Conor Maguire auf einer Riesenwelle in Mullaghmore
© Gary McCall
Surfen

Conor Maguire verrät seine 5 Profi-Tipps zum Surfen größerer Wellen

Irlands bester Big Wave-Surfer hat wertvolle Tipps, wie du dein Surf-Game verbesserst und es dir gelingt, größere Wellen erfolgreich in Angriff zu nehmen.
Autor: Russ Bateman
veröffentlicht am
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Conor Maguire

IrelandIreland

Justine Dupont

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Kai Lenny

United StatesUnited States

Lucas 'Chumbo' Chianca

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Natxo González

SpainSpain
Okay, lass uns gleich eines klarstellen: Big Wave-Surfen ist nur etwas für eine Handvoll der talentiertesten und besten Surfer der Welt, und selbst die haben Jahre verbracht, um an Orten wie Nazaré, Mavericks und Jaws surfen zu können.
Wenn du gerade erst mit dem Surfen begonnen hast, aber unbedingt große Wellen reiten willst, solltest du einmal tief durchatmen. Nein, im Ernst. Du wirst Jahre warten müssen, bevor du in eine drei Meter hohe Wolle droppst, denn dabei musst du in der Lage sein, den Atem für eine wirklich lange Zeit anzuhalten.
Obwohl wir dir nicht wirklich empfehlen können, deine Karriere zu wechseln und auf Big Wave-Surfen umzusteigen, können wir mit dir immerhin die Gedanken und Erfahrungen unserer eigenen Big Wave-Athleten teilen. Männer und Frauen wie Justine Dupont, Kai Lenny, Lucas Chumbo, Ian Walsh, Izzie Gomez, Natxo Gonzalez und Conor Maguire kennen brutale Meeresbedingungen wie kaum jemand anderer auf der Welt.
Für diese Lektion haben wir uns entschieden, dem irischen Charger Conor Maguire, der in Mullaghmore eine der größten Wellen des Jahres 2020 gesurft hat, fünf Fragen zu stellen. Los geht's, Conor!
Was würdest du einem fortgeschrittenen Surfer sagen, der über die nötigen Fähigkeiten verfügt und sich gerne auf größere Wellen wagen möchte, aber unsicher ist? Wie sollte er sich körperlich und mental vorbereiten?
Conor Maguire auf seinem Surfboard.
Conor Maguire paddelt hinaus
Zunächst einmal ist es wichtig, dass du immer noch bequeme Drops hinlegen kannst, wenn der Swell auf deinem Homespot (egal ob Beach- oder Riffbreak) am größten ist - erst dann sollte man sich weiter hinauswagen. Es ist unbedingt notwendig, sich außerhalb seiner Komfortzone zu bewegen, um Fortschritte zu machen, aber Schritt für Schritt und deine Sicherheit sollte immer oberste Priorität haben. Das erste Mal ist es am besten, mit einem erfahrenen Surfer hinauszupaddeln, der dir zeigen kann, was zu tun ist, wenn alles schief geht.
Wenn du große Wellen surfen möchtest, ist es unvermeidlich, sich mental darauf vorzubereiten, um in einer gefährlichen Situation ruhig zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du fit genug bist, solltest du niemals allein hinauspaddeln. Wer sich selbst in Gefahr bringt, riskiert auch immer die Sicherheit der Person, die einen retten muss - auch daran muss man denken!
Paddel immer mit jemandem hinaus, der bereits Erfahrung mit größeren Wellen hat. Dieses Wissen ist bei schwierigen Bedingungen von unschätzbarem Wert.
Also noch einmal zusammenfassend: Bereite dich beim Training ausreichend vor, um für den schlimmsten Fall gewappnet zu sein. Zum Beispiel ein gebrochenes Board oder eine gerissene Leash, gefolgt von einer langen Schwimmdistanz ohne Board. Mach dich mental ready und stell dir vor, wie du ihn die Welle paddelst, aber vergiss auch nie, dir vor Augen zu führen, was bei einem Wipe-Out passieren kann. Am besten paddelst du mit jemandem hinaus, der bereits viel Erfahrung in größeren Wellen hat - dieses Wissen ist bei schwierigen Bedingungen von unschätzbarem Wert, auch wenn es darum geht, sich im Wasser richtig zu positionieren. Die Big Wave-Community ist meiner Erfahrung nach sehr freundlich und wenn du bereit bist, wird man dir gerne zeigen, wie es geht.
Wie wichtig ist die richtige Atemtechnik? Kannst du den Unterschied zwischen dem Anhalten des Atems zu Hause im Pool, und dem Anhalten des Atems nach einem Wipe-Out unter einer sechs Meter hohen Welle erklären?
Der irische Profi-Big-Wave-Surfer Conor Maguire vor einer riesigen, schaumigen Wand.
Conor Maguire mittendrin
Das Anhalten des Atems ist der Schlüssel zu mentaler Stärke. Vertrauen in sich selbst zu haben, ist enorm wichtig, wenn du an deine Grenzen gehen willst. Den Atem fünf Minuten anhalten zu können, wenn man zu Hause gemütlich in der Hängematte liegt, ist zwar beeindruckend, aber es wird dir nicht viel bringen, wenn du zwei Wellen lang unter Wasser bist.
