F1
Fast Talk: Williams Koch Michael Caines
Der Gastronom mit Michelin-Stern verwöhnt die Gaumen des F1-Teams von Williams.
In den F1-Boxen für das Catering zu sorgen, ist so eine Sache: Die Teams verfügen in ihren Wohnmobilen alle über Küchen. Die hungrige Crew bekommt drei anständige Mahlzeiten serviert, Gäste erhalten ein Mittagessen, für Sponsoren wird eine Dinner-Party gegeben, und vielleicht wird auch ein besonderes Menü für Präsidenten, Premierminister oder königliche Hoheiten zubereitet. Sie können alles bieten – und tun es auch.
Doch Williams haut dieses Jahr auf den Putz: Koch und Gastronom Michael Caines wurde in dieser Saison in die Küche gebeten. Mit zwei Michelin-Sternen, einem wachsenden Hotel- und Restaurant-Imperium und einer blühenden TV-Karriere kommt bei Michael ganz sicher keine Langeweile auf – doch die Verlockung in der Formel Eins zu arbeiten, kann bei sonst so rationalen Menschen seltsame Dinge auslösen…
Redbull.com: Michael, diese Partnerschaft mit Williams lässt sich als gute, verkaufsfördernde Geschäftsidee bezeichnen, doch das ist nicht der wahre Grund, warum du hier bist, oder?
Michael Caines: Ah nein, nicht ganz. Die Wahrheit ist, ich bin ein sehr großer F1-Fan und ich liebe Williams. Ich wuchs in der Ära von Nigel Mansell, Damon Hill und Jacques Villeneuve auf. Dies ist eine tolle Geschäftsmöglichkeit – aber es ist auch eine wunderbare Ausrede, um die Atmosphäre an Orten wie Monaco, Silverstone oder Monza aufzusaugen…
RB: Konzentrierst du dich hauptsächlich auf die VIP-Gäste von Williams?
MC: Überhaupt nicht – ich kümmer mich um alles ein wenig. Die Köche von Williams und ich treffen uns jeden Monat ein paar Mal, und dann besprechen wir die Menüs und die gewünschte Erfahrung unserer Gäste. Ich helfe dabei ebenso, wie ich für das Team Eier koche. Die Crew zu beköstigen ist wichtig – so wie man auch die Mitarbeiter in seinem Restaurant beköstigen muss. Eine Armee marschiert nur mit vollem Magen.
RB: Die Sunday Times bewertete dein Gidleigh Park Restaurant vor kurzem als das beste Restaurant in Großbritannien – wie unterscheidet es sich von der Arbeit in einem Truck in Silverstone?
MC: Das muss man nicht mal mit dem Restaurant vergleichen. Selbst zu Hause habe ich eine größere Küche – was unglaublich ist, wenn man bedenkt wie viele Leute bei Williams an einem Wochenende mit Essen versorgt werden. Es ist ein Wunder, dass überhaupt jemand Essen bekommt – da ist man wirklich froh, dass alle so gut verpflegt werden.
Wenn du Menüs entwirfst, und über Essen und Konzept nachdenkst, musst du vor allem den physischen Raum im Kopf haben. Es geht weniger darum, jedes Detail aus Gidleigh nachzumachen, sondern mehr darum, die wirklich wichtigen Dinge einzufangen: den Geschmack, die Soßen und die Qualität des Kochens – und das Ganze tust du dann noch auf eine etwas einfachere Art und Weise, damit es in der beengten Umgebung möglich ist.
RB: Wie sieht der Tagesablauf aus? Benötigt man als Koch andere Fähigkeiten, wenn man bei einem Rennen arbeitet?
MC: Na ja, es wird nie langweilig! Wir beginnen morgens mit dem Frühstück, und arbeiten dann durch bis abends, wenn es private Veranstaltungen für Sponsoren gibt. Aber als Koch ist man lange Tage aus dem Restaurant gewöhnt. Eigentlich ist das hier sogar entspannter, weil es den Aktivitäten der F1 folgt: Man weiß also genau, wann es ruhig ist und wann es hektisch wird.
RB: Fühlt es sich seltsam an, nicht der Mittelpunkt eines Events, sondern Beilage zum Rennen zu sein?
MC: Ja! Du musst dir bewusst machen, dass die Leute nicht wegen dir da sind – doch das hat auch etwas Gutes. Ihre Erwartungen sind vielleicht nicht ganz so hoch wie die von Leuten, die in ein Restaurant kommen – das heißt, man kann sie mit dem Service und dem Essen überraschen und erfreuen. Das ist für uns wirklich gut.
RB: Hat man da überhaupt Zeit, das Rennen zu sehen?
MC: Oh ja. Ich bin beim Kochen sehr leidenschaftlich, und ich liebe es, in der Küche zu stehen – doch sobald der Grand Prix beginnt, lege ich die Schürze ab und schaue mir das Rennen an.
Hoffen wir, dass Michaels Gulasch-Rezept die Erwartungen erfüllen kann, wenn die Formel Eins vom 26. bis 28. Juli beim Großen Preis von Ungarn Halt macht.