Das MotoGP-Rodeo von Austin

Marc Márquez ist beim MotoGP Red Bull Grand Prix of The Americas ungeschlagen.
Das MotoGP-Rodeo von Austin
Das MotoGP-Rodeo von Austin © Gold & Goose/Red Bull Content Pool
Von Martin Datzinger

Diese Rennstrecke bietet weit mehr als die üblichen amerikanischen Suppentöpfe. Denn sie wurde von einer einheimischen Motorradlegende als wahre PS-Folterkammer auf texanischem Boden erdacht. Und sie erlaubt bei Mensch und Material keine Schwächen.

Das Kurvenreich des Kevin Schwantz

Entlang einer Runde um den Circuit of the Americas muss man wohl öfter einlenken als bei einer Durchquerung des restlichen texanischen Staatsgebietes! 20 Kurven und 40 Meter Höhenunterschied versammeln sich auf bloß 5,5 km Streckenlänge. Das alles ungewohnt gegen den Uhrzeigersinn. Mit zu verdanken haben wir dieses spektakuläre Layout Local Hero und 500er- Motorradweltmeister Kevin Schwantz.

Starten wie ein Harrier Jump Jet

Schon der Start ist einzigartig: Wie auf einem britischen Flugzeugträger geht es derart abrupt empor, dass der Polesetter eher mit Wheelies zu kämpfen hat als die weiter hinten stehenden Konkurrenten. Oben am höchsten Punkt der Strecke angekommen würde die Fuhre am liebsten abheben, also braucht es ebenso viel Mut wie Gefühl auf der Bremse, den blinden Scheitelpunkt der engen 150° Linkskurve richtig zu erwischen. Dabei sollte man weder einen Verfolger durchschlüpfen lassen, noch selbst einem Gegner in die Kiste fahren - so wie es letztes Jahr der untröstliche Dani Pedrosa an der MotoGP-Zielscheibe Andrea Iannone demonstriert hat.

Workout mit 8 Richtungswechseln

Der COTA gilt als die körperlich anstrengendste Strecke des ganzen MotoGP Kalenders. Wer beim Betrachten dieser Onboardaufnahme zwischen Kurve 2 und 9 keinen Schweißausbruch erleidet, hat noch nie ein Motorrad mehrfach von einer Schräglage in die andere geworfen. Oder ist selbst fit wie Marc Márquez. Jedenfalls ist es kein Wunder, dass das spanische Kraftpaket in Texas ungeschlagen ist!

Von 50 auf 350 und zurück in 21 Sekunden

In der Topspeed-Wertung von Austin haben die Formel 1-Flundern keine Chance gegen die 270 PS starken MotoGP Raketen. Entlang der 1 km langen Gegengeraden zwischen der Haarnadelkurve 11 und Ecke Nummer 12 werden sie gnadenlos ausbeschleunigt und um mehr als 20 km/h abgehängt. Noch brutaler geht es in der Bremszone zu - innerhalb von 2 Sekunden reißen die Piloten das Seamless-Shift Getriebe vom 6. in den 1. Gang durch, sodass die Bremsen aufglühen und Fahrer wie Anti-Hopping-Kupplung alle Hände voll zu tun haben, das Heck der Maschine halbwegs unter Kontrolle zu halten.

Infight im Infield, Party im Amphitheater

Die besten Überholgelegenheit bietet das Infield der Kurven 13/14, 15 und 16/17/18. Letztere bringen die rechte Flanke der asymetrischen Michelin-Reifen an ihre Grenzen, denn hier sind drei Scheitelpunkte und unterschiedliche Radien zu einem einzigen, endlos wirkenden Schwung verknüpft, der um das Wahrzeichen der Strecke führt: den 77 m hohen Tower samt 360° Panoramaplattform mit Blick auf die ganze Strecke, das Stadtgebiet von Austin und das direkt darunter liegende, 14.000 Besucher fassende Amphitheater.

Einmal Einbiegen für 3 Scheitelpunkte
Einmal Einbiegen für 3 Scheitelpunkte © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Wer schnappt Marc Márquez?

Zwei Brennpunkte bleiben übrig: Ein schneller Linksknick und eine superenge Ecke, die wieder links auf die Start-Ziel Gerade führt. Hier wird Marc Márquez seine zu erwartende Führung ein letztes Mal hart verteidigen müssen - vor allem gegen Intimfeind und aktuell WM-Führenden Maverick Viñales. Aber auch Altmeister Valentino Rossi, Marcs Teamkollege Dani Pedrosa und Pechvogel Andrea Dovizioso auf Ducati haben spätestens nach ihren Stürzen im vergangenen Jahr eine Rechnung mit dem Circuit of the Americas offen.

Sonntag Abend freihalten!

Wo kann man die Show am besten live miterleben? Am Sonntag ab 17:40 Uhr auf Servus TV, wie gewohnt in FullHD, begleitet vom Top Team rund um Andrea Schlager, Alex Hofmann, Gustl Auinger, Walter Zipser und Christian Brugger!

11. – 13. August: Die MotoGP am Red Bull Ring

Das Comeback der MotoGP am Red Bull Ring wurde 2016 als „Rennen des Jahres“ ausgezeichnet. Und 2017 wird noch besser, mehr als 200.000 Fans dürfen sich auf ein einzigartiges Spektakel freuen. Denn durch zahlreiche Fahrerwechsel und neue Regeln werden die Karten bei der Jagd auf den amtierenden Weltmeister Marc Márquez (Repsol Honda) völlig neu gemischt. Außerdem geht mit Red Bull KTM Factory Racing erstmals ein rein österreichisches Team an den Start und feiert ein historisches Heimrennen in der Königsklasse des Motorradsports. Weitere Highlights: die Rennen in den Klassen Moto2, Moto3 und im Red Bull Rookies Cup.

Die MotoGP live erleben – hier geht’s zu den Tickets.

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