Manche von ihnen prägen seit Jahren den Sound im Deutschrap entscheidend mit, ohne dafür die gebührende Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir ändern das nun und zeigen euch 10 Produzenten aus Österreich, die man auf jeden Fall kennen sollte.
1. RAF Camora
Diese Nennung kommt nicht überraschend, ist der Wiener/Wahl-Berliner RAF Camora einer der gegenwärtig wichtigsten Protagonisten im Deutschrap. Aber eben nicht nur als Rapper, sondern genauso als Produzent. Seine großen Fähigkeiten in diesem Bereich sind bereits auf seinem 2009er-Solodebütalbum „Nächster Stopp Zukunft“ zu hören. Auf dem – allerdings nicht von ihm produzierten – Titeltrack rappt er unter anderem davon, dass er eines Tages für Rihanna produzieren wird. Rihanna auf einen RAF-Beat gab es bis dato zwar noch nicht zu hören, aber mittlerweile wirkt diese Kombination gar nicht mehr so utopisch. In den vergangenen Jahren machte RAF, seit jeher gesegnet mit einem feinen Gespür für Trends, durch die Etablierung des Afro-Trap-Sounds im Deutschrap von sich reden. „Palmen aus Plastik“ war nicht weniger als eine Zäsur für das ganze Genre.
2. Brenk Sinatra
Für musikalischen Facettenreichtum steht Brenk Sinatra. Selbst in den USA vertraut man auf den Sound des Synth-Fanatikers aus Kaisermühlen, der sich nicht richtig einordnen lässt: Egal ob Eastcoast, Westcoast oder Texas, Brenk Sinatra ist in allen Gefilden bewandert. Props gibt es so nicht nur von MC Eiht, dessen Album „Which Way Iz West“ zu großen Teilen Brenk-Instrumentals beinhaltet, sondern sogar von DJ Premier. Vergangenes Jahr produzierte er zur Gänze ein Album für den Berliner Rapper Said – und verzichtete dabei auf jegliche Samples.
3. Fid Mella
Der Südtiroler Fid Mella, den es nach Wien verschlagen hat, lebt in seinen Beats unüberhörbar eine Passion für progressive und psychedelische Musik aus; Soundwelten, die auch einem Brenk Sinatra nicht fremd sind. Mit „Chop Shop 2“ machten die beiden 2014 konsequenterweise gemeinsame Sache auf Albumlänge und begaben sich auf eine musikalische Reise durch das Wien der 70er und 80er-Jahre. Fid Mellas Beats landen nicht nur regelmäßig auf Projekten italienischer Größen, auch auf Alben deutscher Geschmacksinstanzen wie Audio88 & Yassin oder Mädness & Döll ist sein Name in den Credits zu lesen.
4. Clefco
Wie Fid Mella stammt Clefco ursprünglich aus Südtirol, wie Fid Mella ist Clefco eng mit dem Wiener Beatlabel Hector Macello verbandelt. Clefco steht für einen samplebasierten Neo-BoomBap-Sound, der sich durch alle seine Projekte zieht. Auf denen er verschiedene Wege beschreitet: So arbeitete Clefco bereits mit US-Sänger Anthony Mills zusammen, wirkte am Haftbefehl-Remixalbum „The Notorious H.A.F.T.“ mit und produzierte 2018 gemeinsam mit Fid Mella für die „Bullies in Pullis“, Crack Ignaz und Young Krillin.
5. Freshmaker
Beinahe geräuschlos bahnte sich Freshmaker seinen Weg an die Spitze. Der Erfolg des Wieners mit den Synthie-Instrumentals spricht für sich: Kollegah ist nur einer aus der Deutschrapper-Elite, der auf seine Beats vertraut. Kürzlich bekamen Freshmakers zwei Goldene Schallplatten durch seine Beteiligung an „Jung Brutal Gutaussehend 3“ platinen Zuwachs. Mit seinem zweiten Produzentenalbum „Fusion“ zeigte er im Januar, wie gut er mittlerweile in der Deutschrap-Szene vernetzt ist. Dabei vergisst er nicht die österreichische Szene, wie etwa anhand seiner Zusammenarbeit mit Kid Pex erkennbar ist.
6. PMC Eastblok
Für düsteren, kompromisslosen BoomBap-Sound der Marke Ostküste steht der Wiener PMC Eastblok, der bisher vor allem Rapper im Gespann der Wiener Crew Eastblok belieferte. Am bekanntesten sind seine Arbeiten für Svaba Ortak. Auch auf „Eva & Adam“, dem kommenden Major-Debüt von Svaba Ortak, wird PMC mit Produktionen vertreten sein.
7. Lex Lugner
Mit Beats für Yung Hurn und Rin („Bianco“) machte Lex Lugner auf sich aufmerksam. Alleine auf den Trap- und Cloudsound will er sich mittlerweile nicht mehr reduzieren lassen. Richtig so, denn wer einmal eines seiner Live-Sets besuchte, weiß, dass Lex Lugner sich musikalisch durch große Offenheit auszeichnet.
8. DJ Stickle
Für Yung Hurn produziert gegenwärtig überwiegend DJ Stickle, der auf eine erfolgreiche Geschichte im Deutschrap zurückblicken kann. Der Linz-to-Berlin-Produzent hat immerhin drei Epochen des Deutschrap mitgeprägt: Zunächst beeinflusste DJ Stickle gemeinsam mit seinem damaligen Partner Chakuza als Beatlefield den Sound des deutschen Straßen/Gangstarap, die beiden dirigierten schließlich für lange Jahre den Sound von Bushidos Label Ersguterjunge. Nach dem Ende bei Ersguterjunge arbeitete DJ Stickle für Casper und wirkte an dessen Durchbruch-Album „XOXO“ mit, womit er musikalisch eine komplett konträre Richtung einschlug. Das gilt ebenso für seine Arbeiten für Yung Hurn, wo NDW-Einflüsse für seinen Sound keine Fremdkörper darstellen.
9. Wandl
Für progressiven Sound ohne Scheuklappen steht der St. Pöltner Wandl, der im Rapkosmos besonders durch seine Zusammenarbeit mit Crack Ignaz, „Geld Leben“, ein Ausrufezeichen setzte. Auf seinem Soloprojekt „It’s All Good Tho“ (2017) nimmt der Brainfeeder-Nerd Einflüsse von Neo-Soul über Trap bis Pop in sein Soundbild auf und greift als Sänger selbst zum Mic.
10. Whizz Vienna
Fast vergessen, aber eigentlich hat nur ein Release gereicht, um sich für immer in die Annalen des Deutschrap einschreiben zu können: Und zwar „Versager ohne Zukunft“ mit Kamp, wo dieser sein ganzes Leiden über Whizz Viennas langsamen, berauschten Beats mit feinen Samples darlegt. Das ist mittlerweile auch schon zehn Jahre her, fühlt sich aber unverändert frisch an. Szeneklassiker eben. Nach Kamp produzierte Whizz Vienna unter anderem für Prinz Pi, aber seitdem ist schon wieder einige Zeit vergangen. Comeback erwünscht!
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