Ein Held kämpft gegen einen großen Drachen
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Elden Ring: Wie ein Souls-Einsteiger das Spiel erlebt

Viele stellen sich aktuell die Frage: "Lohnt sich Elden Ring für Spieler, die kein Dark Souls mögen?" Wir haben dies einmal auf die Probe gestellt.
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
9 min readPublished on
Ich habe noch nicht viel Erfahrung mit den Souls-Games von From Software sammeln können. Durch ihr Szenario konnten mich Bloodborne und Sekiro zwar einige Zeit beschäftigten, aber wirklich “klick” hat es nie gemacht. Auch nachdem ich jedem Teil der Dark Souls-Reihe eine Chance gegeben hatte, konnten mich diese nie mehr als ein paar Stunden unterhalten. Am meisten Zeit hatte ich wohl in die Souls-Like-Spiele anderer Entwickler gesteckt. Primär The Surge, vom deutschen Studio Deck 13, und Code Vein aus dem Hause Bandai Namco. Doch auch hier hielt sich die Spielzeit in Grenzen.
Mit dem Release von Elden Ring, und dem damit verbundenen Hype, stellte ich mir natürlich die eine Frage, die sich zahlreiche andere Spieler auch gestellt haben: “Wenn ich Dark Souls nicht mag, wird mir Elden Ring gefallen?”

Das Original Red Bull

Red Bull Energy Drink

Red Bull Energy Drink
Die kurze Antwort ist “Nein”. Die Lange Antwort ist “Nein. Aber…”.
Ein Riese zieht sein Schwert, während sich ein Magier bereit macht.

Elden Ring verspricht epische Kämpfe gegen gigantische Gegner

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Wenn ein Spiel zu viel Arbeit ist

Doch vielleicht ist es wichtig zu verstehen, warum ich mich bisher noch nie dazu durchringen konnte viel Zeit in ein Souls-Like zu stecken. Der Schwierigkeitsgrad war es - meistens - nicht. Viele Genres, die ich sonst mit viel Begeisterung spiele, sind eher auf der fordernden Seite: Fighting Games schrecken viele ab, wenn es darum geht ihre Mechaniken und Inputs zu meistern; Bullet Hell Shooter und die Spiele der Monster Hunter-Reihe setzen voraus, dass man gewillt ist die Muster eines Gegners zu lernen und entsprechend auf Veränderungen zu reagieren.
Auch das wiederholtes Starten von Checkpoints ist etwas, dass mir als Speedrunner nicht unbekannt ist. Teilweise bestanden ganze Abende daraus im Minuten-Takt einen Run von neuem zu beginnen.
Gepaart damit, dass ich ein Spieler bin, der ein großer Fan von Mechaniken und Funktionen ist, hätte man also davon ausgehen sollen, dass das Souls-Genre wie geschaffen für mich sei. Was war es also, dass mir den Spaß an den Titeln genommen hatte. Es ist simpel: Es fühlte sich nie so an, als würden die Spiele meine Zeit respektieren.
Damit meine ich nicht, dass ich nicht gerne meine Zähne in einem Game versenke. Wenn ich eine aktuelle Gaming-Obsession habe, packe ich jede freie Minute in einen Titel. Auch scheue ich mich nicht vor Grind-lastigen Games. Bei vielen Souls-Games hatte ich aber das Gefühl, dass mir das Spiel Steine in den Weg legt, die nichts damit zu tun haben, dass es einfach nur “schwer” ist. Viele wertschätzen, dass Dark Souls sehr unzugänglich gestaltet ist und manche Dinge durch Recherche oder den Austausch mit anderen Spielern erlernt werden müssen. Dieser Aspekt war es allerdings, der mich persönlich davon abgehalten mehr Zeit in die Spiele zu investieren. In diesen Szenarien hatte mir das Kern-Gameplay nicht genug gefallen, um den zeitlichen Aufwand - die "Arbeit "- zu rechtfertigen, um dem Titel den Raum zu geben, den er braucht um sich zu entfalten.
Genau wie Red Bull-Speedrunner GrandPOOBear habe ich mich aber dennoch direkt an Tag 1 in Elden Ring gestürzt. Bewaffnet mit Schwert, Schild und der Hoffnung, dass es dieses Mal alles anders sein wird.

Souls bleibt Souls

Und es dauerte nicht lange, bis mir eines klar war. Auch Elden Ring ist im Kern nur ein weiteres Souls-Game. Alle Aspekte, die mich davon abgehalten haben seine Vorgänger zu spielen, waren auch hier präsent. Die gleiche Menge an kryptischen Status-Icons, gnadenlosen Gegnern und komplexen Kampf-Mechaniken, die es zu verstehen und meistern gilt.
Egal welcher Aspekt es ist, den ihr an Dark Souls und Co. nicht mochtet, die Chancen stehen hoch, dass dieser auch ein Teil von Elden Ring ist. From Software hat das Spiel in dieser Hinsicht nicht darauf ausgelegt neue Spieler für sich zu gewinnen. Solltet ihr die Genre-Formel nicht mögen, dann habe ich hier leider keine guten Nachrichten für euch. Das ist für ungewöhnlich. Denn mittlerweile ist From Software kein Nischen-Entwickler mehr. Mittlerweile zählt die Spieleschmiede aus Tokyo zu den renommiertesten, japanischen AAA-Studios. Mit wachsender Größe versuchen Developer eher eine größere Spielerschicht zu erschließen, in dem sie einladender werden.

