Local Brands: Goodboards und Goodschi

Ski und Snowboards vom Ammersee: Ein Gespräch mit Goodboards Firmengründer Josef Holub.
Powderrun zum Boardtest
Powderrun zum Boardtest © Goodboards
Von Andi Spies

Seit nunmehr 5 Jahren entstehen unter dem Label Goodboards am bayrischen Ammersee Snowboards. Wir wollten mehr über das kleine Ski- und Snowboard Label erfahren und trafen Firmengründer Josef Holub zum Interview.


Josef, erzähl doch mal wie Goodboards entstanden ist.

Ich bin 1971 in Prag geboren und stand 1989 zum ersten Mal auf einem Snowboard. Im gleichen Jahr begann ich mit meinem Cousin Snowboards zu entwickeln und zu bauen. Mit 22 Jahren bin ich nach Deutschland ausgewandert und bis 2010 als Distributor für verschiedene Snowboardfirmen gearbeitet. Nachdem die Zusammenarbeit endete, entstand die Idee mit 21 Jahren Erfahrung im Snowboardbau und Vertrieb eine eigene Marke zu gründen. Zuerst boten wir nur Snowboards an. Nach zwei Jahren erweiterten wir die Kollektion auf Skateboards, Wakeboards und mit der neuen Marke – goodschi – auch auf Ski. Aktuell entwickeln wir außerdem Kiteboards.

Maik (li) und Josef (re) beim Trockentraining
Maik (li) und Josef (re) beim Trockentraining © Goodboards

Was macht die Produkte von Goodboards so besonders?

Wir wollen Produkte entwickeln, die uns selbst begeistern. Daher haben wir uns auf die Fahne geschrieben, ästhetische, handgemachte Boards für Erwachsene zu produzieren. Im Vergleich zu anderen Marken sind unsere Boards länger, härter und haben nur schlichte, zeitlose Holzdesigns. Wir verwenden ausschließlich gesinterte Graphitbeläge und setzen hauptsächlich auf Camber. Produziert werden alle goodboards und goodschi mit Liebe zum Detail in europäischer Handarbeit und nur in kleinen Serien. Wir verwenden nachhaltige Materialien und achten auf eine ökologisch korrekte Fertigung. Unsere Produkte werden ausschließlich über kompetente und eigentümergeführte Core-Shops verkauft.

Nun ist die Snowboardbranche ja nicht einfach. Was waren die größten Hürden?

In den Zeiten, wo weniger Snowboards verkauft werden, Winterurlaub als Luxus gilt und die meisten Firmen auf Rocker-Shapes setzen, wurde meine Idee von zahlreichen Händlern, Banken und auch Sportlern als verrückt bezeichnet. All diese Leute musste ich durch fleißige Arbeit, gute Ideen und hochwertige Produkte überzeugen. Wie Gandhi gesagt hat: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“.

Was ist dein Erfolgsrezept?

Ich arbeite bis zu 100 Stunden pro Woche und ohne die Unterstützung durch meinen Geschäftspartner Maik Friese, der gelernter Schreiner ist und den Support der fast 50 Teamfahrer würde ich es nicht schaffen. Ich muss mich hier auch bei unseren Händlern bedanken, die an uns glauben und bei den Leuten, die unsere Produkte kaufen und weiter empfehlen.

Das Goodboards Team im Kaunertal
Das Goodboards Team im Kaunertal © Goodboards

Es gab doch sicher auch Rückschläge. Wie sahen die aus?

Rückschläge gehören dazu. Ein neuer Bankmitarbeiter hat den Kontokorrent gekürzt, der Winter war viel zu warm, einige Händler haben für gelieferte Ware nicht bezahlt, in der Produktion wurde falscher Lack verwendet, einige Designs sind nicht so gut angekommen. Aus Rückschlägen zu lernen, macht aber auch stärker.

Das stimmt wohl. Wie sieht denn ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?

Aufstehen um 7 Uhr, dann ein bisschen Sport und ab ins Büro, dass nur zwei Etagen tiefer liegt. Dann hieß es E-Mails beantwortet, News bei Facebook posten und die Tagesprojekte für mich, Maik und unsere Praktikanten planen. Beim Frühstück haben wir uns über die neuen Winter-Designs 2015-16 unterhalten. Vormitttags telefonierte ich mit der Produktion und Händlern, verpackte Bestellungen, plante Termine, tätigte Überweisungen und beriet telefonisch potentielle Kunden. Zum Mittagessen kam unser Teamfahrer Pez vorbei und sprach mit uns über seinen Event m LIVINGROOM Hochkönig. Dann habe ich in der Werkstatt unsere Snowboards und Ski präpariert, damit sie nächstes Wochenende beim Testevent wieder perfekt zu fahren sind. Gegen 16 Uhr führte ich noch einen Skype-Call mit unserer Graphikerin über neue Designs und schickte anschließend die Grunddaten für neue Shapes an unseren Programmierer Ramon. Am frühen Abend ging es für zwei Produktschulungen zu Händlern und anschließend zum Saisonopening mit Hüttenabend von Harrys Sport Shop nach Laupheim. Gegen 22 Uhr war ich wieder am schönen Ammersee, wo ich in der KUBA mein Feierabend-Bier mit guten Freunden und lässiger Musik genossen habe.

Josef Halub at Work...
Josef Halub at Work... © Goodboards

Wow, das hört sich nach einem vollen Programm an. Auf wie viele Schnee-Tage kommst du als Firmenchef denn noch?

Sehr wichtige Frage, da leider zu viele Kollegen aus der Branche, zu wenig fahren gehen und sich nur zu Theoretikern entwickeln. Damit mir so was nicht passiert, organisiere ich seit über zwölf Jahren eine Testtour. Dabei komme ich auf fast 50 Schneetage mit Ski, Snowboard oder Splitboard. Vor zwei Wochen bin ich mit zwei Jungs auf Splitboards in Sölden um 6 Uhr mit Stirnlampe den Berg hochgelaufen um zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu stehen. Das war genial und dabei ist auch die Idee für ein neues Design entstanden.

„Another day in the office.“
„Another day in the office.“ © Goodboards

Wie siehst du die Zukunft von Good? Was können Skifahrer und Snowboarder noch alles erwarten?

Das Feedback am Teststand in den Bergen und in den Shops ist für unsere Entwicklung extrem wichtig. Dabei überlegen wir, ob diese Ideen zu uns passen, produziert und verkauft werden können. Aktuell testen wir Fasern aus Lava-Steinen als Ersatz für Glas, entwickeln Kiteboards, kreieren ein langes Twin Tip Board für Backcountry Freestyle, XX-Wide Snowboards für Jungs mit richtig großen Schuhen und überlegen welche Shapes unsere Ski-Freeride-Serien sinnvoll ergänzen könnten.

Josef und Maik mit ihren diversen Spielzeugen
Josef und Maik mit ihren diversen Spielzeugen © Goodboards

Was kannst du Leuten raten, die sich auch mit einer eigenen Marke im Snow-Business selbständig machen wollen?

Entweder ganz oder gar nicht! Nur nebenbei etwas zu machen, hat langfristig keinen Erfolg. Gleichzeitig sollte man ganz genau recherchieren, was bereits auf dem Markt ist und dann versuchen eine echte Marktlücke zu finden. Gegen große Firmen mit Investoren hat man keine Chance. Man muss bereit sein viel zu arbeiten, aus Fehlern zu lernen, mit Kritik umzugehen und muss immer an sich glauben.

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