In It To Win It: Maximilian Jagsch

Mit SWOX hat Max Jagsch eine Sunscreen für Surfer etabliert. Evoha könnte Skifahrern die Haut retten
SWOX-Gründer Maximilian Jagsch im Schnee © Marco Freudenreich
Von Henner Thies

Maximilian Jagsch hat das Talent, Menschen für Ideen zu begeistern. Das muss er auch, schließlich ist der 37-jährige mit jeder Faser seines Körpers Unternehmer. „Ich wusste schon immer, dass ich mich mit einer Firma selbständig machen will“, erinnert sich Jagsch in seinem Büro an der TU München.
Dass er mit SWOX und evoha nun sogar zwei Firmen als Geschäftsführer vorsteht, überrascht den ambitionierten Outdoor-Sportler nicht wirklich. Von seinem Stuhl aus kann er an klaren Tagen die Alpen sehen. „Das ist wichtig“, schmunzelt der gebürtige Pfälzer. „Da hast du das Gefühl, nah dran zu sein, an dem, was dir wichtig ist.“

Für Jagsch sind seit seiner Jugend vor allem drei Dinge wichtig: die Berge, das Meer und Ideen, die das Spiel mit der Natur sicherer, unbeschwerter machen. 2001, als seine „Liebe zum Snowboarden, Windsurfen und Kiten bereits ziemlich groß ist“, wie er sagt, hat Jagsch jenes Schlüsselerlebnis, das ihn und seine Arbeit bis heute prägt: „In Tarifa hatte ich eine Nahtoderfahrung, die ich nie vergessen werde. Damals gab es noch keine Safety-Measures wie das Depowern des Kites. Nachdem ich das am eigenen Leib erfahren musste, habe ich sofort mit dem Kiten aufgehört.“

Teil des SWOX-Teams: Surfer Leon Glatzer © swox.com

Es bleibt die Erkenntnis: „Ein Sport ist immer nur so sicher, wie das Gerät, das man dabei einsetzt.“ Diese Einsicht spiegelt sich sowohl in Jagschs jüngstem Projekt evoha als auch in seiner ersten Firma SWOX, die er während eines Work & Travel-Jahres in Australien gründet. „Eigentlich wollte ich in Australien nicht nur Surfen, sondern meine Marketing-Karriere nach Stationen bei dem Playboy und Burda bei Rupert Murdoch fortsetzen“, so Jagsch. Am Ende ist der gelernte Diplomkaufmann mehr im Wasser als alles andere. Wenige Monate nach seiner Ankunft in Sydney gründet er die SWOX Surf Protection GmbH.

„Anfangs wurden wir für unsere Idee belächelt“, erinnert sich Jagsch. „Dann hatten wir das Glück, dass ein Schweizer Unternehmen, bei dem wir uns persönlich vorgestellt haben, gesagt hat: Das ist so eine verrückte Idee, wir sind dabei!“ Plötzlich steht Jagsch und seinen Partnern Tim Pelz, Ralf Kenke und Veronika Winsi ein bestens ausgestattetes Labor samt fachmännischer Leitung zur Verfügung. „Die erste Creme, die wir auf den Markt gebracht haben, war eine dickflüssige Paste extra für Surfer, mit der wir 2011 auf die ISPO gegangen sind“, so Jagsch.

„Nachdem ZDF Neo eine kleine Doku über uns gedreht hat, ging alles recht schnell.“ Mittlerweile zählt SWOX neben fünf Mitarbeitern ebenso viele Produkte, inklusive Zink Creme, Kombistick und Body Lotion. „Selbst Firmen wie O'Neill und Peak Performance kommen nun auf uns zu“, freut sich Jagsch.

Der evoha Designprototyp bei der Montage © Thilo Brunner
Soll Freeridern im Extremfall das Leben retten... © Thilo Brunner

Wie SWOX ist auch Jagschs jüngstes Projekt evoha das Ergebnis eines wohldosierten Mix aus Begeisterung, Mut zur Lücke, Glück und Zufall. „Das Konzept hinter evoha ist so einfach wie genial“, strahlt Jagsch: „Gelangt ein Freerider in eine Lawine, läuft er Gefahr, trotz Airbag tiefer in die Lawine hineingezogen zu werden (Ankereffekt). Unsere Technologie ermöglicht es, diese Gefahr auszuschalten, indem über Funk eine mit TNT-Sprengstoff gefüllte Platte gelöst wird, die zwischen Skischuhbindung und Ski befestigt ist. Dadurch ist der Skifahrer frei und der Airbag kann ihn an die Oberfläche transportieren.“

Die Idee dazu hatten zwei Ingenieursstudenten der TU München, die Jagsch seit Ende 2013 im Rahmen seiner Tätigkeit als Berater für Start-Ups an der TU München unterstützte. Die Patente für die Technologie hat der Leiter des Lehrstuhls für Sportgeräte und Sportmaterialien, Professor Dr. Senner, der Münchner Universität bereits 2007 mit seinem Erfinderkollegen Dr. Schott gesichert.

evoha Team mit Freeride-Ass Fabi Lentsch (3.v.r.) © evoha.com

Wie genau das System im Extremfall auslöst – ob es direkt an den Airbag gekoppelt sein wird, oder eigenständig scharf gestellt werden muss – ist laut Jagsch noch nicht abschließend geklärt. Fest steht: „Im Extremfall kann die Technologie Leben retten. „Daher ist sie sinnvoll und jede Minute wert, die in sie investiert wird“, sagt Jagsch. Und da ist sie wieder, die Begeisterungsfähigkeit, die Maximilian Jagsch zu dem macht, der er ist.

„Im April werden unsere Designprototypen erstmals auf der Piste getestet. Anschließend soll mit einer Crowdfunding Kampagne das Projekt in der Community vorgestellt werden, um so die Kosten der Serienfertigung zu stemmen. Markteinführung des Emergency Quick Release (EQR) soll 2016/17 sein.“ Wir sind gespannt. Max Jagsch ist begeistert. Womöglich wieder einmal zu Recht.

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