VIDEO: Laufmotivation á la Flo Neuschwander

Achtung, Performance-Boost! Läufer, die gejagt werden, rennen weiter...
Das macht „sichere Angst“ mit Läufern.
Das macht „sichere Angst“ mit Läufern.
Von Henner Thies

Das Gefühl, gejagt zu werden, kann Menschen helfen, schneller und weiter zu laufen, als sie je für möglich gehalten hätten. So zumindest empfinden es tausende Teilnehmer des Wings for Life World Run. Die Sportpsychologie untermauert diese Vermutung: Das Simulieren des „Angst-Faktors“, so das Ergebnis einer Facebook-Umfrage von 2.400 Befragten, könne bei Läufern auf spielerische Weise zur Leistungssteigerung beitragen.

Bei der Facebook-Befragung schilderten sie ihre Erfahrungen als Teilnehmer des Wings for Life World Run – einem globalen Lauf-Event für den guten Zweck, bei dem die Teilnehmer von einer mobilen Ziellinie verfolgt werden. Von allen Teilnehmern, die besser abgeschnitten haben, als vor dem Start erwartet, haben:

  • 24,3% ihr persönliches Laufziel um 5 Kilometer übertroffen.
  • 38,1% sind 5 bis 15 km weiter gelaufen als erwartet.
  • 28,7% sind 15 bis 30 km weiter gerannt als geplant.
  • 8,9% sind sogar 30 km weiter gelaufen als erhofft.

Der Jagd-Faktor ist demnach eine der stärksten Motivationen für die Teilnehmer des Events, der zeitgleich in zahlreichen Städten in aller Welt stattfindet und jedes Jahr tausende Läufer aller Könnensstufen anzieht – vom blutigen Anfänger bis zum Ultrarunner. So funktioniert es auch bei Florian Neuschwander, Ultrarunner und Sieger des Wings for Life World Run 2016 in München.

Flo 2016 in München.
Flo 2016 in München.

„Selbst als ich am Ende alleine in München gelaufen bin, hat man den imaginären Gegner, der am anderen Ende der Welt läuft im Kopf. Das motiviert einen weiterzulaufen, bis nichts mehr geht!“

Flo Neuschwander

Erfolgreich abgeschlossen hat er den Wings for Life World Run mit 63,5 Kilometern in Deutschland. Dieses Jahr will er sich den globalen Sieg sichern – dafür peilt er die 80 Kilometer-Marke an. Athleten und Wissenschaftler sind sich einig: Wer Rennen oder Lauf-Trainings ein Jagd-Element hinzufügt, kann Läufer zusätzlich motivieren.

„Die Forschung identifiziert Angst als ein Werkzeug aus dem evolutionären Rüstzeug, das unser Überleben sichert“, sagt Dr. Rhonda Cohen, leitende Psychologin an der Middlesex University in London und Autorin des Buches Sport Psychology: Optimising Human Performance. „Das Gejagtwerden erzeugt ein Gefühl der Angst, welches wiederum zu gesteigerter Motivation führt.“

Das Catcher Car in Action. Aus Angst wird Freude!
Das Catcher Car in Action. Aus Angst wird Freude!

„Das Simulieren einer Jagd-Situation erlaubt es Menschen, sich den starken Motivationsfaktor Angst in einer sicheren Umgebung zu Nutze zu machen. Weil diese Art der Angst eine ‚sichere Angst’ ist, wirkt sie nicht nur motivierend, sie macht zudem eine Menge Spaß.“

Dr. Rhonda Cohen

Der Spanier Abel Antón, seines Zeichens Doppel-Weltmeister im Marathon, stimmt der Einschätzung zu, dass der „Angst-Faktor“ sehr effektiv sein kann: „Da ist definitiv was Wahres dran“, sagt er. „Die Angst, gejagt zu werden, bringt dich dazu, schneller zu laufen.“

„Ich erinnere mich an das Marathon-Rennen bei der Weltmeisterschaft in Athen 1997, bei dem ich mir einen sehr engen Zweikampf mit Martín Fiz geliefert habe. Auf der Zielgeraden habe ich ihn jedes Mal hinter mir gesehen, wenn ich mich umgedreht habe. Das hat mich dazu gebracht, mit all meiner Kraft durchzuziehen.“

Alle Startgelder für den Wings for Life World Run fliessen direkt in die Rückenmarksforschung. 2016 haben mehr als 130.000 Menschen an dem globalen Charity-Lauf teilgenommen.

2017 startet das Rennen am 7. Mai weltweit gleichzeitig um 13:00 Uhr deutscher Zeit. Mehr Informationen zum Thema findest du HIER.

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