10 Min

Japan's AAA gaming

How Japan's AAA gaming resurgence makes it a significant force in the industry.

Englisch +1

Gleichzeitig sind natürlich auch die Stärken vergangener Spiele in Elden Ring zu finden. Die Anspannung, wenn ihr euch tief in unbekannten Territorien befindet, alle Heilungs-Ressourcen erschöpft, ist unbeschreiblich. Hinter jeder Ecke erhofft ihr euch die nächste “Gnade” zu finden, Elden Rings Variante Bonfire, welche als Checkpoint dienen. Man hält die Luft an und hofft, dass man nicht von einem der zahlreichen Feinde überrumpelt wird, seine Runen verliert, und den ganzen Weg erneut bestreiten muss.
Doch spätestens als ich dem ersten großen Boss, Margit The Fell Omen, gegenüberstand, und für über eine Stunde ins virtuelle Gras beißen musste, stellte ich mir erneut die Frage, welche der Untergang für viele andere Spiele des Genres gewesen war: “Ist es mir das wert?”, wollte ich weitere Stunden damit verbringen mich immer wieder in denselben Kampf zu werfen, nur um dann zu verlieren, ohne das Gefühl gehabt zu haben mehr ausrichten zu können als zuvor?
Die Antwort war “Nein”. Allerdings kommt hier der wichtigste Aspekt von Elden Ring ins Spiel, welcher den Titel von seinen Vorgängern abhebt: Die Open World. Denn ich hielt Wort und entschied mich dafür, keine weitere Minute an Margit zu verschwenden. Allerdings wandte ich mich dafür der restlichen Spielwelt zu. Eine Entscheidung, die dazu führen sollte, dass ich die nächsten Tage so oft es ging in der Welt von Elden Ring versinken wollte.
Der Sieler steht vor einer weit reichenden Landschaft voller Nebel, Ruinen und Schluchten.

Die offene Spielwelt in Elden Ring ist gigantisch

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Motivation, abseits des goldenen Pfads

Und damit kommen wir zum großen “Aber”. Denn auch wenn Elden Ring in Sachen Gameplay keine Versuche macht neuen Spielern den Einstieg zu erleichtern, so bietet die Open World das perfekte Gegengewicht zu dem Frust, den man erfahren kann, wenn man blind der Main Story Quest folgt.
Dabei ist es zu Beginn nicht leicht von dem goldenen Pfad zu lösen, der einem prominent auf der Karte des Spiels präsentiert wird. Auch darum, weil man viel Respekt vor dem Unbekannten hat, welches sich in den Wäldern, Sümpfen und Bergen der Spielwelt verbirgt. Die Sicherheit eines vorgegebenen Pfades macht die Entscheidung, wo die Resie als nächstes Hingehen sollte natürlich einfacher. Doch genau das ist es, was Elden Ring nicht möchte. Es ist eine perfekt platzierte Falle. Den Kampf mit Margit The Fell Omen zu erreichen dauert nicht lange. Auf dem Weg dorthin erwarten eine ein paar kleinere Hürden, wie der Hinterhalt eines bewaffneten Riesen, aber letztendlich dürften viele diesen Punkt des Spiels flott erreichen. Nur um dann mit der Realität konfrontiert zu werden, dass man (noch lange) nicht bereit ist.
Margit The Fell Omen, der erste Boss aus Elden Ring

"Put those foolish ambitons to rest!" - Margit ist gnadenlos

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Wenn man die nagende Stimme in seinem Gamer-Hirn, die einem sagt, man müsse diesen Boss doch schaffen können, endlich zum schweigen bringt, öffnet sich Elden Ring erst wirklich. In den folgenden Stunden habe ich das Gebiet Limgrave, in dem man sein Abenteuer startet, ausführlich erkundet. Dabei habe ich hinter jedem Hügel andere spannende Dinge erlebt. Ich kämpfte mich durch Katakomben voller Fallen und angriffslustiger Imps, flüchtete vor einem gigantischen Drachen, nur um Schutz in einer Miene zu suchen, wo ich wertvolle Ressourcen zum Aufrüsten meiner Waffen fand. Das Maß an Leben und erkundenswerten Orten erinnert an Spiele wie The Witcher 3 und The Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Die Welt von Elden Ring ist vor allem größer als man annehmen mag. Dabei ist nicht jedes Areal ähnlich einfach zu bereisen. Manche Gebiete sind mit eindeutig schwereren Gegner besiedelt, als andere. Lasst euch hier von eurem Instinkt leiten. Solltet ihr das Gefühl haben, dass die Erkundung eines Teils der Karte zu herausfordernd ist - kehrt zu einem späteren Zeitpunkt zurück. Ich war überrascht wie viele unterschiedliche Aktivitäten es allein in Limgrave zu finden gab. Und wie stark diese teilweise in ihrem Schwierigkeitsgrad variierten. Doch dies führte auch dazu, dass ich mir meine eigenen Ziele setzen konnte. Manche von ihnen konnte ich sofort erreichen, andere erst nach weiteren 30 Stunden Spielzeit.
Eines hatten alle diese Aktivitäten aber gemeinsam: Nachdem erfolgreichen Abschluss wurde ich belohnt. Und auch wenn die Art der Belohnung variierte, so war es doch meist etwas, das zumindest interessant war. Neue Waffen, Zaubersprüche oder Gegenstände, die einen auf weitere Abenteuer schicken. Viele dieser Schätze konnte ich auch (noch) nicht verwenden. Das machte meinen Wunsch zur Stufensteigerung nur größer. Selbst wenn Elden Ring mich mit zahlreichen Momenten konfrontiert hat, in denen ich starke Frust verspürt hatte, die Open World hat mich jedes mal wieder auf’s Neue abholen, und zur Ruhe bringen können.

