G.G.B.Y.: Wenn BASE-Jumping auf Highlining trifft

Wenn die Adrenalinjunkies in der Wüste von Utah zusammenkommen, wird Fortschritt groß geschrieben.
Von Mike Cianciulli

Alle Sportarten haben eines gemeinsam: Sie definieren laufend Grenzen neu und lassen das, was uns zunächst unmöglich erscheint, möglich werden. Was aber wäre, wenn es tief in der Wüste von Utah einen Ort gäbe, an dem die Grenzen verschiedener Sportarten gar verschwimmen und sich zu etwas gänzlich Neuem und Außergewöhnlichem vereinen? Wir haben die Antwort:

Die Rede ist also von G.G.B.Y. (Gobble, Gobble, Bitches, Yeah), bei dem sich jährlich Adrenalinjunkies aller Art um die sogenannte Fruit Bowl in der Nähe von Moab, einer Stadt in Utah, versammeln. Hier draußen gehört es zur Norm, dass sich Highliner nackt und in Schnorchelausrüstung auf die Line begeben oder sich Mountainbiker einfach eine über hundert Meter hohe Klippe runterwerfen.

„Das hier ist so etwas wie der Burning-Man des Kletterns, des Slack- und Highlinings und des BASE-Jumpings zusammen“, erklärt Red Bull Air Force-Mitglied Miles Daisher. „So viele verschiedene Sportarten treffen hier aufeinander und dieser Ort bringt sie alle auf einen Nenner. So etwas lässt sich nicht einfach im Hintergarten des Hauses deiner Eltern veranstalten. Es braucht viel Kreativität und Weitsicht, um einen solchen Ort zu finden.“

Dany Schmidt playing on the 720-foot line in Moab, Utah
Dany Schmidt spielt mit der Line © Katrin Bell/@katrinpbell

Es waren Mastermind „Sketchy“ Andy Lewis und seine Moab Monkeys – eine Gruppe von Athleten, die absolut keine Grenzen kennen – die diese Weitsicht mitbrachten. Jedes Jahr kamen sie rund um Thanksgiving zusammen, um auf Felsen zu klettern, Lines zu bespringen und einfach mal Spaß zu haben. Es dauerte dann nicht lange, bis Lewis und G.G.B.Y.-Co-Gründer Terry Acomb die Fruit Bowl entdeckten.

„Sie lässt sich am besten als ein riesiges Hufeisen aus Felsgestein beschreiben“, erzählt Daisher. „Die Klippen versammeln sich rund um eine tiefe Grube und sind um die 120 Meter hoch.“

Es geht darum, herauszufinden, was sich mit den existierenden Sportarten alles machen lässt und daraus neue Sportarten auf einem höheren Level zu kreieren.

Miles Daisher

Ein idealer Ort also, um es Sportarten wie Highlining und BASE-Jumping zu ermöglichen, sich weiterzuentwickeln. Immerhin hat auch der Highlining-Sport einen Vorgänger, ohne den es ihn erst gar nicht gäbe, nämlich das Slacklining. Auch Terry hat mit seiner Trainingseinrichtung in Colorado maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Slacklining-Athleten auf neue Höhen wagten.

Mickey Wilson dropping off a cliff on his mountain bike in Moab, Utah
Mickey Wilson wirft sich in die Fruit Bowl © Katrin Bell/@katrinpbell

„Was Highlining so anziehend macht, ist der Genuss darin, etwas zu tun, was so wirkt, als wäre es einfach nicht möglich“, erzählt Acomb. „Es ist nicht unbedingt schwer, es ist einfach etwas Neues. Wenn du dich auf der Slackline übst, dann machst du das einen Meter über dem Boden. Und dann kannst du das Ganze auf eine Highline verlegen und es noch viel großartiger machen.“

„In den letzten fünf Jahren haben sich Highliner immer mehr mit BASE-Jumping beschäftigt und anschließend haben sich BASE-Jumper wiederum Anleihen von den Highlinern geholt. Die Fruit Bowl ist der Kulminationspunkt und vereint beides auf spektakuläre Art und Weise.“

Andy Lewis finishing the installation of the space net in Moab, Utah
"Sketchy" Andy Lewis perfektioniert das Space Net © Katrin Bell/@katrinpbell

Doch es geht noch mehr! Die Kreativität von Lewis und seinem Team kennt noch lange kein Ende und das beweisen sie mit ihrem neuen "Space Net" zur Genüge. Dazu verwebten sie Fallschirmleinen, Seile und Gummibänder und platzierten dieses Netz in der Mitte der Fruit Bowl. Die G.G.B.Y.-Teilnehmer begeben sich über eine Highline auf das Netz, um auf 120 Metern Höhe etwas zu relaxen und anschließend mit dem Fallschirm abzuspringen.

„Das Space Net ist im Grunde die Weiterentwicklung von Highlining“, erklärt Daisher. „All diese Sportarten feiern dabei eine einzige große Party. Sie lernen und sie entwickeln sich weiter.“

Rilyn Vandemerwe walking on a highline naked with a snorkel and flippers in Moab, Utah
Rilyn Vandemerwe taucht in die Fruit Bowl © Katrin Bell/@katrinpbell

Der Fortschritt ist es also, der all die Adrenalinjunkies des G.G.B.Y. zum neunten Mal nach Moab, in die Wüste von Utah getrieben hat und mit jedem Jahr wird das Ganze nur noch größer.

„Während den ersten drei Austragungen passten wir alle um ein kleines Lagerfeuer“, erzählt Acomb. „Die letzten Jahre ist die Anzahl der talentierten Teilnehmer geradezu explodiert. Leute, die Yoga oder Musik machen, die um das Feuer tanzen…all diese unterschiedlichen Menschen fühlen sich von diesem Event angezogen. Wahrscheinlich motiviert die Community die Leute auch dazu, Dinge zu tun, vor denen sie sich sonst etwas zieren würden.“

Daisher hat das G.G.B.Y. aber wohl am besten auf den Punkt gebracht: „Es geht darum, herauszufinden, was sich mit den existierenden Sportarten alles machen lässt und daraus neue Sportarten auf einem höheren Level zu kreieren.“

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