Erik Groß – Zwischen Skateboarding und Fotografie

Erst Skater, dann Fotograf – Erik über Leidenschaft, Entschleunigung und fehlende Visitenkarten.
Danny Sommerfeld, Fakie Flip, Alicante, 2013 © Erik Groß
Von Eric Mirbach

Skateboarder pflegen eine besondere Beziehung zur Fotografie. Der Fotograf als „Partner in Crime“ ist eine logische Konsequenz der dokumentationswütigen Suche nach dem nächsten „never-been-done“ - Trick.

Im Falle von Dresden-Local Erik Groß von einer multiplen Persönlichkeit zu sprechen, macht vor diesem Hintergrund Sinn. Der Skateboarder in ihm schaffte es in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Seiten der einschlägigen Fachmagazine. Inzwischen tut der Fotograf es ihm gleich – nur eben nicht als Protagonist, sondern in Form des Fotocredits.

Wir haben Eriks neue Website zum Anlass genommen, mit ihm über Fotografie und Skateboarding zu sprechen.

Christian Döbrich, Dresden, 2012 © Erik Groß

Erik, seit wann fotografierst du?

Seit Anfang 2010, da habe ich mir selbst eine Canon AE-1 zu Weihnachten geschenkt. Die Inspiration, mir eine analoge Kamera zu kaufen, war der Blick durch deine Kamera – da waren wir auf Tour in Südspanien, meiner ersten „professionelle“ Skateboardtour. Ich hatte schon länger keine Kamera mehr und wollte etwas, um das viele digitale Geknipse zu bremsen. Ab da kam ich anstatt mit 400 unbrauchbaren Digitalfotos auf einem Chip immer mit zwei vollen Filmen á 36 Bildern nach Hause und die Ungewissheit, was darauf zu sehen sein würde, hat die Sache unfassbar spannend für mich gemacht.

Coco, Dresden, 2013 © Erik Groß

Wenn man dich im Internet sucht, dann bist du auf den ersten anderthalb Seiten erst mal nur Skateboarder. Dann funken ein Arzt und ein Handballer dazwischen, erst dann kommt der Fotograf. Was steht auf deiner Visitenkarte?

Ein Arzt und ein Handballer? (lacht) Die kenne ich noch gar nicht! Ich bin in erster Linie schon Skateboarder. Das ist meine Passion. Ich habe einfach die Möglichkeiten genutzt, die mir Skateboarding bietet. So entstehen Fotos, die „normale“ Menschen nicht machen könnten. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass die Fotografie mit zunehmendem Alter in den Vordergrund rückt. Das sieht man ja auch bei Arto Saari – wobei ich bei dem auch denke, der soll mal lieber skaten! (lacht) Achso, auf meiner Visitenkarte steht nichts, denn ich habe keine.

Dylan Rieder, Berlin, 2013 © Erik Groß

Kannst du deine „Skateboard-Karriere“ mal für uns Revue passieren lassen?

Klar! Ich war 13, als ich wegen „Tony Hawk’s Pro Skater“ auf der Playstation mit dem Skaten angefangen habe. Man konnte ja mit jedem Fahrer Videos freischalten und ich fand es unglaublich, was zum Beispiel Andrew Reynolds dort mit seinem Board machte. Der Lernprozess war langwierig, denn meine Eltern wohnen auf einem Dorf nahe Rostock und so musste ich immer in die Stadt, um neue Leute kennen zu lernen, die auch Skateboard fuhren. Eines Tages kam Thomas Gentsch mit Willow und Andi Welther nach Rügen und schoss dort einen Nollie Flip von mir, der als Doppelseite im Limited Magazine gedruckt wurde. Denny Pham nahm mich auf einen Contest nach Copenhagen mit, wo ich Ingo Bremmes kennenlernte, der mich dann wiederum auf eine Tour für das Monster Magazine mitnahm. Eins kam zum anderen und heute bin ich Teil mehrerer deutscher Teams: Huf, Skatemental, Downright, Matix und Sk8dlx. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darüber, wo ich bin.

Dylan Rieder, Wallie, Berlin, 2013 © Erik Groß

Du fotografierst ausschließlich analog. Ist das Liebhaberei, Verweigerung oder Grundlagenforschung?

Alles zusammen! Naja, wie gesagt, ich mag die Entschleunigung, das Gedankenmachen um ein Foto. Außerdem denke ich, dass man mit Filmkameras schneller lernt und sich ernsthaft Gedanken macht, um Fehler zu vermeiden. Also war es anfänglich Grundlagenforschung, ja. Ich habe mich allerdings über die Jahre so entwickelt, dass ich den analogen Prozess nicht missen möchte. Der Look ist vielleicht auch digital reproduzierbar, aber ich kann das nicht und bin immer wieder erstaunt über die Tiefe von Fotos, die auf Film geschossen wurden. Also Liebhaberei. Ich entwickele meine Filme ja auch selbst und mache Abzüge in meiner Dunkelkammer.

Ich will mich aber auf keinen Fall der digitalen Fotografie verweigern. Ich bin oft verblüfft, was digital alles möglich ist. Im Moment habe ich jedoch noch die Zeit und auch das Vergnügen an Fotografie auf Film.

Erik, vielen Dank für das Gespräch.

Henri, Dresden, 2013 © Erik Groß
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