Ein DJ-Set charakterisiert sich durch seine Vielstimmigkeit: Verschiedene musikalische Ideen vermengen sich und ergeben einen ganz neuen Stream von Tracks. Zwei, die dieses Medium besonders gut beherrschen, sind die österreichischen Produzenten Kruder & Dorfmeister.
Anstatt nur eine Sichtweise wiederzugeben, funktioniert also auch diese Vorstellung wie ein Mix: Musik, Zitate und Beschreibungen fügen sich zu einer neuen Geschichte zusammen.
The Golden Years
Im Jahr 2017 haben Kruder & Dorfmeister ein sechs Stunden langes Set in der Pratersauna gespielt. In sechs Stunden lernt man sehr viel über zwei DJs: Deshalb haben wir sechs Momente daraus kommentiert und mit GIFs visualisiert. The Golden Years von Kruder & Dorfmeister: Drücke auf Play und genieße die Fahrt.
00:00:00 High Noon – Kruder & Dorfmeister
Das Set beginnt bereits mit einem der bekanntesten Outputs von Kruder & Dorfmeister: “High Noon” war einer von vier Tracks auf der allerersten EP der beiden Künstler. “G-Stoned”, veröffentlicht auf dem eigenen Label G-Stone, erschien im Jahr 1993 und war der Anfangspunkt für eine internationale Karriere.
00:34:18 The G-Stone Anthem (Urbs Mashup) – Kruder & Dorfmeister
Was mit dem Labelnamen G-Stone schon vor dem Erfolg international klang, führte aber zuerst einmal in den 16. Bezirk, in die Grundsteingasse. Dort entstanden die ersten Tracks in einem eher unüblichen Umfeld:
Peters Studio in der Grundsteingasse, nach der wir unsere erste Platte “G-Stoned” benannten, war eine Zweizimmerwohnung. Bestehend aus Schlafzimmer und Wohnzimmer. Man wohnte ja damals im Studio. Man stand auf, ging ins andere Zimmer – wenn man überhaupt ein zweites hatte – und legte los.
01:09:01 Like A Rocket – Makossa & Megablast feat. Capitol A
Der Aufstieg von Kruder & Dorfmeister war unaufhaltsam, sie machten den Sound aus Österreich richtig gefragt: Wien erlebte seinen ersten großen Hype und die Stadt etablierte sich auf der musikalischen Landkarte, wie Rudi Wrany in seinem Rückblick schreibt.
Die Krönung dieser Erfolgsgeschichte: das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Verliehen 2003, übergeben im Jahr 2017. Kurz nach der Verleihung spielten Kruder & Dorfmeister in der Pratersauna übrigens das sechsstündige Set, das ihr jetzt gerade hört.
Sprechen auch gerne mit Musik: Monophobe und Karma Art vertonten für uns den Frühling:
02:04.30 Nothing Really Matters – Madonna (Kruder & Dorfmeister Remix)
Mit dem Erfolg kamen auch die Anfragen für Remixes – und genau diese haben Kruder & Dorfmeister zu einer eigenen Kunstform erhoben:
Unser Ansatz für Remixes war ja, etwas Neues zu kreieren. Die Vocals zu nehmen und darunter alles neu zu arrangieren. Nicht einfach nur den Bass lauter drehen und einen Beat dazugeben. Das gefiel auch den Künstlern.
Den Künstlern gefiel es tatsächlich: Nicht nur der oben erwähnte Remix von Madonna kam von den zwei Wiener Produzenten, auch Depeche Mode wurden in Wien neu arrangiert. Hingegen keinen Remix bekommen haben trotz Anfrage Herbert Grönemeyer und David Bowie. Mensch blieb also leider wirklich Mensch.
04:41:38 Stuttgart – Tosca (John Digweed & Nick Muir Remix)
Der absolute Höhepunkt der Geschichte war mit Sicherheit der Release von den "K&D Sessions", erschienen im Jahr 1998 und auch heute noch ein gefragtes Stück Vinyl auf Sammlerbörsen. Der Erfolg dieser Platte war absolut surreal – Kruder & Dorfmeister waren auf einmal überall:
Von da an waren wir richtig viel unterwegs. Ständig auf Tour. Für uns war das schon extrem abstrakt. Weil wir ja aus dem Wohnzimmer kamen und für unsere Freunde Musik machten. Und dann bist du plötzlich prominent auf komische Art.
Da die Musik für die beiden immer wichtiger war als der Ruhm, legten sie nicht das Nachfolgealbum zu “G-Stoned” vor, sondern realisierten das klassische Albumformat mit ihren Soloprojekten: Richard Dorfmeister mit Tosca (die gerade erst letztes Jahr ein neues Album releasten) und Peter Kruder mit dem Peace Orchestra.
04:58:15 The Magic Room – Dino Lenny & Doorly
Am 9. Mai 2018 kommen Kruder & Dorfmeister wieder zurück nach Wien. Beim Red Bull Music Festival Wien im Wiener Riesenrad und am Riesenradplatz spielen die beiden Ikonen der heimischen elektronischen Musikszene im Grand Autodrom ein DJ-Set.
Auch wenn die Musik von Peter Kruder und Richard Dorfmeister jeder kennt, ist es dennoch nicht so einfach, einen gemeinsamen Auftritt der beiden zu erleben. Die Chance sollte man sich daher nicht entgehen lassen. Plus: An diesem Tag trifft sich ohnehin die gesamte österreichische Musikszene im Wiener Prater – alle Infos dazu gibt es hier:
Alle Zitate von Richard Dorfmeister und Peter Kruder stammen aus dem folgenden Buch:
Walter Gröbchen, Thomas Mießgang, Florian Obkircher und Gerhard Stöger: WIENPOP. Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte erzählt von 130 Protagonisten. Wien: Falter Verlag 2013.
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