So einfach lässt er sich nicht beschreiben, der Sound von Kiasmos, dem neuesten Baby von Erased Tapes. Das Brainchild des isländischen Wunderknaben Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen, von den Electro-Rockern Bloodgroup, passt mit seinen Streichern und den elitären Effekten irgendwie genauso gut in einen edlen Konzertsaal, wie den High-Tech(no) Club. Auf dem gleichnamigen ersten Album, produziert in Arnalds Studio in Reykjavik, findet man daher auch Synthesizer, ein Streichquartett, ein Piano und schräge Tape-Delays.
Wer denkt, dass bei solchen unterschiedlichen Herangehensweisen an die Materie Musik, öfters der Haussegen schief hing, liegt absolut falsch: "Wir machten zuerst Musik und wurden dann erst Freunde," erzählt Arnalds. "Eigentlich sind wir nur wegen dem Sound Freunde geworden!" Und Rasmussen fügt noch hinzu: "Wenn man das Musikmachen liebt wie sein größtes Hobby und es mit jemand anderem betreibt, wieso sollte man sich dann mit der Person streiten?!"
In der Tat ist Kiasmos kein Grund zum Streiten, die Geister sind sich einig: Hier passiert Großes. Bezeichnenderweise ist der Titel der brandneuen EP auch Swept, was soviel heißt wie "Weggefegt" - und das darf man schon mal sein, wenn man sich diese Sounds anhört. Swept erscheint am 20. November auf Erased Tapes. Wir unterhielten uns mit Kiasmos.
Ihr bewegt euch zwischen Konzertsaal und Club. Ist das nicht etwas gefährlich?
Janus Rasmussen: Kann schon sein, aber dadurch wird es erst spannend. Wir wollen alte ehrwürdige Theater eben in krasse Clubs, in denen der Schweiß von der Decke tropft, verwandeln.
Ólafur Arnalds: Wir sind natürlich eher im Club zuhause, wir sind nicht "dazwischen gefangen" - wir sind einfach an beiden Orten.
Also ist Kiasmos sowas wie eine gespaltene Persönlichkeit? Habt ihr beide eure musikalischen Vorlieben perfekt aufgeteilt?
OA: Na es ist jetzt nicht so, dass ich nur Klavier spiele und Janus macht den Beat dazu. Das wäre ja ziemlich einfach.
JR: Wir sind auch eigentlich gar nicht so verschieden. In unserer Freizeit hören wir sogar ziemlich ähnliche Sachen, das hat uns auch zusammen gebracht.
Welche Rolle spielen eure Herkunftsorte, Island und Faroe, bei der Musik?
JR: Unser Sound ist nicht bewusst von irgendetwas beeinflusst. Wir geraten in einen kreativen Fluss und jeder von uns kann seinen Ideen freien Lauf lassen. Natürlich lässt es sich nicht vermeiden, dass die Umgebung auf einen einwirkt, aber das ist nichts wonach wir streben.
Den Einfluss von Techno könnt ihr aber nicht komplett verleugnen. Könnt ihr mir fünf Songs nennen, die den Sound von Kiasmos geprägt haben?
JR: Immer dieses Prägen. Ich verrate Dir fünf Songs, die mich zum Feiern gebracht haben. Sie sind alle von 2007 und megafett, also mach dich bereit - es geht los!
Als ich diesen Track zum ersten Mal hörte, hat es mir die Birne weggeblasen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Techno so edgy und abgedreht ist.
Das lief bei mir in Dauerschleife. Ich habe durch den Track erfahren, wie emotional und bedeutend Techno sein kann.
Das hier war lange Zeit meine Geheimwaffe, die Leute sind durchgedreht, wenn ich das gespielt habe. Alle wollten immer wissen, wie der Track gerade hieß. Damals gab es noch kein Shazam!
OA: Wir beide fingen ungefähr zur selben Zeit mit Techno an und machten zusammen die Clubs unsicher, um neue Musik zu hören.
Der vielleicht beste Technotrack der Welt. Wir lieben Stimming. Auch heute noch.
Nachdem ich das gehört habe, war ich inspiriert meinen ersten eigenen Club-Beat zu machen. Dieser Kontrast von dem ruhigen Gesang und dem kickenden Beat. Wahnsinn. Dieser Track spielt eine große Rolle, warum sich Kiasmos genau so anhört, wie wir uns anhören.
Kiasmos sind auf Facebook.
Swept erscheint am 20. November. Kaufen kannst du die EP hier.