Den Atem fünf Minuten anhalten zu können, wenn man zu Hause gemütlich in der Hängematte liegt, ist zwar beeindruckend, aber es wird dir nicht viel bringen, wenn du zwei Wellen lang unter Wasser bist.
Man verbraucht bereits jede Menge Energie nur zum Hineinpaddeln in eine Welle. Dann pumpt auch noch das ganze Adrenalin durch deine Adern und dein Herzschlag ist erhöht - dadurch verbraucht der Körper viel mehr Sauerstoff als im entspannten Zustand. Wenn du dann noch ein paar turbulente Sekunden unter Wasser hast und die Panik einsetzt, verlierst du noch schneller Sauerstoff.
Auch hier spielt die Visualisierung eine wichtige Rolle. Stell dir vor, du wirst unter Wasser richtig durchgeschüttelt und überlege dir, wie du Energie sparen und dich beruhigen kannst. Ich rolle mich gerne zu einem Ball zusammen, um meine Gliedmaßen nah am Körper zu halten - das bewahrt einen auch vor möglichen Verletzungen. Wenn ich das Gefühl habe, schon eine Weile unter Wasser zu sein, beginne ich zu zählen. Das beruhigt mich, weil ich dabei immer merke, dass ich noch gar nicht so lange unten bin. Geist und Lunge so zu trainieren, dass man auch in einer höchst intensiven Situation den Atem lange anhalten kann, ist unglaublich wertvoll, wenn man größere Wellen surfen möchte und besser werden will.
Dazu gibt es unzählige Möglichkeiten. Ich mache zum Beispiel gerne Sprintlängen im Pool, gefolgt von Unterwasserlängen, um zu simulieren, dass man in eine Welle paddelt und dann stürzt. Aber es gibt noch viele andere Techniken. Recherchiere einfach ein wenig, buche einen Free-Diving-Kurs und übe so lange, bis du dich wohlfühlst. Aber denke daran, immer mit einer anderen Person zu arbeiten, wenn du Unterwassertraining absolvierst.
Die besten Workouts für Big Wave-Surfen?
Surfer Conor Maguire aus Bundoran fährt eine Welle, die auf nackten Felsen bricht
Conor Maguire in der kleegrünen Hölle
Surfen, surfen, surfen! Bleib flexibel, um Verletzungen zu vermeiden (Yoga oder was auch immer für dich funktioniert). Cardio, Atem- und Krafttraining.
Das beste Training, um dich mental auf die unvermeidliche Angst vorzubereiten?
Der Profi-Surfer aus Irland, Conor Maguire, surft eine Riesenwelle am irischen Big Wave-Spot Riley's.
Conor Maguire in Action am Big Wave-Spot Riley's
Wer größere Wellen surfen möchte, muss es wirklich wollen und sich selbst pushen. Entweder hat man dieses Verlangen oder nicht. Die Motivation hilft einem enorm dabei, Fortschritte zu machen und tatsächlich größere Wellen zu surfen. Ich persönlich mag es, viel zu visualisieren - aber jeder hat seine eigenen Techniken. Ich habe das mit dem Visualisieren nie erzwingen müssen. Das hat angefangen, als ich mit dem Surfen begonnen habe, noch bevor ich überhaupt wusste, was „Visualisierung" überhaupt ist.
Entweder hat man dieses Verlangen oder nicht.
Ich glaube, die Besessenheit vom Surfen hat mich dazu gebracht, den ganzen Tag darüber nachzudenken - vor dem Schlafen und nach dem Aufwachen. Und das tue ich immer noch! Ich denke, das hat mir geholfen, mich mehr als alles andere auf das Surfen zu konzentrieren. Ich stelle mir alles vor, von meinen schlimmsten Wipe-Outs bis hin zur Welle meines Lebens, und neue Lines, die ich auf meinen Lieblingswellen nehmen kann. Genieße einfach den Prozess und erzwinge es nicht!
Wie wichtig ist es, ein Team um sich herum aufzubauen? Nicht nur, um dir die Motivation abzuholen, sondern auch aus Sicherheitsgründen.
Der irische Surfer Conor Maguire surft nach dem Hurricane Epsilon die bisher größte Welle seines Lebens.
Conor Maguire surft eine knapp 20 m hohe Welle in Mullaghmore, Sligo
Ein solides Team ist für mich der absolut wichtigste Aspekt beim Big Wave-Surfen. Ich hätte mich nicht so sehr angestrengt, wenn es nicht die Leute gegeben hätte, die vor mir den Weg geebnet haben, und auch das unglaubliche Safety-Team, das wir in Irland haben (Irish Tow Rescue Club). Es gibt Tage, an denen es unmöglich gewesen wäre zu surfen, wenn ich nicht die Hilfe und die Unterstützung der Jungs gehabt hätte, die zu Hause für die Sicherheit sorgen.
Es kann sein, dass du eines Tages jemanden rettest und das ist viel wichtiger als die Welle deines Lebens zu surfen.
Ich würde jedem, der mit dem Gedanken spielt, große Welle zu surfen, raten, sich bei einem Sicherheitsteams in seiner Gegend vorzustellen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich empfehle auch dringend, Erste-Hilfe- und surfspezifische Kurse zu absolvieren. Man weiß nie, wann man selbst oder ein Kumpel es brauchen könnte. Sei auf das Schlimmste vorbereitet! Es kann sein, dass du eines Tages jemanden rettest und das ist viel wichtiger als die Welle deines Lebens zu surfen.
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