Mit Renntempo auf der Strecke, während du in den Kurven einen Power-Slide hinlegst und die Reifen unter dir qualmen -- das Driften ist spektakulär und verlangt nach voller Kontrolle über das Auto.
Neben den bescheidenen Wurzeln in den Straßen Tokios war es vor allem die große Filmaction à la "The Fast And The Furious: Tokyo Drift" aus dem Jahr 2006, die dafür sorgten, dass die Popularität des Driftens weltweit explodierte.
Abseits der großen Leinwand sind es jedoch Drifting-Wettbewerbe wie der D1 Grand Prix in Japan, die europäische Drift Masters Series, die Formula D in den USA und Events wie Red Bull Car Park Drift im Mittleren Osten und in Afrika, die der Disziplin jede Menge Leben einhauchen. Doch fangen wir von vorne an...dort, wo alles begann...in Japan, in den späten 60er-Jahren.
26 Min
ABC of... Drifting
Drift Fahrer Dave Egan mit einem Crashkurs (Wortspiel beabsichtigt) in dem Motorsport, in dem es um Speed, Style, Skills - und Rauch geht.
Deutsch +10
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Der Mann, der das Driften erfand
Seine 40-jährige Karriere brachte ihn in die MotoGP, die Formel 1, zu den Touring Cars, ins GT Racing und zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans -- die Rede ist von Kunimitsu Takahashi, der maßgeblich dazu beitrug, dass man Japan in der Motorsport-Szene auf dem Radar haben musste. Der couragierte Kuni-san begann da, was wir heute MotoGP nennen, und war der erste japanische Rider, der sich dort einen Sieg sicherte (Deutschland 1962). Weitere Siege folgten in Spanien, Frankreich und beim Ulster Grand Prix. Nach einem heftigen Crash bei der Isle of Man TT wechselte er sein Vehikel und versuchte sich an vier Rädern. Er gründete das Oppama Works Miragurasu-Team mit und fuhr den damals brandneuen Nissan Skyline KPGB10 in der japanischen Road-Racing-Serie. Mit seinem aggressiven und spektakulären Fahrstil gewann er die Herzen der Fans.
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Wie man einen Drift-Style entwickelt...
Um den Mangel an mechanischem Grip in den Reifen zu kompensieren und die Power des Skyline (auf Japanisch "Hakosuka") voll auszureizen, entwickelte Takahashi eine Technik, um den Top-Speed auch in den Kurven halten zu können. Er machte sich das Übersteuern zunutze und brachte das Auto vor dem Apex einer Kurve ins Rutschen. Dann gab er wieder Vollgas, um mit maximalem Speed aus der Kurve zu rasen. Genau das brachte ihn an die Spitze des Podiums und machte ihn zum Helden unter den jungen Racern im gesamten Japan...
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Der Aufstieg des Driftens
Es waren Tausende junger Street-Racer, die sich von Takahashis Stil in den 1970ern anstecken ließen. Sie verbrachten ihre Wochenenden damit, mit allem, was Reifen hatte, auf den Straßen in Tokio und anderen Großstädten Rennen zu fahren. An den Wochentagen modifizierten sie ihre Fahrzeuge. Es bildeten sich zwei Gruppen heraus: die Kaido-Racer, die vorrangig an urbanen Rennen interessiert waren, und Hashiriya, die sich die offenen Straßen außerhalb der Stadt zunutze machten, um so richtig ins Gaspedal treten zu können. Die bergigen Straßen des Fuji waren besonders beliebt. Kuni-sans fotogene Power-Sliding-Technik eignete sich perfekt dazu, die engen Kurven möglichst schnell und spektakulär zu absolvieren.
Daniel Ricciardo und Max Verstappen steuern einen Kaido-Racer durch Tokio.
