Bike
Alles, was du wissen musst, um dein erstes Gravel-Bikepacking-Abenteuer zu planen.
Gravel-Bikepacking ist so simpel, wie es nur sein kann: Du schnallst dir ein paar Taschen an den Rahmen deines Fahrrads und machst dich auf den Weg zu einem selbst organisierten Abenteuer abseits der Straße.
Diese Art des Reisens wird immer beliebter, denn die Menschen wollen raus aus dem Verkehr und rein in die Natur. Inspiriert wurden sie dabei von Radsport-Ikonen wie Lael Wilcox und Lachlan Morton, die die Radsportwelt mit ihren epischen, ästhetischen Gravel-Missionen in ihren Bann gezogen haben. Diese Art des Radreisens ist zwar dafür bekannt, dass sie schneller und aufregender ist als herkömmliche Radtouren, aber es gibt keine Regel, die besagt, dass Gravel-Bikepacking-Abenteuer nicht auch gemütlich und sozial sein können. Es geht darum, die Reise in jedem Tempo zu genießen, solange du Spaß hast, sie zu deiner eigenen machst und gut aussiehst (ein Scherz, obwohl es ehrlich gesagt schwer ist, auf Schotter nicht gut auszusehen).
Die Planung deiner ersten Reise
Wenn du mit dem Gedanken spielst, eine Gravel-Bikepacking-Reise zu planen, solltest du wissen, dass das meiste nützliche Wissen in Form von Erfahrung gesammelt wird, denn Radreisen sind letztlich eine Frage der persönlichen Vorlieben. Es kommt nicht selten vor, dass du eine sorgfältig geplante Reise antrittst und dann feststellst, dass du dein Setup ändern, die Hälfte deiner Ausrüstung wegschmeißen oder in die komplett entgegengesetzte Richtung fahren möchtest. Zum Glück ist es einfach, die meisten dieser Dinge gleich in jenem Moment zu erledigen, an dem sie dir einfallen, so dass du dich nicht überfordern und vor der Abreise zu viel nachdenken musst. Dennoch gibt es ein paar nützliche Dinge, die du in der Planungsphase beachten solltest.
1. Optimiere dein Bike-Setup
Die erste Regel beim Gravel-Bikepacking lautet: Jedes Fahrrad kann ein Gravel-Bike sein, wenn du nur daran glaubst (natürlich im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten). Du musst nicht viel Geld für ein schickes Fahrrad ausgeben, wenn du ein Gravel-Bikepacking-Abenteuer unternehmen willst. Wenn du kein Gravelbike hast, reicht auch ein Mountainbike (idealerweise ein Hardtail) aus. Gehst du auf Optimierung oder planst du den Kauf eines passenden Fahrrads, solltest du folgendes beachten:
- Rahmenmaterial: Alles ist möglich, also hängt die Wahl von deinen Prioritäten ab: Aluminium ist am budgetfreundlichsten, Carbon ist am schnellsten, Stahl ist am robustesten und Titan ist am komfortabelsten.
- Reifen: Schlauchlose Reifen sind wohl die praktischste Option für den Einsatz im Gelände. Als Faustregel für die Breite gilt: 32-38 mm für glatten Schotter, 38-45 mm für "normalen" Schotter und 45 mm+ für technischen Schotter. Wenn du denkst, dass du irgendwann etwas Technisches machen willst, ist es am besten, ein Bike zu wählen, das eine ordentliche Reifenfreiheit hat, auch wenn du sie anfangs nicht brauchst.
- Bremsen: Scheibenbremsen mit ihrer zusätzlichen Bremskraft bei rauen Bedingungen sind die beste Wahl für einen Gravel-Trip, besonders bei einem beladenen Fahrrad.
Profi-Tipp: Egal, für welches Modell du dich entscheidest, lass es von einem Profi anpassen, bevor du zu einer Mehrtagestour aufbrichst, und stelle sicher, dass du deinen Sattel gründlich getestet hast. Kleine Unzulänglichkeiten können zu lästigen Verletzungen führen, wenn die Belastung plötzlich zunimmt.
