Jahrescharts 2013 (3): Mojo Essentials

Die 15 besten Dancefloor-Hits des letzten Jahres - ausgewählt von Mojo-Resident-DJ Ralf Theil.

Mojo Club Hamburg

Der Hamburger Mojo Club ist eine Nachtlebenlegende. 1989 gegründet und 1991 auf den Kiez umgesiedelt, schloss er 2003 vorläufig seine Pforten. 2009 wurde das Haus, in dem in den Neunzigern die Revitalisierung von Jazz und Funk als Clubmusik stattfand, sogar abgerissen. Doch am 2. Februar 2013 öffnete der Club vier Stockwerke tief unter dem Vorplatz auf dem Grundstück Reeperbahn 1 erneut seine Pforten. Mojo-Resident-DJ und Autor Ralf »djmq« Theil wählt die 15 größten Dancefloor-Hits des Comeback-Jahres.

1. Mop Mop: Run Around (feat. Fred Wesley & Anthony Joseph)

Ist das ein Gitarrenbeat? Auch ganz ohne Drums ist „Run Around“ ein persönlicher Sureshot des Jahres, den man nicht so leicht wieder aus dem Kopf kriegt. Luftiger, hypnotischer Voodoo-Funk und ein Fred Wesley-Posaunensolo obendrein. Alles richtig.


2. Souleance: BBQ & Pimms

Exemplarisch für so ziemlich alles, was die wundervollen Franzosen Fulgeance und Soulist gemeinsam machen. Unbedingt auch im Boiler Room anschauen, wenn man verstehen will, wieso sie eines meiner bisher liebsten Livesets im Mojo Club gespielt haben.


3. R. Fellow: Not Possible Beats

„Heavy Rhythm“, stellt Fela fest, obwohl da gar kein Beat ist. Recht hat er. Eine Perle unter tausenden Afrobeat-Bootlegs, weil es hier um die leiseren Parts des Originals geht, anstatt einfach alles durch den Quantisierungswolf zu drehen.


"Not Possible Beats" bei Soundcloud


4. Brownout: Flaximus (Renegades of Jazz B-Boy Edit)

Schwerer Breitwand-Funk mit beeindruckenden Horns. Mein Resident-DJ-Partner Renegades of Jazz hat echt nicht wenig Output, aber das hier ist locker sein Remix des Jahres.


5. Bosq: More Heavy (feat. Kaleta)

Auch auf „More Heavy“ hat mich zuerst Renegades of Jazz gebracht. Eine Hälfte der Whiskey Barons mit der besten Afro-Disco-Nummer seit sonstwann.


6. The Reflex: Wheel Spin

Was The Reflex hier Unglaubliches aus „Spinning Wheel“ bastelt, könnte ich jede Nacht eine dreiviertel Stunde lang spielen. Und niemand fände es langweilig.


7. Fabreeze Brothers: The Pack Up

Phill Most Chill, der gerade auch ein schönes, schnelles Rapalbum mit DJ Format abgeliefert hat, auf einem Paul Nice-Breakbeat um die 140 BPM. Simpel und perfekt.


8. Moonstarr: Clappy

Schon um die fünf Jahre alt, aber der kanadische Partystarter swingt immer noch wie am ersten Tag.


9. James Brown: People Get Up And Drive Your Funky Soul

Klar komme ich nicht um James herum. Und wenn ich dieses Jahr James gespielt habe, dann meist die lange „Motherlode“-Version hiervon mit noch mehr Wesley an der Posaune.


10. The Grits: Make A Sound (Like James Brown) (Grant Phabao RMX)

… und wenn schon nicht James selbst, dann kann man wenigstens The Grits nach ihm rufen lassen. Im Original knackiger Raw-Funk, dessen zweite Hälfte in diesem Remix in massiven Psych-Dub abdriftet.


11. Andrew Ashong & Theo Parrish: Flowers

Langsamer House, leichtfüßiger Soul mit beachtlicher Tiefe. Nicht nur ich, sondern auch unsere DJ-Gäste haben „Flowers“ wirklich gern.


12. Check The Guns: Folks Prescription (The Dr Edit)

Obskures irisches Soul Searchers-Bootleg von 2009. Saugut.


13. Pharrell Williams: Happy

Pop? Geschenkt. Der beste Song aus einem eh übertrieben guten Jahr von Herrn Williams. Wir klatschen immer noch alle mit und auch die Rare-Soul-DJs fragen verstohlen nach, wer das ist.


14. Beastie Boys: Nonstop Disco Powerpack

Immer noch tendenziell unterschätzt, das letzte Album der Beasties. Als Beweis – und weil's sonst keiner tut – spiele ich gerne diese Nummer, die auch „Beat Bop“ auf Steroiden sein könnte.


15. Gil Scott-Heron: New York Is Killing Me (Ashley Beedle's Space Blues Rework)

Das klaustrophobische Skelett eines fesselnden Songs. Oder um es mit den Worten unseres Gast-DJs Dom Servini zu sagen, von dem irgendein Kerl schreiend „Jazz!“ forderte: „I am playing jazz, you cunt. This is Gil Scott-Heron.“


Bonus Beats: Drei letzte Songs, bevor das Licht angeht


1. Hot 8 Brass Band: Sexual Healing

Variante 1: Euphorie. Keine Sekunde zu kurz ist die neunminütige Albumversion dieser New Orleans-Fassung von „Sexual Healing“, an deren Ende sich zuverlässig alle Gäste in den Armen liegen. Und das Personal gleich mit.


2. Hackney Colliery Band: All Of The Lights

Variante 2: Pathos. Eine der besten Brass Bands unserer Zeit nimmt sich Kanye vor. Mehr Hymne geht kaum.


3. Nina Simone: Four Women (DJ Obah's Recycled Funk Remix)

Variante 3: Jazz. Und entgegen des dämlichen Namens ist Obahs Nina Simone-Rework wunderbar respektvoll, unterlegt Ninas Manifest nur mit dezenten Drums und entlässt uns dann in die Sonnenaufgangs-Melancholie.