Nachdem das Überholen auf den engen Bergstraßen beinahe unmöglich war, entwickelte sich der Sport zum Touge Racing weiter. Im Mittelpunkt stehen zwei Autos: Der führende Pilot gibt das Tempo vor, während der Verfolger die Pace Kurve für Kurve mitgehen und mithalten muss. Wenn das Auto an der Front eine Lücke öffnet, ist er der Sieger. Falls nicht, fahren sie erneut den Berg hoch und versuchen es noch einmal -- dieses Mal mit dem Verfolger in der Führungsposition. Der Größte dieser Fahrer war der "Working-Class-Hero" Keiichi Tsuchiya...a.k.a. "The Drift King".
In den späten 1970er-Jahren begann Keiichi Tsuchiya mit seiner professionellen Karriere in der Formel 3 und der Touring-Cars-Serie in Japan und er lieferte einige herausragende Performances beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans ab. Sein professioneller Style verschaffte ihm einen gewissen Namen, doch im Herzen blieb er ein Street-Racer. Er war ein wahrer Crowd-Pleaser. Auf den Straßen war er so schnell unterwegs, dass er irgendwann driftete, um die Fans in Jubelstimmung zu versetzen.
Als leuchtendes Beispiel unter den Touge-Fahrern, wo die Switchbacks und Haarnadeln sich perfekt für das Driften eigneten, sah Tsuchiya das Potenzial für etwas Größeres. Er entschloss sich dazu, das Driften zur Mainstream-Disziplin zu machen. Im Jahr 1987 sammelte er Geld in der Street-Racing-Szene, um so Videos produzieren zu können. Das erste davon zeigt seine herausragenden Skills, während er einen Toyota AE 86 GTV Levin durch den Usui-Pass driftete -- eine wunderschöne Berggegend außerhalb von Nagano und Keiichis Heimstrecke.
Noch bevor es das Internet gab schlug das Video in Japan ein wie eine Bombe und dann in der gesamten Welt. Ein neuer Sport war entstanden: das Driften -- und Tsuchiya verlor dabei seinen Führerschein.
Mike Whiddett driftet auf dem Franschhoek-Pass in Südafrika.
Während die Wurzeln des Driftens in Japan liegen, traf es in der globalen Autokultur auf fruchtbaren Boden...
Rallye -- Im Rallye-Sport ist das Driften eine Schlüsselkomponente im Skillset eines Fahrer, während sie auf rutschigem Gravel im Power-Slide um die Kurven driften und den Speed möglichst halten. Dennoch setzen sie das Driften tatsächlich nur spärlich ein, da die meisten Rallye-Etappen auf Asphalt ausgetragen werden und die Reifen dort Grip haben, womit sie am besten performen, wenn sie diese auf die Richtung der Kurve ausrichten. Rallye-Piloten, die sehr erfolgreich in die Drift-Disziplin wechselten, sind der Neuseeländer Rhys Millen, Travis Pastrana und Ken Block. Halte auch die Augen nach Kalle Rovanperä offen, denn der WRC-Champion wird an der Drift Masters Europameisterschaft 2023 teilnehmen.
James Deane vor Michal Reicher in der Drift Masters Europameisterschaft
Banger Racing -- Egal, ob du es "Demolition Derby" (Nordamerika) oder "Banger-Racing" (Nordeuropa) nennst, es ist eine feine Kunst, ein demoliertes Auto im Dirt zu steuern und in deine Gegner zu rasen, um sie von der Strecke zu drängen, bis du das letzte Auto bist, das noch fährt. Die Teilnahme ist kostengünstig, es ist unfassbar unterhaltsam und tatsächlich schwerer umzusetzen, als es aussieht.
Spinning -- Wie die NASCAR, begann das Driften als nicht unbedingt gesetzeskonforme Angelegenheit. Das Spinning in Südafrika hat ähnliche Wurzeln. In den 80ern war das beliebteste Auto ein BMW (das lokal für "Break My Windows" stand). Gangster holten sie von den Straßen und fuhren sie, bis sie zerstört waren -- und das allein für die eigene Unterhaltung. Der Hinterradantrieb von Luxus-Autos eignete sich perfekt für das Driften und das Ganze entwickelte sich zu einem kulturellen Phänomen. Nachbarn trafen zusammen, spielten Musik und tanzten zu einer Floor-Show sich drehender Reifen, aufheulender Motoren und jeder Menge Smoke auf dem Asphalt.