Hart. Nicht immer fair.

Viele populäre Spiele mit hohem Schwierigkeitsgrad fühlen sich gut an, weil man jedes Mal, wenn man verliert weiß, warum es passiert ist. Man versteht, dass der Fehler bei einem selbst liegt und muss beim nächsten Anlauf adaptieren, um diesen Fehler zu vermeiden.
Elden Ring ist absolut ein hartes Pflaster. Ihr werdet mit vielen Mechaniken und Systemen konfrontiert, die euch nicht auf einem Silbertablett präsentiert werden. Es wird an euch liegen herauszufinden, wie das Game tickt. Auch werdet ihr mit einer Vielzahl an Gegner konfrontiert werden, die fordernde Angriffsmuster besitzen, welche eure Lebenspunkteleiste in Windeseile leeren können. Viele davon sind nicht einmal Bosse. Allerdings ist der Titel dabei nicht immer fair. An vielen Stellen warten Bildschirm-Tode auf euch, denen ihr schlicht und einfach nicht entgehen konntet, wenn ihr nicht bereits wusstet, was auf euch zukommt. Und wenn man daran denkt, dass eine große Prämisse des Spiels das Abtauchen in das Ungewisse ist, wird einem klar, dass dies oft passieren wird.
Ein gigantischer Titan thront über dem Spieler

Plötzlich Titan. Gefahren können in Elden Ring aus dem Nichts auftauchen.

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Tatsächlich bietet Elden Ring dadurch einige Momente, die unnötig frustrierend sind. Man hat das Gefühl, das Spiel möchte unfair sein, um ein gewisses Bild zu wahren. Generell gibt es einige Punkte an dem neuen From Software-Game, welche - in meinen Augen - einen zweiten, kritischen Blick, der Entwickler wert gewesen wären. An dieser Stelle wäre es fatal eine Diskussion darüber zu starten wie unzugänglich ein Videospiel sein darf. Allerdings gäbe es einige Stellschrauben in Elden Ring, an denen man drehen könnte, um den Titel für Einsteiger etwas angenehmer zu gestalten, ohne den Schwierigkeitsgrad zu beeinflussen.

Soll man es also wagen?

Letztendlich kommen wir wieder zur anfänglichen Frage zurück: Lohnt sich Elden Ring für Spieler, die bisher keinen Spaß an Dark Souls, und ähnlichen Titeln, hatten. Wie zuvor gesagt bleibt meine Antwort hier “nein”. Das Spiel ist immer noch ein Souls-Game mit allen Fallstricken, die das Genre mit sich bringt. Es ist für Einsteiger nicht zugänglicher als seine Vorgänger, und verzeiht auch genauso wenig Fehler.
Aber! Es bietet auch wesentlich mehr Wege seinen Inhalt zu erleben. Denn selbst wenn die Spielwelt in Dark Souls, Bloodborne und Sekiro in sich verknüpft war, lief man dennoch meist durch Schläuche, mit wenig Möglichkeiten den Dingen aus dem Weg zu gehen, die einen gerade zur Weißglut treiben. Durch die Einführung der Open World wird Elden Ring nicht einfacher. Aber es bietet euch einen Tausch an:Wenn ihr an einer Stelle nicht weiterkommt, gibt es hinter dem nächsten Hügel andere Abenteuer, die ihr erleben könnt.
Ich selbst hatte wie gesagt nie viel für die Spiele dieses Genres übrig. Aktuell habe ich bereits über 40 Stunden in Elden Ring gesteckt und freue mich auf jeden weiteren Abend, den ich mit dem Spiel verbringen kann. Auch wenn ich weiß, dass manche Stunden auch mit Ärger gefüllt sein werden.

Teil dieser Story

David ‘GrandPOOBear’ Hunt

One of the most prominent speedrunners in esports and on Twitch, David ‘GrandPOOBear’ Hunt is one of the top Super Mario Brothers players in the world.

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Explore the virtual landscape of the Japanese gaming industry in 2018-19 and meet some of the key people.

1 Staffel · 4 Folgen