Free Climbing: David Lama erobert den Cerro Torre

David Lama bezwingt als erster Freeclimber die Ostseite des Cerro Torre in Patagonien.
Von RedBull.com Team

Über drei Jahre lang hat er es versucht. 2012 hat der österreichische Kletterer David Lama seinen Traum endlich verwirklichen können: Er ist der erste Freeclimber, der die berüchtigte Kompressor-Route des Cerro Torre in Patagonien bezwang. Das komplette Abenteuer kannst du in  „Cerro Torre - A Snowball´s Chance in Hell“ miterleben - jetzt auf Red Bull TV

Für den 21-jährigen Lama war es das glückliche dritte Mal, als er die Ostwand des 3128 Meter hohen Berges am Samstag den 21. Januar bezwang.

"Diese freie Erstbesteigung des südöstlichen Gebirgskamms des Cerro Torre markiert das Ende des bisher wahrscheinlich größten Abenteuers meines Lebens", schrieb er in seinem Bericht . "Ich bin besonders stolz darauf, dass ich es geschafft habe, ohne jegliche Bolts einzusetzen."

Der Cerro Torre war von Kontroversen verfolgt, seit der italienische Kletterer Cesare Maestri angab, 1959 den Berg erklommen zu haben. Für diesen Versuch zahlte er jedoch einen hohen Preis. Maestris Partner, Toni Egger, starb auf dem Weg und, nachdem Maestris Bericht über den Aufstieg überprüft wurde, wurde der Italiener diskreditiert.

Die Tatsache, dass Hayden und Jason einige Tage zuvor Maestris Bolts entfernt hatten, machte mein Vorhaben zur noch größeren Herausforderung

Maestri kehrte 1970 nach Patagonien zurück, bewaffnet mit einem benzinbetriebenen Kompressor-Bohrer. Er bezwang letztendlich den Berg, hinterließ aber Hunderte von Bolts und den Kompressor, zur Bestürzung der Naturschützer.

Einige Jahrzehnte später ist der Cerro Torre erneut zur ultimativen Herausforderung im Freeclimbing geworden. Nur wenige Tage, bevor David Lama seinen Free-Climb wagte, bestiegen der Amerikaner Hayden Kennedy und der Kanadier Jason Kruk den Berg mit "fairen Mitteln" und entfernten auf ihrem Weg über 100 von Maestris 40 Jahre alten Bolts.

Dies zwang Lama und seinen Partner Peter Ortner ihre Strategie zu überdenken: "Die Tatsache, dass Hayden und Jason einige Tage zuvor Maestris Bolts entfernt hatten, machte mein Vorhaben zur noch größeren Herausforderung", sagte Lama, "vor allem mental, denn viele Zwischensicherungen gab es nicht und ich musste lange Runouts machen.“

Lächelnd legt David Lama die Steigeisen an und macht sich für den Aufstieg bereit.
David in den Startlöchern © Franz Hinterbrantner/Red Bull Content Pool

David kletterte über 24 Stunden frei und verwendete nur mobile Hilfen zur Sicherung seiner Route. Trotz einiger Stürze und der Eiseskälte errichtete er sein Biwak an den Eistürmen des Cerro Torre, vor seinem finalen Gipfelsturm am folgenden Morgen.

"Wir folgten drei Pitches lang der ursprünglichen Kompressor-Route, über hohle und lose Flakes. Etwa 20 m unterhalb des Kompressors traversierten wir dann nach rechts, in ein System aus Rissen und Kanten, das uns zum Gipfel führte."

Die Eroberung des Cerro Torre ist der neuste Meilenstein in der Karriere dieses beachtlichen jungen Kletterers. Mit nur 15 Jahren wurde Lama der jüngste Gewinner des Weltcups im Klettern. Nachdem er die schwierigsten Routen der Alpen bewältigt hatte, widmete er sich größeren Zielen und bezwang bereits letztes Jahr seinen ersten Riesen im Himalaja. Für Lama gibt es keine Grenzen.

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