Red Bull Car Park Drift -- Der fruchtbarste Boden für das Driften war aber wohl der Mittlere Osten, besonders der Auto-verrückte Libanon und die Türkei, wo junge Racer all ihre freie Zeit damit verbrachten, ihre Autos zu tunen und sie an Wochenenden zu präsentieren. Nachdem sie dann ihre Autos in den Straßen von Beirut oder Istanbul präsentiert hatten, machten sie sich auf, um im offenen Land gegen die Uhr zu fahren -- die schnellste Zeit gewann. Es dauerte nicht lange, bis Hindernisse wie Öl-Fässer oder Reifenstapel inkludiert wurden und die Kontrolle wichtiger wurde als der reine Speed. Das wiederum entwickelte sich zu einem organisierten Wettbewerb, der letztlich in Red Bull Car Park Drift mündete -- eines der ersten Drift-Events außerhalb Japans.
Eine Drift-Maschine ist kein Vehikel für Logos, es ist ein Ausdruck des Fahrers, der darin sitzt. Die Street-Racing Kaidos entwickelten einen gänzlich eigenen Style: Die Fahrhöhe wurde reduziert, bis die Toyotas und Nissans am Boden schrammten, Auspuffe wurden bis ins Unermessliche verlängert, die Karosserie verbreitert und die Lackierung fiel als Ausdruck der Individualität immer exzentrischer aus. Das inspirierte die Drifter dazu, dass es im Racing nicht nur im die Skills sondern auch um den Style ging. Es ging darum, dass es gut aussah. Die Spinners nannten diese Philosophie "Gusheshe".
Mike Whiddett an der hydraulischen Bremse seines MADBULL RX-7.
Im Innenraum erleben wir spezifisch angepasste Kupplungen, um die unteren Gänge möglichst akkurat zu händeln, während die Suspension die Friktion kontrolliert, die die spezifisch angepassten Reifen herauskitzeln. Das Lenkrad fällt klein aus, ist leicht und robust. Daneben willst du einen Rennsitz und Gurte, die dich an Ort und Stelle halten, während es hydraulische Handbremsen braucht, um die Hinterräder zu blockieren und das Auto im Drift zu halten. Warum gerade hydraulische Bremsen? Ganz einfach, weil Bremskabel reißen würden...
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Klassische Drift-Car-Modelle
Klar, die Wahl des Autos ist essenziell. Zwar ist es nicht unmöglich in einem Auto mit Vorderantrieb zu driften, doch ist es bedeutend schwerer. Daneben hat sich die Szene mit 1980er-Modellen entwickelt, weshalb ein Hinterradantrieb, manuelle Schaltung und ein Motor an der Front zum fundamentalen Repertoire gehören. Wahre Klassiker sind ein Toyota AE86 und GT86, ein Nissan 240SX und 200SX, ein Honda 2000 und ein BMW M3 oder M5. Sowohl der Ford Mustang als auch der Pontiac GTO kombinieren Ästhetik mit RWD und einer übermächtigen Engine.
Wenn wir schon von Ford reden -- der dreimalige Formula Drift-Champion James Deane fährt einen modernen Mustang und, als Maß des Wachstums des Drift-Sports, muss auch der Focus RS erwähnt werden. Es ist das erste Auto, das mit einem "Drift Mode" produziert wurde. Wenn du noch einen draufsetzen möchtest, machst du mit einem Mercedes-AMG GT 63 S oder mit einem Lexus IS 300 2JZ alles richtig. Rhys Millen setzt übrigens auf einen Hyundai Genesis Coupe.
Mad Mike Whiddett machte einen Lamborghini Huracan zur Drift-Maschine.
Die Motoren gleichen sich im Wesentlichen, jedoch präferieren manche Rotary-Motoren: Diese sind lauter, es gibt mehr Gänge und sie stecken voller Power. Diese Rock-Stars singen den Fans etwas vor und verlangen deren gesamte Aufmerksamkeit. Mad Mike Whiddett ist der Kind und hat das Internet mit seinen atemberaubenden Videos, seinen Performances bei der Formula D in Japan und der Formula Drift in den USA in seinen Rotary angetriebenen Mazdas eingenommen: dem BADBULL RX-8, dem MADBULL RX-7 und dem RADBULL MX-5.
