Music

Das sind die einflussreichsten Jugendsubkulturen der letzten 100 Jahre!

© PYMCA/UIG via Getty Images
Mod, Punk oder Rave – zahllose Subkulturen haben sich im vergangenen Jahrhundert an bestimmte Genres gekoppelt und weitere beeinflusst. Wir liefern dir den Überblick.
Autor: Sammy Leeveröffentlicht am
Jugendliche Subkulturen blicken auf eine lange Geschichte zurück: Bei der Bloomsbury Group angefangen bis zu den Juggalos und den Deadheads hat sich eine Vielzahl verschiedenster Gruppierungen herausgebildet. Meist sind sie Produkte des unmittelbaren Umfelds, in dem die Jugend aufwächst. Viele davon finden aber auch in künstlerischen und philosophischen Bewegungen ihren Ausgangspunkt. Der Großteil aber geht Hand-in-Hand mit einem bestimmten Musikgenre.
Trotz dieser unvergleichlichen Diversität gibt es aber einige Subkulturen, die als Wurzel für die weiteren Abkömmlinge gelten. Das sind die einflussreichsten Jugendsubkulturen der letzten 100 Jahre!

Flapper, Dandys und Swing Kids

Die 1920er-Jahre: Der erste Weltkrieg ist bereits Geschichte und die Länder dieser Welt befinden sich in einer tumultartigen Phase des Wandels. Unter diesen Bedingungen entsteht die Idee der „Jugend“; derjenigen, die zu alt sind, um Kinder zu sein, und zugleich zu jung, um als erwachsen zu gelten. Sie wollen die Dinge auf ihre Art und Weise lösen und ihre eigenen Gedanken denken.
Jazz und Swing gepaart mit provozierenden Dance-Moves, viel Alkohol und ein gewagter Kleidungsstil standen hier an der Tagesordnung. Die Swing-Jugend in Deutschland nahm ihren Hang zur Rebellion besonders ernst, indem sie die Geduld des faschistischen Regimes mächtig auf die Probe stellten, Englisch sprachen und afroamerikanische Musik hörten – die Grundlage für unzählige weiter Jugend- und Teenager-Kulturen auf der ganzen Welt.
Flappers und Swing Kids
Flappers und Swing Kids

Die Beat-Generation

Die Wurzel der Hippie- und der modernen Hipster-Bewegungen liegt wohl in der sogenannten Beat-Generation. Neben ihrem Hang zu Bebop und Jazz und Schriftstellern wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg setzte diese Generation vor allem auf möglichst dunkle, funktionelle und volkstümliche Kleidung – ein Ausdruck für die Freiheit des einzelnen und der Flucht aus dem alltäglichen Hamsterrad.
Die Beat Generation
Die Beat Generation

Teddy Boys

Vornehme Kleidung stand in der Prioritätenliste der britischen Teddy Boys und Girls Anfang der 1950er-Jahre ganz weit oben, womit sie den Mittelstand als das neue Proletariat abstempeln wollten. Dazu passend ließ sich diese Protestbewegung nicht zuletzt von der US-amerikanischen Rock- und Biker-Kultur inspirieren, womit sie sich das erste wirkliche Teenager-Musikgenre zu eigen machten: Den Rock 'n' Roll!
Anzüge mit wattierten Schultern, Schnürsenkel-Krawatten, Pikes und der klassische Elvis-Presley-Look sollten die ältere Generation einschüchtern, während die Frauen mit Pudelröcken, Jeans und Lederjacken die konservative Gesellschaft mächtig verunsicherten. Dass sich Mädchen wie Jungen anziehen und letztere Zeit und Geld für ihr Haarstyling aufwendeten, war in Großbritannien der Nachkriegszeit schwer verpönt – ein erstes Aufflackern der klassischen Rocker- und Punk-Attitüde also.
Die Teddy Boys
Die Teddy Boys

Rude Boy

Die Rude Boy-Bewegung entstand ursprünglich in Jamaika inmitten der Dancehall- und Soundsystem-Szene. Modisch passten sich deren Vertreter dem neuesten Trend an, während der unglaubliche Soundtrack sich durch westindische Immigranten in den 50er- und 60er-Jahren relativ schnell in Großbritannien verbreitete. Die Rude Boy-Kultur beeinflusste stark den Look und die Attitude von Bands und Fans der 2-Tone-Ära, die frühen Skinheads und die folgende jugendliche Subkultur auf unserer Liste.
Die originalen Rude Boys aus Jamaika
Die originalen Rude Boys aus Jamaika

Mods

Nachdem die britische Arbeitslosenrate in den 1960er-Jahren extrem niedrig ausfiel, hatte die dort angesiedelte Jugend mächtig Geld zum Aus-dem-Fenster-schmeißen. Daraus entstand eine Subkultur, die sich abzugrenzen wusste und noch die heutige Zeit überdauert.
Die männlichen Abkömmlinge der Mods – oder um genau zu sein, die Modernisten – trugen Mohair-Anzüge, Parkas, Polo-Shirts und Desert-Boots, während die Damen mit falschen Wimpern, Caprihosen, Mary Quant-Kleidern und kniehohen Stiefeln aufwarteten. Die Mods werden nicht zuletzt mit den Vespa- und Lambretta-Rollern gleichgesetzt, doch ist es vor allem deren Soundtrack, der die Bewegung so verführerisch macht. „Richtige“ Mods (ja, da gibt es einen Unterschied) setzten sich vor allem mit früher Soul-Musik, Reggae, Rocksteady und Ska auseinander.
Die Mods sind in Großbritannien noch heute präsent.
Die Mods sind in Großbritannien noch heute präsent.

Punks

Als Reaktion auf die schmutzigen, grauen, apokalyptischen 70er-Jahre und die aufgedunsen-schwelgerische Musikszene in Großbritannien verfolgten die Punks eine „Year Zero“-Attitude: „Search and destroy“ war das Motto.
Die alte Welt sollte abgerissen werden, um eine neue, verrückte Welt à la Mad Max mit provozierender Kleidung, frechen Sprüchen und lauter Musik aufzubauen. Wie bei fast allen Jugendkulturen war der Akt der Rebellion der Schlüssel zu dem Ganzen. Während die ursprüngliche Punk-Szene zwischen 1976 und 77 nicht sehr lange Bestand hatte, inspirierte diese doch unzählige weitere Subkulturen wie Anarcho-Punks, Mod-Punks und Goths.
Die Year-Zero-Punk-Attitude
Die Year-Zero-Punk-Attitude

Raver

Der Aufstieg von House und Techno in Europa und damit der illegalen Raves inspirierten den „Second Summer Of Love“ im Jahr 1988, als ein kleiner Teil der Jugend sich dazu entschloss, ihre eigene Gegenkultur zu bilden. Clubs, Felder und Lagerhäuser sorgten für das notwendige Umfeld, um der Eintönigkeit des Lebens entfliehen zu können.
Acid House in Großbritannien und die weitere Club-Szene war die letzte umfassende Jugendsubkultur, die sowohl in der Presse für Aufsehen sorgte, als auch den Eltern die Sorgenfalten auf die Stirn trieb – alles in guter alter kommunaler „All-you-need-is-love“-Fashion und mit dem Ziel, individuelle Freiheit zu finden.
Rave in den späten 1980er- und frühen 90er-Jahren
Rave in den späten 1980er- und frühen 90er-Jahren