Formel-1-Fahrer Daniil Kvyat versucht sich auf einer Red Bull-Eisbahn im Bobfahren.
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Bobfahren

Bobfahren: Geschichte und Regeln eines legendären Wintersports

Spätestens seit dem Film "Cool Runnings" aus dem Jahr 1993 fasziniert Bobfahren mit Tempo, Technik und Teamgeist. Erfahre, wie dieser Wintersport entstanden ist und was ihn so besonders macht.
Autor: Red Bull France
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Bobfahren zählt zu den spektakulärsten Disziplinen des Wintersports. Rasante Geschwindigkeiten von über 120 km/h, millimetergenaue Steuerung und perfektes Zusammenspiel im Team machen den Sport zu einem faszinierenden Mix aus Technik, Mut und Präzision. Die Schlitten jagen durch spiegelglatte Eiskanäle, in denen jeder Fehler über Sieg oder Niederlage entscheidet.
Wenn du noch nie ein Bobrennen live erlebt hast, keine Sorge – wir erklären dir, worum es geht. Wie der Name schon verrät, rasen die Athlet:innen mit einem Bob, einem hochmodernen Schlitten, mit atemberaubender Geschwindigkeit durch vereiste Bahnen. Ziel ist es, so schnell wie möglich ins Ziel zu gelangen – doch ganz so einfach ist es nicht. Diese Disziplin verlangt präzise Streckenkenntnis, perfekte Koordination im Team und absolute Konzentration. Schon kleinste Fehler können fatale Folgen haben – denn mit bis zu 150 km/h ist im Eiskanal kein Platz für Unsicherheiten.
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Die Geschichte des Bobsports

Der Bobsport wurde Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Ausnahmsweise befassen wir uns mit einem Sport, den unsere englischen Freunde nicht erfunden haben, denn der Bob kommt aus der Schweiz. Im Jahr 1889 wurde in St. Moritz der erste Wettkampf veranstaltet. Damals fuhren die Teilnehmer:innen noch auf Holzschlitten, die mit Kufen ausgestattet waren. Im Jahr 1914 hatte der Sport bereits begonnen, an Popularität zu gewinnen, vor allem in den Alpen.
Teilnehmer:innen fahren bei Red Bull Bob Heroes die Bobbahn hinunter und werden dabei vom Publikum angefeuert, die zahlreich zu diesem spektakulären Event gekommen sind.

Bei Red Bull Bob Heroes geht die Post ab

© Hans Herbig/Red Bull Content Pool

Der Name "Bobsleigh" (oder bobsled) leitet sich von den Bewegungen ab, die die Wettkämpfer:innen während der Abfahrt ausführen. Im Englischen steht "bob" für Kopfnicken, während "sled" den Schlitten bezeichnet.
Schnell wurden die Geräte modernisiert und von Holz auf Metall umgerüstet. 1923 wurde die FIBT (Fédération Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing) gegründet. Heute ist daraus die IBSF (International Bobsleigh & Skeleton Federation) geworden. Bei den ersten Winterspielen in Chamonix war die Sportart bereits vertreten, zunächst als 4er-Bob, vier Jahre später auch als 2er-Bob. Seitdem ist das Format gleich geblieben.
Um die 1950er Jahre herum begann der Sport dem zu ähneln, was wir heute kennen, wobei vor allem der Start immer mehr an Bedeutung gewann. Dadurch entdeckten viele Sportler:innen aus der Leichtathletik die Sportart für sich. Das Gesamtgewicht eines Teams ist ebenfalls begrenzt, was die Disziplin noch reizvoller macht. Zuvor war es üblich, ein schweres Team zusammenzustellen, um beim Start die meiste Power zu erreichen (einige erfolgreiche Teams wogen durchschnittlich 118 kg pro Person).
Anfang der 90er-Jahre traten dann auch Frauen in den Sport ein und 20 Jahre später wurde Monobob als olympische Disziplin anerkannt.
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Die Regeln des Bobsports

Wie bereits erwähnt, können Bobteams aus zwei oder vier Mitgliedern bestehen. Jedes Teammitglied hat eine bestimmte Rolle: Der oder die Pilot:in sitzt vorne, gefolgt von zwei Anschieber:innen, und hinten sitzt der oder die Bremser:in. Beim Zweierbob gibt es keine Anschieber:innen. Am Start schieben alle Teammitglieder den Bob an, bevor sie hineinspringen und die Griffe einziehen. Dieser Moment ist absolut entscheidend, denn eine Verzögerung beim Start führt dazu, dass man auf dem Rest der Strecke nicht mehr schnell genug ist. Im Durchschnitt werden 0,1 Sekunden am Start zu 0,2 Sekunden (oder mehr) im Ziel.
Rostislav Gaitiukevich und sein Team machen sich auf den Weg zu einem intensiven Training auf der Bobbahn in Sotschi.