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Wie man ein Drift-Car tunt
Um Speed zu genieren und einen Drift zu halten, muss die Engine hochtourig arbeiten. Viele Autos sind jedoch nicht entsprechend designt, weshalb der Drifter zunächst viel Arbeit in der Garage hinter sich bringen muss. Nehmen wir einen klassischen Nissan 240SX aus den frühen 90er-Jahren. Dieser wurde von einem KA24DE-Motor angetrieben. Dieser bringt respektable Ergebnisse aufs Parkett, jedoch schlägt der Puls dadurch nicht unbedingt höher. Erst mit einem Turbocharger erreicht man entsprechende Ergebnisse -- und schon hast du eine zeitlose Drifting-Maschine vor dir stehen.
Mad Mike Whiddetts Rotary betriebenes Tokio-Taxi, das Rotaxi.
Moderne Autos haben Onboard-Systeme wie das ABS, das das Auto daran hindert zu driften. Dieses Problem musste Mad Mike Whiddet irgendwie lösen, um sein NIMBUL-Projekt umsetzen zu können. Sein Ziel war es, einen Lamborghini Huracan in eine Drift-Maschine zu verwandeln. Er musste die Onboard-System vollständig umprogrammieren, eine neue ECU installieren und auf Lachgas setzen, um auf den entsprechenden Output zu kommen. Als Showman durch und durch präsentierte der Neuseeländer sein Werk vor Tausenden Fans beim Goodwood Festival of Speed 2019.
Denkt man an die Größen des Driftsports, dann kommt man an Drift-King Keiichi Tsuchiya nicht vorbei. Sein Einfluss ging über das klassische Racing, das Produzieren von Filmen und das Bestreiten von Wettbewerben weit hinaus. Er hörte nie damit auf, kreative und spannende Wege zu finden, um das Driften noch weiter zu verbreiten und er inspirierte Stars wie Youichi Imamura und Nobushige Kumakubo. Mitte der 90er-Jahre arbeitete er mit verschiedenen Künstler zusammen, um Manga-Strips zu kreieren, die später zu einem wilden Anime wurden. Und als die "The Fast And The Furious"-Crew nach Japan kam, fungierte Tsuchiya als Berater, Stunt-Co-Ordinator und Stunt-Fahrer. Auch die Formula Drift USA-Champions Rhys Millen und Tanner Foust waren Teil des Stunt-Teams.
Abdo Feghali
In Beirut spielt Abdo Feghali eine Schlüsselrolle bei Red Bull Car Park Drift -- sowohl als Teilnehmer als auch als technischer Berater. Der dreimalige libanesische Rallye- und Hill Climb-Champion, der 2013 den Weltrekord für den längsten Drift aufstellte, ist ein wahrer Held in der Drift-Szene des Mittleren Ostens.
Wie Kunimitsu Takahashi begann Daigo Saito mit Motorradrennen, und wie Keiichi Tsuchiya wuchs er in der Nagano-Region auf. Irgendwann traf er dort auf einen Mercedes in vollem Drift -- ein Moment, der ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Ihn erwischte der Drifting-Virus und er wurde zum erfolgreichsten Piloten im kompetitiven Drifting, indem er sowohl die D1-Serie in Japan als auch die Formula Drift in den USA gewann. Wie Mike Whiddett machte auch er aus einem Lamborghini eine Drift-Maschine.
Drifting-Legende Daigo Saito bei Red Bull Drift Shifters 2012.
Angefangen bei Paul Conlan über James Deane bis hin zu Jack Shanahan -- Irland ist ein wahrer Hotspot des Driftsports in Europa. Der aktuelle Abkömmling ist Jacks Bruder Conor Shanahan, der bereits mit 13 erste Wettbewerbe fuhr und als 16-Jähriger zum jüngsten Piloten wurde, der jemals einen wichtigen Drift-Titel gewinnen konnte.