2. Plane deine Route
In Anlehnung an ein Zitat von Peter Drucker geht es beim Gravel Bikepacking weniger darum, die richtige Route zu wählen, sondern vielmehr darum, die Route richtig zu wählen. Egal, wie gut du deinen Weg im Vorhinein planst, am Ende wirst du dein Fahrrad wahrscheinlich mindestens einmal über einen Zaun und durch ein schlammiges Schafsfeld tragen müssen. Das sollte dich aber nicht von der Planung abhalten.
- Erstelle eine Route: Du kannst entweder eine Route finden und anpassen, die jemand bereits geplant oder gefahren ist, z.B. auf Bikepacking.com, oder du kannst deine eigene Route von Grund auf mit einem Routenplaner wie Komoot, RidewithGPX oder Strava erstellen.
- Vergiss nicht, dass nicht alle Kilometer gleich sind: Berücksichtige bei deiner Einschätzung, wie weit du an einem Tag fahren kannst, auch Faktoren wie Höhenlage, Straßenbelag, vorherrschende Wetterbedingungen und kumulative Müdigkeit spielen eine weitreichende Rolle.
- Erkenne wichtige Punkte: Überprüfe Verpflegungs- und Wasserquellen, Fahrradläden, Schlafmöglichkeiten und andere interessante Punkte, an denen du vielleicht vorbeikommen möchtest.
- Lege dir einen streckenspezifischen Notfallplan zurecht: Es ist hilfreich, auf einige Worst-Case-Szenarien vorbereitet zu sein. Wenn etwas mit deinem Zelt, deinem Tretlager oder deinem rechten Knie nicht in Ordnung ist - wen rufst du dann an? Und was wirst du dann tun? Das solltest du wissen.
Pro-Tipp: Wenn du deine gesamte Route in Komoot eingibst und angibst, wie viele Tage du fahren willst, kann Komoot sowohl die Entfernung als auch die Höhenmeter berücksichtigen und die Route in ungefähr gleiche Etappen aufteilen. Du kannst auch eine Routensammlung erstellen, die dir einen Überblick über deine gesamte Reise und über jede einzelne Etappe gibt.
4Organisiere deine Ausrüstung
Die beste Ausrüstung für deinen ersten Bikepacking-Trip ist die, die du erbettelt, geliehen, gestohlen (nicht in einem Geschäft, sondern vielleicht von einem untreuen Ex) oder aus zweiter Hand gekauft hast. Denn (1) neue Ausrüstung ist teuer und (2) es ist ideal, verschiedene Dinge auszuprobieren und zu sehen, was für dich am besten funktioniert, bevor du in teure Gadgets investierst.
Im Folgenden liefern wir dir eine grundlegende Aufschlüsselung der Ausrüstung für einen Gravel Bikepacking Trip:
- Fahrradtaschen: Eine typische Gravel-Bikepacking-Ausrüstung umfasst eine Rahmentasche, eine Satteltasche, eine Oberrohrtasche und eine Lenkertasche. Du wirst dein eigenes System finden, was du wo transportieren willst, aber eine gängige Strategie ist, die Oberrohrtasche für Snacks und andere Dinge zu verwenden, auf die du unterwegs zugreifen willst, die Rahmentasche für Fahrradwerkzeug, die Satteltasche für Dinge, auf die du nur nachts zugreifen willst, wie z. B. Kleidung (mit oben angeschnallten Freizeitschuhen), und die Lenkertasche für zusammengerolltes Schlafzeug.
- Camping: Für die Übernachtung entscheiden sich Bikepacker in der Regel für eine Kombination aus Wildcamping, Campingplätzen oder Hotels und AirBnbs. Je nachdem, wie du schlafen willst, brauchst du eine aufblasbare Isomatte, einen Schlafsack, einen Biwaksack oder ein leichtes Zelt.
- Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Du solltest immer mehr Wasser dabei haben, als du brauchst. Wenn deine Rahmentasche den Platz für deine Trinkflaschen einschränkt, kannst du sie an deiner Vorderradgabel befestigen oder einen leichten Trinkrucksack verwenden. Du solltest einen kleinen Kocher, eine Essensausrüstung und ein paar Grundnahrungsmittel mitnehmen, oder du kannst alle Lebensmittel entlang der Strecke kaufen. Außerdem ist ein kleiner, faltbarer Rucksack ideal, wenn du Lebensmittel für eine Mahlzeit einkaufst und nur für ein paar Kilometer mitnehmen musst.
- Ausrüstung und Kleidung: Wenn du genug Platz hast, brauchst du zwei Sätze Ausrüstung (Radhosen und ein Trikot), damit du sie abwechselnd waschen und tragen kannst. Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen gehören Sport-BHs, Socken, Handschuhe und warme Zusatz-schichten. Abseits des Bikes brauchst du mindestens einen Satz Kleidung, den du sowohl in einem Café als auch zum Schlafen tragen kannst (bequem, leicht und vielseitig). Dazu kommen Unterwäsche, Freizeitschuhe und eine Mütze.
- Fahrradzubehör, Werkzeuge und Ersatzteile: Ein Fahrradcomputer mit Navigationsfunktion ist ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung für eine Gravel-Bikepacking-Tour, ebenso wie ein Frontlicht, ein Rücklicht und eventuell ein GPS-Tracker. Für all diese Dinge brauchst du Ladegeräte und Ladekabel sowie eine Powerbank. Außerdem solltest du Werkzeug dabei haben, um eine Reifenpanne zu beheben, dein Fahrrad zu warten und dich wie MacGuyver durch andere Herausforderungen zu kämpfen. Dazu gehören: ein Multitool, Reifenheber, eine Handpumpe, ein Ersatzschlauch, Dichtmittel, Kettenöl, ein Taschenmesser, Klebeband, Schnur und Kabelbinder. Du kannst auch Dinge wie ein Ersatz-Schaltauge, Speichen oder Kettenglieder mitnehmen, wenn du über das nötige handwerkliche Geschick verfügst.
- Hygiene und Medizin: Das Wichtigste sind Zahnbürste und Zahnpasta, Sonnencreme, Seife, Waschcreme, persönliche Medikamente, Mückenspray und eine medizinische Grundausstattung. Eine Menstruationstasse ist eine umweltfreundliche und platzsparende Option für alle, die ihre Periode bekommen. Es ist nützlich, ein Set von kleinen "Reise-Toilettenbehältern" zu kaufen (billig und einfach online zu bestellen) und deine Lieblingsprodukte darin zu verstauen.
- Persönliches: Bewahre Dinge wie dein Handy, Geld, Bankkarten, deinen Reisepass und andere Wertsachen in einer wasserdichten Tasche oder einem Beutel auf, den du leicht herausnehmen und bei dir tragen kannst, wenn du dein Fahrrad unbeaufsichtigt lassen musst. Wenn du deine Gravel-Crew beeindrucken (oder möglicherweise ärgern) willst, solltest du außerdem Unterhaltungszubehör wie einen Lautsprecher, einen Notizblock und Stift, eine Kamera oder ein Kartenspiel mitnehmen. Pro-Tipp: Nimm keine Ukulele mit, wenn du nicht sicher bist, dass du Zeit und Energie hast, um Ukulele zu spielen. Wir sprechen hier aus persönlicher Erfahrung...
