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Das war das große Finale des UCI World Cups 2019 in Snowshoe

© Bartek Woliński
Autor: James McKnight, Faye Brozek and Rajiv Desai
Was für ein Abschluss der Saison! Hol dir die Reports und Replays der Downhill- und Cross-Country-Rennen beim spannenden World Cup-Finale in Amerika.
Schluss! Aus! Die Saison ist geschlagen! ...und wie sie geschlagen ist. Die UCI-Athletinnen und Athleten versuchten ein letztes Mal in diesem Jahr, alle Kräfte zu mobilisieren und ihre Bikes an die Spitze des Teilnehmerfeldes zu treten. Amerika bot dazu die perfekte Bühne, wussten die Athleten doch zuvor nicht wirklich, was sie dort erwartet.
Das war das große Finale des UCI World Cups in Snowshoe!

Downhill: Spannung und Drama sorgen für ein würdiges Finale!

In den sechs Rennen vor dem Finale in Amerika - das nach vier Jahren endlich wieder im World Cup Kalender vertreten ist - bekamen wir sowohl bei den Herren als auch bei den Damen fabelhafte Siege, aufregende Battles und jede Menge Verletzungen zu sehen. Es gab Höhen und Tiefen.
Tausende Fans fand ihren Weg zur abgelegenen Location in Snowshoe.
Tausende Fans fand ihren Weg zur abgelegenen Location in Snowshoe.
In diesem letzten Rennen des Jahres mussten die Führenden in der Gesamtwertung noch einmal alles herausholen, um sich ihrem Platz am Ende sicher zu sein. Ein brandneuer Track mit scharfen Felsen, massiven Jumps und unglaublich steilen Passagen lagen noch zwischen Tracey Hannah und Loïc Bruni, die beide die besten Chancen hatten, sich zum ersten Mal in ihrer Karriere den Titel zu sichern.

Das DH-Rennen der Damen

1 h 3 Min
DH-Finale der Damen – Snowshoe
Tracey Hannahs Führung in der Gesamtwertung war nach den beiden Siegen von Marine Cabirou nicht mehr ganz so gefestigt. Sollte Cabirou hier siegen, musste Hannah zumindest unter den besten Sechs landen, um am Ende mit dem Titel nach Hause zu fahren.
Seagrave schluckt die Felsen...
Seagrave schluckt die Felsen...
Während die drei Schweizer-Athletinnen Carina Cappellari, Camille Balanche und Emilie Siegenthaler zu Beginn großartig auf dem neuen Track performten, war es Tahnée Seagrave - dich sich nach ihrer Verletzung bei der zweiten Runde in Fort William endlich wieder zurück meldete - die Tracey Hannahs fabulöse Qualifikationszeit gleich einmal egalisierte.
...und sie hat sichtlich Spaß auf der Strecke.
...und sie hat sichtlich Spaß auf der Strecke.
Eine Athletin, die in der Gesamtwertung alle Chancen auf das Podium hatte, war Veronika Widmann. Die Italienerin attackierte, während sie an den richtigen Passagen ein sauberes Rennen mit wenigen Fehlern fuhr. Ihre Herangehensweise funktionierte: Am Ende des Tages stand die Drei sowohl in der Gesamtwertung, als auch in der Tageswertung vor ihrem Namen.
Widmann holte sich den dritten Platz im Rennen und in der Gesamtwertung.
Widmann holte sich den dritten Platz im Rennen und in der Gesamtwertung.
Die neugekrönte Weltmeisterin Myriam Nicole startete mit einem unfassbaren Tempo ins Rennen. Mit dem Regenbogen-Trikot um ihren Schultern fuhr Nicole mit dem notwendigen Selbstvertrauen gab sie die Zeit vor, die es für die beiden verbleibenden Athletinnen noch zu schlagen gab.
Zunächst Cabirou. Die Französin kam ohne große Probleme durch die Strecke; dennoch, Nicole war fehlerlos, durch war sie also noch lange nicht. Bis ihrem großen Jump in der letzten Wald-Sektion konnte noch alles passieren, am Ende aber fuhr sie mit einem Vorsprung von beinahe zwei Sekunden über die Ziellinie.
Cabirou bei ihrer Sensationsfahrt.
Cabirou bei ihrer Sensationsfahrt.
Mit Cabirou im Hot-Seat, muss der Druck auf Tracey Hannah immens gewesen sein, dennoch startete sie schnell ins Rennen, womit sie sich bei der ersten Zwischenzeit vor Cabirou setzte. Je länger das Rennen dauerte, desto weiter zurück fiel sie - das hatte aber nur wenig mit einem Leistungsabfall, als mit einer kalkulierten Herangehensweise und Strategie zu tun. Hannah machte genau das, was sie tun musste. Sie fuhr als Fünfte über die Ziellinie; damit war der Traum Realität: Zum ersten Mal holte sich eine australische Dame den DH World Cup Gesamttitel!
Hier siehst du Marine Cabirous eindrucksvolle Siegerfahrt:
MTB · 3 Min
Siegerfahrt der Damen – Snowshoe

