Petite Meller: 10 Dinge, die ihr wissen solltet

Trefft die schrille Pariserin, die aus Psychoanalyse und Kinofilmen große, fröhliche Popmusik macht.
Petite Meller Portrait 1
Petite Meller © Island Records
Von Sharon O'Connell

Es gibt nicht viele Popstars, die einen Masterstudiengang in Psychoanalyse an der Sorbonne belegt und eine Giraffe in Kenia geküsst haben, aber Petite Meller ist so einer.

Nach ihren erfolgreichen 7”-Singles "NYC Time" und "Backpack" im Jahr 2014, erregte die Pariser Musikerin mit dem wasserstoffblonden Pferdeschwanz im Februar 2015 mit ihrem Online-Clip "Baby Love" große Aufmerksamkeit – eine bunte Piano-House-Hymne, begleitet von einem Video, das in Afrika aufgenommen wurde und die neugierige lokale Tierwelt, sowie einige wahrhaft talentierte Schulkinder zeigt.

In ihrem Clip zu "Barbaric" - ein französischer Disco-Banger, für den Kylie ihre goldenen Hotpants hergeben würde - erinnert sie uns daran, dass wir alle auf eine gewisse Art und Weise Tiere sind.

Ein Langzeit-Trip in die magische Mellerwelt ist für das Jahr 2016 geplant. In der Zwischenzeit erfahrt ihr hier alles über den aufregendsten Popstar unserer Zeit.

Als Kind habe ich oft in meinem Zimmer getanzt und gesungen. Ich habe Jazz-Platten gehört und bin zwischen ihnen eingeschlafen. Meinen ersten Bühnenauftritt hatte ich allerdings in einem Sommerurlaub bei einem Club Med-Wettbewerb in Südfrankreich. Ich wurde Zweite und gewann einen Milchshake.

Ich bin mit Platten von Dizzy Gillespie, Duke Ellington und Van McCoy aufgewachsen, aber die französischen Chanson-Künstler, wie zum Beispiel Chantal Goya und Charles Aznavour liefen immer im Hintergrund. Meine Mutter sang ihre Lieder in jeder Lebenslage. Dann brachte mich mein Vater zur Popmusik im Club Med-Stil.

Meine Pop-Karriere begann eher zufällig; irgendjemand lud mich auf die Bühne ein und plötzlich wusste ich, wo ich hingehöre und wo ich am meisten ich selbst bin. Es war für jeden offensichtlich, und während ich Philosophie studierte, fing ich an, während meiner Kurse Songs zu schreiben, die ich unter meinen Seminarunterlagen versteckte. Weil auch das Kino zu meinen Leidenschaften gehört, finde ich es nur natürlich, dass ich Sound, Bilder und Philosophie in meinen Videos kombiniere.

Ich hatte immer schon eine lebhafte Phantasie. Als ich ein Kind war, konnte ich mich völlig in Filmen verlieren, ich saß da im Dunklen und gab mich ganz meinen Träumereien hin. Selbst im Kindergarten überzeugte ich jeden davon, dass ich mit einem vollen Aquarium zaubern konnte. Ich stellte mir vor, dass jede Treppenstufe eine Bühne wäre und sang und tanzte mir selbst Lieder vor.

Im Player unten gibt’s das Video zu Petite Mellers „Baby Love“.
 

Mein Bildstil war immer geprägt vom klassischen Kino – zum Beispiel von Filmen wie Viscontis Death in Venice" (dtsch. "Tod in Venedig”), Fellinis "La Dolce Vita“ (dtsch. "Das süße Leben”) oder von Alfred Hitchcock und David Hamilton. Kürzlich inspirierte mich das Rätsel der Sphinx zur Löwen-Pose und Choreographie in meinem „Barbaric“-Video.

Ich denke, dass uns ein zu zivilisiertes Leben von reicheren Lebenserfahrungen abhält. Ich mag Menschen, die keine Angst davor haben, ihre verrückten Träume zu leben und ihren Wünschen und Phantasien zu folgen, anstatt ihre Gefühle zu unterdrücken, nur um in bestimmte Normen zu passen. Komisch ist, dass wir alle "barbarisch" sind - wie ihr in meinem Video sehen könnt.

Ich glaube, dass sich mein Sound weiterentwickelt. Ich habe mein eigenes Genre erschaffen – ich nenne es „nouveau jazzy pop – und probiere es mit verschiedenen Produzenten aus, die mich inspirieren. Bei „Barbaric“ und „Baby Love“ habe ich mit Jocke (Joakim) Åhlund zusammengearbeitet, einem brillanten Musiker aus Stockholm. Wir haben die Songs in seinem Studio in Schweden geschrieben. Er sammelt alte Platten und liebt die Siebzigerjahre-Ästhetik, das hat mir gefallen.

Schaut euch das Video zu Petite Mellers “Barbaric” im Player unten an.

Viele Songs auf meinem Debütalbum sind in Zusammenarbeit mit Jocke und dem Songwriter und Produzenten Craigie Dodd vom Londoner Studio „The Dairy“ (dtsch. „Die Molkerei) entstanden. Komisch, denn der Name meines Albums lautet „Milk Bath“ (dtsch. “Milchbad”). Auf dem Album gibt es auch einen Song namens “Grace”, der von Shamir geschrieben wurde.

Das Leben ist für mich eine Reihe von absurden Situationen. Alles ist irgendwie miteinander verbunden. Lachen, Singen und Phantasieren helfen mir dabei, mit dem Leben klarzukommen. Ich glaube an das Sprichwort „I’d like to be the muse of my muse“ (dtsch. “Ich möchte die Muse meiner Muse sein”). Ich wünschte, ich könnte exzentrisch sein. Ich bin sehr schüchtern und zurückhaltend; nur auf der Bühne schaffe ich es, aus mir heraus zu kommen; dort fühle ich mich frei genug, um so wild zu sein, wie ich es in meiner Phantasie bin.

Ich glaube an Stephen Hawkings Theorie im Bereich Quantenphysik, die besagt, dass eine Vielzahl von Realitäten zur gleichen Zeit existiert. Das mag romantisch klingen – oder vielleicht auch psychotisch – aber es ist eine wissenschaftliche Tatsache.

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