4. Unterwegs
Sobald du dich auf den Weg gemacht hast, idealerweise nach mindestens einer Probefahrt, solltest du diese Dinge beachten:
- Tankstellen und Cafés sind deine Freunde: Wenn du unterwegs bist, solltest du immer nach Orten Ausschau halten, an denen du (1) deine Flaschen auffüllen, (2) Snacks kaufen, (3) Koffein zu dir nehmen kannst (ein Red Bull hilft dir, dich zu konzentrieren), (4) deine elektronischen Geräte aufladen kannst, (5) auf die Toilette gehen kannst und (6) nach lokalen Tipps und Routeninformationen fragen kannst. An einer Tankstelle und/oder einem Café kannst du oft all diese Punkte auf einen Schlag erledigen. Markiere sie auf deiner Route.
- Sicherheit im Gelände: Auf Schotterstraßen ist in der Regel weniger Verkehr, aber die Autofahrer fahren trotzdem zu schnell und rechnen oft nicht mit Radfahrern, also sei wachsam und benutze das Licht.
- Sei umweltbewusst: Lass die Wildnis die Wildnis sein. Hinterlasse keine Spuren, nimm Rücksicht auf Naturschutzgebiete und Privateigentum und störe die Tierwelt nicht.
- Freunde dich mit Fremden an: Einheimische und Mitreisende können dir oft von geheimen Restaurants, fotogenen Umwegen und versteckten Campingplätzen erzählen. Vielleicht bieten sie dir sogar einen Platz zum Übernachten an. Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, an dem du dich outen und freundlich sein solltest, dann ist es dieser (außerdem wirst du diese Menschen wahrscheinlich nie wieder sehen, du hast also nichts zu verlieren).
5. Nach der Reise
Nach deiner Reise willst du wahrscheinlich alle deine Bikepacking-Sachen in einem dunklen Lagerraum verstauen und sie vergessen, während du ausgiebig duschst und das leckerste Essen deines Lebens planst. Wenn du das getan hast, mach Folgendes:
- Reinige deine Ausrüstung und lagere sie ordentlich: Schmutzige Ausrüstung zu schrubben und zu sortieren macht niemandem Spaß, aber schmutzige Sachen nach ein paar Wochen wieder auszupacken und ein neues Zelt kaufen zu müssen, weil du keine Ahnung hast, wo deine Zeltstangen nach deinem letzten Trip vor ein paar Monaten abgeblieben sind, ist noch weit weniger unterhaltsam.
- Mach dir Notizen: Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, aber es kann eine große Hilfe sein. Mach dir nach (oder während) jeder Reise ein paar Notizen zu den Dingen, die du in Zukunft ausprobieren, kaufen oder anders machen willst, und zwar in Kategorien wie Ausrüstung, Ernährung, Aufbau und Planung der Fahrt. Lies sie auf jeden Fall vor deiner nächsten Reise.
- Trage zur Bikepacking-Gemeinschaft bei: Das ist völlig freiwillig, aber das Teilen deiner Routen- oder Abenteuergeschichten in einem Blog, einem Forum, einem Social-Media-Kanal oder auf einer Radfahrplattform wie Strava (Red Bull Club hier) kann eine großartige Möglichkeit sein, deine Erinnerungen festzuhalten und einige praktische Ressourcen für andere Gravel-Bikepacker zu schaffen.
Dies ist der Teil des Artikels, in dem der Autor normalerweise festhält: "Und zum Schluss: Vergiss nicht, Spaß zu haben" und das solltest du auch definitiv tun. Aber vergiss nicht darauf, nach deinem Trip ausgiebig darauf zurückzublicken, dich an den Erinnerungen zu erfreuen und stolz auf deine Leistung zu sein -- auch das ist eine Form von Spaß, vielleicht sogar die beste davon.
Du hast Lust bekommen, dich in ein Bikepacking-Abenteuer zu stürzen, brauchst dazu aber noch zusätzliche Inspiration? Red Bull TV bietet unzählige Möglichkeiten dazu; etwa folgenden Adventure-Film aus der Sparte Bike:
22 Min
Crossing Tasmania
MTB rider Payson McElveen attempts to cross Australia’s least populated state: the island of Tasmania.