Rostislav Gaitiukevich und sein Team trainieren ihren Start in Sotschi.

© Denis Klero/Red Bull Content Pool

Während eines Wettkampfs absolvieren die Mannschaften 2 oder 4 Läufe, abhängig von der Veranstaltung. Die Startreihenfolge des ersten Laufs wird durch die Weltrangliste bestimmt (die Besten profitieren also von frischerem und weniger beschädigtem Eis). Danach starten diejenigen, die am ersten Tag mit der besten Zeit ins Ziel gekommen sind, als Letzte. Beim dritten Lauf starten die Teams in der Reihenfolge der Rangliste (also nicht umgekehrt), und schließlich starten die 20 Besten in umgekehrter Reihenfolge zur vierten Abfahrt. Extrem einfach, nicht wahr?
Heutzutage müssen alle Bobs aus Materialien gebaut werden, die vom internationalen Verband zur Verfügung gestellt werden, und sie werden dann auf ihre Konformität hin überprüft. Es gibt ein Mindest- und ein Höchstgewicht, die unbedingt eingehalten werden müssen.
Es ist ganz einfach: Nach dem Start und dem ersten Anschieben geht es nur noch um die Position im Eiskanal. Der Bob wird nur durch den oder die Pilot:in, den oder die Bremser:in und die Schwerkraft kontrolliert. Entscheidend ist, stets die ideale Position in der Kurve zu halten: Wer zu weit oben fährt, legt einen längeren Weg zurück und verliert wertvolle Zeit. Wer zu tief fährt, verliert die nötige Zentrifugalkraft – und riskiert, in der Kurve hängen zu bleiben. Präzision ist also alles.
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Die Ausrüstung

Rostislav Gaitiukevich posiert zwischen zwei BMW Bobs während einer Trainingseinheit.

Rostislav Gaitiukevich posiert im Standard-Bob-Anzug

© Denis Klero/Red Bull Content Pool

Wie du dir sicher denken kannst, sind die heutigen "Schlitten" nicht mehr aus Holz gefertigt. Im 21. Jahrhundert hat Glasfaser Einzug in die Disziplin gehalten.
Um ihre Bobrakete zu steuern, ziehen die Pilot:innen an zwei Ringen. In der Praxis sind die Bewegungen recht subtil, denn bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h führt jede plötzliche Bewegung unweigerlich zu einem Crash. Bei den Bremsen handelt es sich um gezackte Stangen, die sich in die Eisoberfläche bohren. Im Gegensatz zu anderen Geschwindigkeitssportarten werden diese erst nach dem Überqueren der Ziellinie benutzt.
Die restliche Ausrüstung besteht aus einem Helm, einem Lycra-Anzug, der den Windwiderstand verringert, und Schuhen mit Spikes, die den Halt verstärken. Achtung: Wir reden hier nicht von Fußballstollen, hier sind mindestens 250 Spikes unter dem Schuh.
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Die körperliche Vorbereitung

Rostislav Gaitiukevich und sein Team nehmen beim Bobtraining Anlauf.

Bobsportler:innen müssen unglaublich kraftvoll und explosiv sein.

© Denis Klero/Red Bull Content Pool

Um mit den irren Geschwindigkeiten fertig zu werden, die bis zu 5G verursachen, was dem entspricht, was ein F1-Fahrer in einer Kurve spürt, trainieren Bobfahrer:innen hart. Explosivität, Kraft (der Bob wiegt mindestens 170 kg) und Vorbereitung sind daher sehr wichtig. Die Besten in dieser Disziplin laufen die 100 Meter in 11 Sekunden. Da das Gesamtgewicht des gesamten Teams zählt, ist sogar der Muskelaufbau eine Teamarbeit.
Danach kommt alles, was mit dem Timing zu tun hat, um einen schnellen, präzisen und reibungslosen Start zu gewährleisten.
Dieser Sport ist also nicht nur auf der Bahn extrem, sondern auch abseits davon.
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Die großen Nationen des Bobsports

Im Laufe der Jahre haben sich die Schweiz und Deutschland als die beiden großen Bobnationen etabliert. Vor ihnen, als der Verband noch nicht über die Regeln für den Bau der Geräte entschieden hatte, gelang es den USA, die Disziplin zu dominieren, vor allem dank ihres technologischen Vorsprungs. Und natürlich darf Jamaika nicht unerwähnt bleiben, denn obwohl "Cool Runnings" ein Film ist, handelt es sich um eine wahre Geschichte angelehnt an die Ereignisse aus dem Jahr 1988.
Bobfahren ist eine Disziplin, über die (zu Unrecht) viel zu wenig gesprochen wird, da sie nicht nur extrem spektakulär ist, sondern auch ein Teamsport.
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