Videopremiere: Wax Wreckaz - Heavyweight Sound

Fastfood-Trap oder tasty Bass-Treat? Wir empfehlen Letzteres und dazu das Video der Wax Wreckaz.
Wax Wreckaz © Hannes Sautner
Von Claus Schwartau

Wer auf tanzbare Bassmusik aus ist, kann den kurzen Weg wählen und sich von täglich neuen Monsterdrops aus EDM-Stadt die Birne durchpusten lassen. Ein Klick genügt, den Rest der Abfahrt übernimmt der Algorithmus. Wer den langen Weg nicht scheut und eigenhändig sucht, hat dagegen bessere Chancen, echte Perlen zu entdecken.
“Heavyweight Sound”, die neue Single der Wax Wreckaz aus Innsbruck, ist so eine Perle. Claudio, alias Busy Fingaz von den Wax Wreckaz, über Damals, Heute und den stärksten Mann der Welt im stärksten Musikvideo des Sommers 2015. Zwerghamster inklusive.

Die Wax Wreckaz gibt es schon eine ganze Weile. 1999 seid ihr als DJ-Team an den Start gegangen, zu einer Zeit, als das Format Rap-Crew im deutschsprachigen Raum Hochkonjunktur hatte. Wieso wolltet ihr “nur” auflegen?
Wir waren damals alle angefixt von Turntablism, durch die ersten Zoo York-Videos mit Roc Raida und ähnlichen Sachen. Von daher stand es gar nicht zur Debatte, eine klassische Rap-Crew zu gründen. Wir waren vor allem fasziniert vom Auflegen und dem Handwerk dahinter. Das wollten wir lernen. Nur Sebastian (Sensay) hat nicht aufgelegt. Er war als Hype Man, Host und MC dabei, bevor er sich aufs Produzieren konzentriert hat. Er kümmert sich auch heute noch um den Feinschliff unserer Tracks. Wir schrauben alle an Ideen, schicken Sachen hin und her und wenn etwas zündet, treffen wir uns in Wien oder Innsbruck und feilen das Ding zusammen fertig.

Neben der Musik geht ihr alle noch anderen Berufen nach. Steht nach all den Jahren eigentlich noch irgendwo der Wunsch im Raum, Vollzeitmusiker zu werden?
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es einerseits super, wenn man Vollzeitmusiker oder -DJ ist. Die Kehrseite ist, dass man permanent hustlen muss. Wo ist der nächste Gig? Wo ist die nächste Einnahmequelle? Dadurch, dass wir unsere geregelten Einkommen haben, sind wir frei von diesem Zwang. Wir spielen nur Sachen, bei denen wir von ganzem Herzen und mit voller Motivation dabei sein können. Wir müssen nicht die vielen Bookings annehmen, die jeder DJ als Füller braucht, um seine Rechnungen zu bezahlen. Fulltime-DJs, die sagen, dass sie das nicht nötig haben, lügen übrigens.

Wie habt ihr zu Crispy Crust, dem Label der Drunken Masters und Eskei83 gefunden?
Wir kannten Joe und Chrissi schon lange bevor sie die Drunken Masters waren. Mit Chrissi habe ich vor Ewigkeiten mal im Allgäu aufgelegt. Man kennt sich also seit vielen Jahren und als die Jungs vor kurzem das Label gegründet haben, war es ein No-Brainer. Die Nähe zu Deutschland ist für uns super, die Jungs machen einen Super-Job, was die Releases und den Blog angeht. Es hat sich familiär angefühlt und für uns daher Sinn gemacht, dort zu fragen. Es passt wie der Deckel auf den Topf.

Drei Gedanken zu “Heavyweight Sound”. Erster Gedanke: Der Song nimmt sich Zeit und hetzt sich nicht auf drei Minuten herunter.
Das stimmt! Der Track ist kein Trap-Monster nach Schema F. Es ist ein Song im klassischen Sinne. Er nimmt sich Zeit und baut nicht auf den harten Drop, bei dem einem das Gehirn stehenbleibt. Es ging uns darum, die Nummer als kompletten Song auszugestalten. Und hey, “Heavyweight Sound” läuft im Radio, auch mit über vier Minuten Länge.

Apropos Drop. Zweiter Gedanke: Der Drop hätte brutaler ausfallen können, hätte aber nicht gepasst.
Wenn du mich jetzt fragst, warum er so ausgefallen ist, kann ich dir das nicht direkt sagen. Das war eine reine Bauchentscheidung. Es gab auch ein paar verrückte, super harte Varianten. Am Ende nimmt man dann aber das, was einem stimmig vorkommt.

Dritter Gedanke: Dynamite MC war eine sehr gute Wahl.
Dynamite MC steht genau für die musikalische Bandbreite, die wir in unseren Sets abfeiern. Er glänzt über Drum’n’Bass-Beats, über Dancehall und Hip Hop. Wenn du schaust, was er mit den Nextmen über die letzten Jahre gemacht hat, dann ist er immer wieder auf Roni Size-Nummern, dann als Hype Man mit Hospital Records unterwegs. Er passt bei uns einfach super rein, hat natürlich auch eine super Stimme, super Flow und kann singen. Musikalisch war er also die optimale Wahl. Wir waren auch ganz baff. Er hat das Instrumental gekriegt und 72 Stunden später hatte ich das fertige Acapella in meiner Inbox.

Singer Blues Stimme ist aber ein Sample, oder?
Richtig, Singer Blue ist ein Dub-Sänger aus London. Das hochgepitchte Vocal-Sample ist aus “My Sound” von 2002. Als wir das Sample mit ihm geklärt haben, wollte er als Gegenleistung nur, dass er namentlich im Titel vorkommt. Damit waren wir natürlich cool.

Kommen wir zum Video. Wir sehen einen Muskelmann, der verzweifelt versucht, seine zärtliche Seite herauszukehren.
Haha! Ja, genau. Die Frage war eben, wie man den Songtitel visualisiert. Zufällig haben wir dann Martin Wildauer kennengelernt, den Strongman World Champion von 2014. Der wohnt nur 30 Minuten entfernt von uns. Er war auch gleich Feuer und Flamme, aber was macht man dann konkret mit ihm? Der Überraschungsmoment im Video basiert dann letztlich auf der Fragestellung, was ein Strongman eigentlich in seiner Freizeit treibt. Wenn du der stärkste Mann der Welt bist, kannst du ja nicht nur rund um die Uhr pumpen.

Konnte sich Martin Wildauer bei bestimmten Szenen im Video wiederfinden? Gibt es Parallelen zu seinem eigenen Alltag?
Absolut! Beim ersten Treffen mit ihm meinte ich, dass er jetzt bitte nicht gleich davonlaufen soll, wenn er hört, was wir mit ihm vorhaben. Und noch bevor ich überhaupt losgelegt habe, hat er mir beiläufig von seinem Haustier erzählt… einem Zwerghamster. In diesem Moment habe ich gewusst, dass die Idee funktionieren wird.

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