Das DH-Rennen der Herren

2 h 20 Min
DH-Finale der Herren – Snowshoe
Wenn das Damenrennen schon spannend war, dann bekam die Crowd mit dem Herrenrennen noch einmal ein Spektakel der Sonderklasse geboten. Der Titelkampf entschied sich erst im letzten Abschnitt...
Nach seinem Crash im Qualifying zeigte Amaury Pierron eine unglaubliche, aber typische Pierron-Performance. Mit unfassbarer Geschwindigkeit preschte er durch die Kurven und katapultierte sich am Ende in den Hotseat - mit einer Zeit, an der selbst Greg Minnaar und der Amerikaner Charlie Harrison zu beißen hatten.
Pierron gab alles!
Pierron gab alles!
Keiner konnte mit Pierron mithalten. Dann kam Loïc Bruni. Superbruni ging mit enormen Druck in das letzte Rennen des Sommers, da er nach der starken Leistung von Pierron und Harrison wusste, dass er Gas geben musste. Sollte Pierron wirklich siegreich sein, brauchte Bruni zumindest einen dritten Platz, um sich den Titel zu holen.
Der Druck lag auf Bruni, doch machte sich das nicht bemerkbar.
Der Druck lag auf Bruni, doch machte sich das nicht bemerkbar.
Als er durch die Ziellinie fuhr, blickte er auf die Anzeigetafel: Platz drei; soweit so gut, doch mit Danny Hart stand ein schneller Rider noch oben. Sollte Hart sich zwischen Pierron und Bruni schieben, gehörte der Titel Pierron. Was dann passierte, hatte aber keiner auf der Rechnung.
Bruni verfolgt Harts Performance.
Bruni verfolgt Harts Performance.
Die ersten Zwischenzeiten sprachen nicht für Hart. In den Splits eins und zwei lag er nur auf den sechsten Platz. Doch plötzlich änderte sich die Sache gewaltig. Bei der dritten Zwischenzeit stand Hart plötzlich auf Platz zwei - ein Desaster für Bruni. Doch war das noch längst nicht alles. Danny Hart sorgte für ein Wunder, als er bei Split vier nur mehr 0,7 Sekunden Rückstand auf Pierron hatte. Würde er gewinnen, hätte der Franzose als Zweiter nicht genug Punkte für den Titel.
Während Harts Fahrt war die Spannung greifbar.
Während Harts Fahrt war die Spannung greifbar.
Das Warten war kaum zu ertragen. Mit nur 54 km/h durch die Speed-Trap war er um 3 km/h langsamer als Pierron, während die Ziellinie immer näher kam. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, als klar war, dass er gerade den Tagessieg eingefahren hatte. Während Hart den zweiten nicht-französischen Sieg dieser Saison feierte, realisierte Bruni, dass die harte Arbeit vorüber war und sich nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch den Titel im UCI World Cup 2019 gesichert hatte. Ein passendes Ende für die wohl spannendste Saison aller Zeiten.
Die Belohnung für eine lange und harte Saison.
Die Belohnung für eine lange und harte Saison.
Hier kannst du dir Danny Harts unglaubliche Siegerfahrt noch einmal ansehen:
MTB · 2 Min
Siegerfahrt der Herren – Snowshoe

Cross-Country: Ein Finale voller Überraschungen

Auch die XCO-Athleten gaben sich in Snowshoe ein letztes Mal die Ehre. Nino Schurter holte sich mit dem XCC-Rennen am Freitag bereits den Titel, während die Sache bei den Damen noch offen war. Die Amerikanerin Kate Courtney und Jolanda Neff hatten beide noch die Chance, am Ende erfolgreich zu sein.

