Erlebnis?

Das war dieses Jahr als wir von Bangkok über Shanghai nach Tokio fliegen wollten. Wegen des Smogs konnten wir nicht in Shanghai landen und mussten woanders zwischenlanden. Dort standen wir dann fünf Stunden auf dem Rollfeld, bevor wir nach Shanghai weiter durften. Weil dort zehn Flieger gleichzeitig angekommen sind, war das Umsteigen in die Maschine nach Tokio eine absolute Katastrophe. Am Ende haben sie alle, die ein Anschlussticket wollten, ohne Visum ins Land gelassen, damit sie sich direkt bei der Airline das Ticket holen. Am Flughafen hatten sie die Kapazität nicht. In Tokio sind wir dann an einem völlig anderen Flughafen gelandet...

Jason Paul © Jaanus Ree

„Sobald ich ausgerufen werde, stelle ich mir vor, ich stecke in einem Videospiel, in dem das Ziel ist, möglichst schnell von A nach B zu kommen und so viele Menschen zu überholen wie möglich.“

Jason Paul

Dagegen ist einen Flug verpassen ja ein Klacks! Wie viele Flüge hast du in deinem Leben bisher verpasst?

Boah – fünf bis sechs. Aber das ist halb so wild. Man muss halt ein neues Ticket kaufen, aber über solche Dinge bin ich schnell hinweg. Wahrscheinlich, weil ich immer selbst Schuld bin (lacht)... Meistens denke ich, ich habe fertig gepackt, muss dann aber mein Portemonnaie, meinen Pass oder mein Handy suchen. Bis ich die Wohnung durchsucht und die Dinger gefunden habe, vergeht meist eine halbe Ewigkeit und der Flug ist weg.

Welche Tipps kannst du Passagieren geben, die ebenfalls zu spät sind, aber keine Freerunning-Fähigkeiten besitzen?

Beten (lacht)... Alternativ kann man sich vorstellen, dass man in einem Videospiel feststeckt, in dem es das Ziel ist, möglichst schnell von A nach B zu kommen und auf dem Weg so viele Menschen zu überholen wie möglich – bei mir klappt das manchmal. Meine persönliche Version von Mission Impossible. Sehr aufregend, kann ich nur empfehlen. Was immer hilft, ist mit wenig Gepäck, wenn möglich nur Handgepäck zu reisen.

Jason Paul © Jaanus Ree

Was machst du – wenn du mal nicht zu spät kommst – um die Wartezeit am Flughafen zu verkürzen?

Ich nutze die Wartezeit immer, um Videos zu schneiden und mich um meinen Instagram- und Facebook-Account zu kümmern. Da habe ich Zeit, Fragen zu beantworten und Bilder hochzuladen. Was ich auch gerne mache, ist mich dehnen oder meine Muskeln ausrollen – meinen Körper warten, wenn man so will (lacht). Die dazu nötige Foam-Roll habe ich immer dabei!

Was macht eine Flughafen zu einem ganz besonderen Freerunning-Paradies?

Das Spannendste ist, dass Freerunning an Flughäfen im Grunde verboten ist. Eigentlich schade, weil man die spezielle Architektur, die ein Flughafen, vor allem der Flughafen München mit sich bringt, hervorragend nutzen könnte (lacht). Bisher habe ich an jedem Flughafen, an dem ich war, mindestens einen coolen Spot gesehen. Natürlich haben wir auch schon versucht, an Flughäfen rumzuspringen, aber da heißt es sofort: Schluss, sonst fliegt ihr raus.

Jason Paul © Jaanus Ree

„Am Flughafen München an all den streng verbotenen Locations loslegen zu dürfen war genial. Am verrücktesten war der Sprung vom Gangway ins Flugzeug – das sind Erlebnisse, die mir für immer bleiben werden.“

Jason Paul

Welcher Kinofilm hat euch in Sachen Verfolgungsjagd und Action inspiriert?

Für mich ist Jackie Chan die Inspiration schlechthin gewesen. Zur Vorbereitung auf den Dreh habe ich alle seine Filme angesehen insbesondere die Freerunning-Szenen, die darin vorkommen. Besonders hilfreich war, wie er Action und Story in seinen Stunts verbindet. Auch der thailändische Film Ong Bak hat einiges an Inspiration geliefert.

Mit welchem Trick hattest du während der Dreharbeiten am meisten zu kämpfen?

Die größte Challenge war es, seitlich in der Luft liegend an dem fahrenden Bus entlang zu rennen. Das war vom Timing her brutal schwer. Da haben wir einige Takes gebraucht, bis das Ding im Kasten war. Bis die Szene abgedreht war, wussten wir nicht, ob es überhaupt klappt. Am Ende haben wir auch diese Fantasie trotz Zeitdruck und schwindendem Sonnenlicht umgesetzt.

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