Yannick Schall – Wenn Skater zu Lehrern werden

Zwischen Bankdrückern und Bankdrücken passt noch eine Skateboard-Karriere und Team Titus.
Yannick Schall – Frontside Nollie Nosegrind
Yannick Schall – Frontside Nollie Nosegrind © Dennis Scholz
Von Dennis Scholz

Yannick Schall - ein Name, der in der deutschen Skateboard-Szene fest verankert und jedem bekannt ist. Er ist mehrfacher Deutscher Meister, Teammanager und Pro für Titus. Doch damit nicht genug, Yannick hat Sportwissenschaften und Geschichte studiert, erfolgreich seinen Master absolviert und ist nun Full-Time Lehrer im Referendariat. Dabei lässt er allerdings keinen seiner Jobs schleifen, sondern nimmt alle Tätigkeiten scheinbar sehr ernst und schafft den Balance-Akt zwischen Ernst des Lebens und Skateboarding. Das klingt nach perfektem Zeitmanagement - wir wollen genauer wissen, wie man Teammanager, Pro-Skater und Lehrer unter einen Hut bekommt.

Yannick, wie sieht ein normaler Werktag aktuell bei dir aus? Wann beginnt der und was erledigst du normalerweise alles?

So etwas wie einen „normalen“ Werktag gibt es bei mir nicht. Meist startet der Tag mit dem Klingeln des Weckers und einem kurzen Frühstück. Dadurch, dass meine Stunden an der Schule bunt verteilt sind und ich nebenbei als Referendar auch noch Seminare besuchen muss, kann das zwischen 6 und 9 Uhr sein. Gefühlt sitze ich dann die meiste Zeit des Tages im Auto, wo man aber wunderbar seine Tätigkeit als Teammanager ausüben kann am Telefon. Abends gehe ich dann meistens noch zum Sport oder Skaten.

Es gibt nicht viele Leute, denen der Job des Teammanagers überhaupt zuzutrauen wäre. Wie schaffst du es, parallel dazu noch Vollzeit als Lehrer zu arbeiten?

Vollzeit ist leicht übertrieben, da ich als Referendar noch nicht allzu viele Stunden an der Schule übernehmen muss. Da der Job des Teammanagers nicht an feste Zeiten gebunden sind, kann ich das meist zwischendurch oder auch gerne mal noch nachts am Rechner ausführen.

Teammanager, Skateboard-Pro und Lehrer in einem
Teammanager, Skateboard-Pro und Lehrer in einem © Dennis Scholz

Wie schätzt du das bestehende Bildungssystem in Deutschland ein? Beispielsweise in den skandinavischen Ländern läuft ja einiges anders und Studien zufolge auch deutlich besser…

Es gibt einige Baustellen, die man nicht mal ebenso in einem kurzen Interview abarbeiten kann. Ab nächsten Jahr wird es einen neuen Rahmenlehrplan geben. Wir werden sehen was dieser bringt. Finnland ist ein absoluter Vorreiter. Ich finde besonders das Konzept interessant, dass werdende Lehrer und Lehrerinnen vor dem Studium einen Test bestehen müssen, indem sie darlegen sollen warum gerade sie für den Lehrerberuf geeignet sind und wie sich selbst an Schulen einbringen können. Dadurch kommen nur die wirklich motivierten Lehrer und Lehrerinnen an die Schulen.

Versuchst du, deinen Skateboarding-Hintergrund auch irgendwie auf den Schulsport zu übertragen? Ziehst du Vergleiche zu Skateboarding oder kannst sogar praktische Elemente einbringen?

Skateboarding ist noch nicht im Schulsport angekommen und ich glaube kaum, dass es dort auch in seiner ganzen Form stattfinden muss. Mein Ziel ist es in Zukunft eine AG oder ähnliches ins Leben zu rufen und Schüler und Schülerinnen so für Skateboarding zu begeistern. Was mir auffällt ist, dass ich durch Skateboarding noch sehr nah an der Jugend bin und mich noch eher in die Kids hineinversetzen kann.

Yannick Schall – Frontside Flip
Yannick Schall – Frontside Flip © Dennis Scholz

Redest du mit deinen Schülern über deinen Skate-Background? Wissen die Bescheid, dass Herr Schall seinen Namen auch auf einem Board gedruckt hat und fragen dich über Skateboarding aus?

Es hat sich ein wenig rumgesprochen nach einigen Wochen. Gesprächen versuche ich im Unterricht dennoch aus dem Weg zu gehen, da dafür nicht der Platz ist. Auf sozialen Medien kann es aber mal passieren, dass mich ein Schüler oder Schülerin kontaktiert. Ich bin im Gegensatz zu den anderen Lehrern ein gläserner Mensch durch meine Social Media Präsenz.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Jobs Teammanager und Lehrer? Rocco (Patrick Rogalski) versuchst du ja manchmal auch, die essentiellen Säulen des Lebens beizubringen... ;)

(lacht) Ich finde der Teammanager-Job ähnelt eher dem des Kindergärtners. Man hütet einen Hühnerhaufen und sorgt dafür, dass alle genug zu essen haben. In der Schule läuft es sehr geordnet ab und die Schüler und Schülerinnen würde ich nicht Freunde nennen so wie meine Teamfahrer im Team Titus. Rocco versuche ich eher meine Lebensweisheiten weiterzugeben, anstatt ihm die Ständegesellschaft im Mittelalter zu vermitteln.

Yannick Schall – Frontside Shuvit
Yannick Schall – Frontside Shuvit © Dennis Scholz

Ich kenne viele Skater, die nach einem 8-Stunden-Tag Arbeit „zu gestresst“ sind und keine Energie mehr haben, auf’s Board zu steigen. Geht’s dir da ähnlich oder bekommst du das hin?

Ich bin der Meinung, dass man gerade wenn man nur wenig Zeit für sein Hobby diese gezielt nutzen sollte. Somit versuche ich mehrmals die Wochen meinen Tag so zu takten, dass ich es abends noch in die Halle schaffe, um ein wenig abzuskatern.

Gibt es ein Videoprojekt, an dem du gerade arbeitest? Auf Instagram liest man immer wieder das Hashtag #UpsAndDownsVideo, gib doch mal einen kurzen Einblick!

Nach der Beendung des Episoden-Projekts vom „TightassVideo“ wollte ich direkt ein neues Projekt in die Wege leiten. Dieses Mal wird es ein Full Length Video mit dem kompletten Team. Alle Jungs sind top motiviert und Ziel ist es im Sommer 2017 unser Werk zu präsentieren. Ich freue mich schon riesig auf das Endergebnis und hoffe du bist auch dann vor Ort um mit mir bzw. uns die Korken knallen zu lassen!

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