Das XCO-Rennen der Damen

MTB · 2 h 6 Min
XCO-Finale der Damen – Snowshoe
Es war eine lange Saison für Jolanda Neff und Kate Courtney und deren Kampf um den Gesamttitel. Nach dem Short Track-Rennen am Freitag ging Neff mit einem Vorsprung von nur 20 Punkten in das letzte Rennen. Damit gestaltete sich der Titelkampf denkbar spannend.
Mit einem schnellen Start katapultierte sich Neff an die Spitze.
Mit einem schnellen Start katapultierte sich Neff an die Spitze.
Obwohl sie in der zweiten Reihe startete, setzte sich Neff gemeinsam mit Courtney gleich einmal an die Spitze - dicht gefolgt von einem Rudel starker Athletinnen rund um Jenny Rissveds, Annie Last, Anne Terpstra, Rebecca Mcconnell und Pauline Ferrand-Prévot. Diese Gruppe hielt sich auch in Runde zwei, auf dem kurzen Climb kurz vor dem Waldstück aber hatte Neff Probleme. Sie fiel ab, während sie wütend ihre Gänge schaltete - ohne Erfolg. Je mehr Athletinnen sie überholten, desto weiter schwanden die Hoffnungen auf den Titel.
Neff wurde von unzähligen Konkurrentinnen überholt.
Neff wurde von unzähligen Konkurrentinnen überholt.
Vorne pushte Courtney, da sie wusste, dass sich die perfekte Möglichkeit aufgetan hatte, die Lücke zwischen ihr und Neff zu vergrößern. Die Gruppe an der Front arbeitete hervorragend zusammen, um das Tempo hoch zu halten. Aber auch Courtney begann nach und nach zu straucheln und zurück zu fallen, während sich Rissveds die Führung holte.
Courtney begann zu straucheln.
Courtney begann zu straucheln.
In der fünften Runde entschloss sich Terpstra dazu, das Rennen in ihre Hand zu nehmen und versuchte, die Gruppe auf Abstand zu halten. Ferrand-Prévot schaffte es, anzuschließen, während ein platter Reifen Rissveds in Runde sechs einen Strich durch die Rechnung machte. Courtney setzte sich währenddessen auf Platz fünf.
Es galt, mit Terpstra mit zu halten.
Es galt, mit Terpstra mit zu halten.
Terpstra fuhr vorne weg; gefolgt von Ferrand-Prévot, Last und Mcconnell. Ferrand-Prévot schaffte es, etwas aufzuholen. Als das Duo den finalen Climb erreichte, ging Ferrand-Prévot auf volle Attacke. In einem Sprint-Finish, nur 150 Meter vor dem Ziel, besiegte sie Terpstra und holte sich den Sieg, während sich Last auf Platz drei setzte. Als Courtney als Fünfte ins Ziel kam, konnte sich die Crowd kaum halten. Sie hatte nun genug Punkte auf dem Konto, die alles klar machten: Kate Courtney gewinnt den UCI XCO World Cup 2019!
Eine strahlende Kate Courtney holt sich den Titel!
Eine strahlende Kate Courtney holt sich den Titel!

Das XCO-Rennen der Herren

2 h 11 Min
XCO-Finale der Herren – Snowshoe
Nino Schurter mag zwar den Titel bereits in der Tasche haben, dennoch gab es für den Schweizer noch viel zu holen, hatte er doch die Chance, Julien Abasalons Rekord über 33 Rennsieg zu egalisieren. Der Start ging sauber über die Bühne, während sich vorne eine Gruppe rund um Schurter, Henrique Avancini, Titouan Carod, Lars Forster und Jordan Sarrou bildete.
Ein sauberer Start.
Ein sauberer Start.
Das Tempo der Führergruppe ließ in Runde zwei signifikant nach, was den anderen erlaubte, aufzuschließen. Die etwas gemächlichere Herangehensweise zog sich die nächsten paar Runden durch. Es sah ganz danach aus, als würden die Rider Energie sparen, um später noch einmal zuzuschlagen.
Die Athleten versuchten, Energie zu sparen.
Die Athleten versuchten, Energie zu sparen.
In Runde vier verlor Avancini aber endlich die Geduld und attackierte. Schurter hielt mit, während andere in der Gruppe abfielen. Schurter und Avancini schafften es dann nach und nach sich abzusetzen. Die beiden gingen gemeinsam in die fünfte Runde. Mit Beginn der sechsten Runde musste Schurter aber in die Tech Zone, um sich einen Reifen wechseln zu lassen. Damit war Avancini der alleinige Führende, während Schurter sich nach seinem Reifenwechsel wieder in der Verfolgergruppe fand.
Avancini will seinen Vorsprung ausbauen.
Avancini will seinen Vorsprung ausbauen.
27 Sekunden trennten Avancini von den anderen. In Runde sieben setzte Schurter alles daran, auf den Führenden aufzuschließen - und nach und nach gelang ihm das auch. Forster, Victor Koretsky, Stéphane Tempier, Maxime Marrotte und Manuel Fumic hielten grandios mit. In Runde 8 schlossen sie auf Avancini auf. Mit Beginn der neunten Runde ging das Tempo wieder zurück.
Manuel Fumic versuchte, Avancini und Marotte zu unterstützen.
Manuel Fumic versuchte, Avancini und Marotte zu unterstützen.
Dann kam es zu einem Crash von Fumic, der Avancini und Marotte etwas aus der Fassung brachte. Schurter sah seine Gelegenheit gekommen und ging auf Attacke, bei der nur Forster mithalten konnte, womit sich das Rennen nun zwischen den beiden Teamkollegen entscheiden sollte. Forster setzte sich vor Schurter und schaffte es mit einer perfekten Abfahrt im Felsgarten einen Vorsprung auf seinen Kontrahenten herauszuholen.
Lars Forster fährt alleine vorne weg.
Lars Forster fährt alleine vorne weg.
Die Lücke war groß genug, um dem Weltmeister zu entkommen. Forster für ging damit als Tagessieger über die Ziellinie, mit einem Vorsprung von sechs Sekunden auf seinen Schweizer Kollegen. Dieser freute sich für Forster und gratulierte ihm, während Avancini und Marotte dahinter um Platz drei kämpften. Der Franzose gewann das Duell, womit er sich für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr qualifizierte.
UCI World Cup-Titel Trophäe Nummer sieben für Schurter.
UCI World Cup-Titel Trophäe Nummer sieben für Schurter.