Die Reise zum entlegensten Punkt Australiens

Sei bei der ersten Paramotor-Expedition ins Herz des roten Kontinents dabei.
Von Ellie Ross / Astrid Heinz

Ein britisches Zwillingspaar hat es gewagt: Die erste Paramotor-Reise zum entlegensten Punkt Australiens, dem Red Pole. Hugo und Ross Turner haben dabei 1.600 Kilometer zurückgelegt und hätten es fast nicht mehr zurückgeschafft.

Hier kommt das unglaubliche Video einer unglaublichen Reise:

Drei Wochen lang waren die Turner-Twins unterwegs – danach haben wir sie zum Interview getroffen.

Ross (links) und Hugo (rechts). Oder umgekehrt? © The Turner Twins

Auf das Konto der 28-jährigen Zwillinge aus Devon (GB) gehen bereits einige große Abenteuer: 2011 sind sie über den Atlantik gerudert, 2014 haben sie Grönland durchquert und 2015 den Elbrus in Russland bezwungen.

Angesichts der Tatsache, dass Hugo sich bei einem Tauchunfall mit 17 Jahren das Genick gebrochen hat, sind diese Leistungen noch erstaunlicher. Wie durch ein Wunder hat er sich vollständig wieder erholt – das Leben der Zwillinge hat der Unfall aber nachhaltig verändert.

Ross und Hugo haben 1.600 Kilometer zurückgelegt © The Turner Twins

Hugo sagt: „Viele Leute überleben eine Verletzung, wie ich sie hatte, nicht. Ich hatte unglaublich viel Glück und will mein Leben jetzt voll ausschöpfen und das Maximum erreichen. Für all jene, die dazu nicht mehr die Möglichkeit haben.“

Ross ergänzt: „Hugo hat alles überstanden und das war der Beginn unserer Abentuer. Wir haben gelernt, wie kostbar das Leben ist.“

„Wir sind keine Piloten. Wir haben den Paramotor-Sport erst ein Jahr vor der Expedition kennengelernt und es war eine tolle Herausforderung“, sagt Ross.

Das tägliche Flug-Fenster war sehr klein © The Turner Twins

„Wir wollten unbedingt ins Herz von Australien vordringen. Das Land ist aber so groß und dieser Punkt ist so schwer erreichbar, dass Fliegen einfach die beste Alternative war. Ein Paramotor ist ideal, weil man schnell fliegt und er leicht zu handhaben ist. Du brauchst außerdem keinen Flugplatz und keine Lizenz dafür.“

Die Zwillinge waren täglich zwei bis vier Stunden in der Luft, begleitet von ihrem Fotografen und Paramotor-Lehrer Kestor Haynes. Auf ihrer Reise sind sie u.a. am Lake Eyre, der Simpson-Wüste und dem Outback vorbeigekommen.

Aufs Equipment zu achten ist oberste Pflicht © The Turner Twins

Die Vorbereitungen für die Reise haben ein volles Jahr in Anspruch genommen. Es galt die Route zu planen, die Regierung zu kontaktieren und mit dem Paramotor zu üben. Und wo liegt der abgelegenste Punkt nun? Nord-westlich von Alice Springs, in einem Gebiet, das als Red Centre bekannt ist. Die Zwillinge benannten das Ziel dann in Red Pole um.

Per Paramotor über Australien © The Turner Twins

Bei der Landung am Red Pole hat die Reise dann fast eine tragische Wendung genommen: Was auf den ersten Blick aussah wie ein perfekter Landepunkt, stellte sich als dichtes Buschwerk heraus. Eine gefährliche Situation, vor allem weil man auf solchem Terrain nicht wieder abheben kann.

Die Lösung: Kestor Haynes machte sich mit seinem kleineren und damit schnelleren Schirm auf, um ein Auto zu holen. Die Zwillinge mussten stundenlang in der stockfinsteren Wildnis ausharren, bis sie endlich abgeholt wurden.

Hugo im Outback von Australien © The Turner Twins

Ross: „Es zum Red Pole zu schaffen, war eine Sache. Doch bei der Landung tat sich ein neues, noch größeres Abenteuer auf. Diese Einsamkeit zu erleben, war großartig. Es war aber auch großartig, als wir endlich die Scheinwerfer von Kestors Auto sehen konnten.“

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