Mark Frölich Interview

© Alberto Polo

Wenn einer das Leben als Euro-Pro kennt, dann Mark. Er kennt die Ups und die Downs. Persönlich.

Nach abgeschlossener Schulausbildung war für Mark Frölich klar, wohin es geht: Nach Barcelona. Skateboard fahren. Doch in letzter Zeit verließen nach und nach viele seiner Freunde die spanische Rollbrettmetropole, die Finanzkrise schüttelte den Staat ordentlich durch und gute Sponsorendeals lösten sich aus demselben Grunde in Luft auf – dazu kommt ein Sozialleben, dass, so Mark, „nicht das Beste“ sei. Und doch, Mark ist noch immer in Barcelona. Er macht sein Ding, zerstört täglich Handläufe und erkundet schier unermüdlich auch die hintersten Winkel der Vorstädte Barcelonas. Warum? Nun, Mark fährt wirklich sehr gern Skateboard.

Hi Mark, was gibt’s Neues bei dir?
Mir geht’s soweit gut. Ich bin immer noch hier in Barca. Ich skate viel, ab und zu ein bisschen rumchillen.

Wie ist die Lage in Barcelona? Es hat sich einiges verändert um dich herum in der letzten Zeit, oder?
Auf jeden Fall, generell die Stadt hat sich verändert in den letzten Jahren. Es ist alles ein bisschen ruhiger geworden, was ja eigentlich nicht schlimm ist, aber es ist eben auch ein bisschen langweilig geworden. Das hat zum einen sicherlich damit zu tun, dass einige Leute gegangen sind, zum anderen hat die Wirtschaftskrise sicherlich ihren Teil beigetragen. Dieser happy Vibe von früher ist nicht mehr da. Mir fehlen zum Skaten viele Leute und auch einfach so, zum Abhängen, zum Labern… Mein Sozialleben ist einfach nicht das Beste grade. Die Leute kommen, man hängt miteinander ab und kaum hat man sich aneinander gewöhnt, sind sie schon wieder weg.

Mark Frölich
Mark Frölich© Alberto Polo

Du bist unheimlich produktiv. Woher nimmst du die Motivation?
(überlegt) Im Grunde genommen fahre ich einfach gerne Skateboard. Ich habe die seltene Chance, damit meine Miete zu zahlen und ich bin halt so ein Typ, der seine Sache dann auch gut machen will. Es ist ja auch nicht grade so, als hätte in Europa grade jeder die Chance, von Skateboarding zu leben. Ich meine, ich mache nicht grade den Überflieger, aber ich kann Miete zahlen. Ich bin fit und es gibt immer noch soviel zu machen. Man will sich schließlich auch weiterentwickeln.

Ich habe mir schon in der Schulzeit immer gedacht, dass mich das alles nur vom Skaten abhält.

Du bist laktose-intolerant und hast auch sonst noch einige Allergien, richtig?
Ich habe in der Tat einen sehr eingeschränkten Ernährungsplan. Ich habe Intoleranzen gegen viele Lebensmittel, da sind aber keine Allergien. Allergie ist ganz oben auf Skala der Unverträglichkeiten, also wenn du Allergiker bist und dann ist irgendwo ‘ne Nuss drin, kannst du davon auch sterben. Andererseits habe ich auch meine drei Tage Krankenhaus am Tropf hinter mir. Zum Glück hat sich das bei einigen Dingen etwas zurückentwickelt. Vor drei Jahren hätte ich zum Beispiel kein Baguette essen können, das geht jetzt ab und zu.

Mark Frölich, Frontside Bluntside
Mark Frölich, Frontside Bluntside© Alberto Polo

Warum konntest du das dann nicht essen? Gluten?
Vor allem wegen der Hefe, aber ja, Weizen war auch ein Problem. Ansonsten gehen sämtliche Milchprodukte nicht, Ei geht nicht, fast alles an Fisch, verschiedene Getreidesorten, besonders Weizen, einiges an Gemüse und Obst. Ich esse ziemlich viel Avocado, viel Tunfisch, viel Nudeln, viel Gemüse. Ich esse auch generell sehr wenig Fleisch.

Du stammst aus Wuppertal. Was waren für dich die Gründe, der Heimat den Rücken zu kehren? Wie lange bist du eigentlich jetzt schon in Barcelona?
Bald sieben Jahre. Die Gründe waren… Also, ich bin damals im Winter hergekommen, als ich mit der Schule fertig war und mir überlegen musste, wohin es gehen sollte. Dann habe ich meine erste Freundin kennengelernt. Barcelona ist eine coole Stadt und wenn du dein Skaten pushen willst, dann ist das wohl in Europa schon der beste Ort. Ich habe schon in der Schulzeit immer gedacht, dass mich das alles nur davon abhält, Skaten zu gehen.

Mark Frölich, Frontside Noseslide
Mark Frölich, Frontside Noseslide© Alberto Polo

Du bist dafür bekannt, sehr wählerisch zu sein, was dein Schuhwerk angeht und man hatte das Gefühl, dass du bei éS jetzt endlich „angekommen“ warst. Wie sieht’s jetzt an deinen Füßen aus, wo éS den Bach runter gegangen ist?
Also direkt vorneweg muss ich mal sagen, dass es mit éS echt cool war, besonders das erste Jahr. Im zweiten Jahr hat man schon gemerkt, dass es bergab ging und die Leute dort kämpfen mussten. Aber das erste Jahr war in Sachen Schuhe das beste Jahr meines Lebens.
Und im Moment, ja, ich muss mich einfach bei den Leuten bedanken, die mir ab und zu ein paar Treter schicken – ihr wisst, wer ihr seid! Ein neuer Deal ist aktuell nicht in Sicht. Wir werden sehen, was kommt. Ich denke, es ist aktuell generell wirtschaftlich schwierig und dazu kommt halt… ich sag’s mal so: Ich war lange nicht in der Position, einen guten Deal zu bekommen. Dann kam éS und war richtig cool und deswegen sehe ich mich jetzt keinen Vertrag unterschreiben, der für mich weniger Sinn macht. Ich stelle ja keine irrsinnigen Forderungen, aber das sollte einfach für beide Seiten passen. Ich habe ja schliesslich auch einiges dafür getan, um jetzt an dem Punkt zu sein, an dem ich bin.

Na denn, was kommt als nächstes für dich? Ein weiterer Part für Jart?
Ich würde gerne dieses Jahr noch einen Part rausbringen, gegen Ende des Jahres. In welchem Rahmen, das ist alles noch nicht spruchreif. Aber natürlich wäre es sinnvoll, wenn meine Sponsoren auch etwas davon haben, klar!

Mark Frölich, Backward Nosegrind
Mark Frölich, Backward Nosegrind© Alberto Polo

Wo ist Mark Frölich in fünf Jahren?
In fünf Jahren… Also, ich werde mein Bestes dafür geben, körperlich fit zu sein und immer noch viel und hart zu skaten. Es wäre außerdem sehr schön, wenn sich auch ein Sozialleben entwickeln würde. In fünf Jahren bin ich 32 – da wäre ich schon ganz gerne in einer Lebenssituation, die sich mehr nach Zuhause anfühlt. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Mark, danke für das Interview.